Matthias Bertram im Porträt

Wacher Zeitgenosse mit Interesse für die Geschichte der Region

Der gebürtige Dernauer ist neben seiner beruflichen Beratertätigkeit auch Autor, Heimatforscher und Maler

Wacher Zeitgenosse mit
Interesse für die Geschichte der Region

Für seine Recherchen rekonstruierte Matthias Bertram auch die Lage des ehemaligen jüdischen Bethauses in Dernau. Foto: HG

17.08.2015 - 17:53

Walporzheim. Er lebt ganz in der Gegenwart, vertieft sich aber auch gern in die Geschichte. In der Welt ist er viel herumgekommen, hält aber zugleich an seinen Wurzeln fest. Die Rede ist von Matthias Bertram, der im Kreisstädter Ortsteil Walporzheim lebt und in diesem Sommer sein Buch „... in einem anderen Lande - Geschichte, Leben und Lebenswege von Juden im Rheinland“ herausbrachte.


Im „Unruhestand“


Beim Gespräch im hellen Wintergarten über ihn und seine Interessen ist Matthias Bertram auskunftsfreudig, aufgeschlossen und entspannt, ganz so, wie es von einem Mann, der seit Mai dieses Jahres in Rente ist, erwartet werden darf. Doch liegt die Sache beim Winzersohn, der 1950 in Dernau zur Welt kam, ein wenig anders. Tatsächlich hält der „Unruhestand“ einstweilen an: „Ich arbeite ja über mein Unternehmen GWE Engineering Solutions auch noch ein wenig. So zusammen mit dem Consultant GAUFF Engineering, Nürnberg für ein Wasserversorgungs- und Bohrprojekt in Lubango/Angola und mit dem Ingenieurbüro Bieske & Partner in Lohmar für eine Grundwassersanierung im Hochland von Toluca/Mexiko.“

Spannende Projekte hat er auch in der Vergangenheit geleitet, nachdem er 1975 an der RWTH Aachen sein Bauingenieurstudium abschloss. Dabei dachte die Familie früher, „ich würde einmal Pfarrer werden“. Als in den 50er Jahren Mariannhill-Studenten Kalender in Dernau und Umgebung verkauft und bei der Familie Bertram übernachtet hatten, „kam die Idee auf“. Im Alter von elf Jahren besuchte der Junge daher als Internatsschüler ein Gymnasium der Missionare von Mariannhill im Münsterland, ein ehemaliges Trappistenkloster. Die Mariannhiller müssen Eindruck in Dernau gemacht haben.

„Zehn Leute kamen von der Ahr, acht von Dernau. Ich war der Erste“, weiß Matthias Bertram noch und zählt die anderen auf, „Eddy Bertram, zwei Näkels, zwei von Kastenholz, beide Riskes".


Von Pipeline- bis Brunnenbau


Manches in seinem Werdegang sollte sich anders entwickeln als zunächst geplant. „Nach dem Studium wollte ich im Bereich Rheinland arbeiten, kam aber nach Hannover, ich wollte im Spezial- und Tiefbau tätig sein, habe aber 23 Jahre im In- und Ausland bei der Preussag gearbeitet, anfangs in der Offshoretechnik“.

Es folgte ein Pipeline-Projekt im arabischen Golf vom Festland zu einer Insel, Pipelinebau, so eine „Megapipeline“ aus Russland über die Tschechei bis in die Gegend Nürnbergs, 1979 dann Brunnenbau und Wasserversorgung in Nigeria, wo im Auftrag der ersten Zivilregierung „40 Brunnen, 40 Wassertanks und 40 Wasserhähne“ installiert wurden. Bis heute kommen die ehemaligen Kollegen alle zwei Jahre zum Nigeria-Treffen zusammen: „Das war damals eine sehr gut eingespielte Truppe."

Ende 1981 kehrte Matthias Bertram nach Deutschland zurück. Im Jahr darauf war er in Essen im Brunnenbau tätig und wurde 1990 Niederlassungsleiter in Darmstadt.

Zwischenzeitlich hatte er geheiratet, war Vater zweier Söhne geworden. Von 1994 bis 1998 musste er in Hannover als Geschäftsführer der Preussag Wasser und Rohrtechnik GmbH die Umstrukturierung vornehmen, „bei der alles, was Technik ist, ausgelagert wurde“. Sein schmerzlicher Gesichtsausdruck lässt ahnen, wie belastend diese Aufgabe war. In den vergangenen Jahren war er beschäftigt und ist weiterhin befasst mit der Beratung für Projekte der Wasserversorgung, Bohrtechnik und des Brunnenbaus seines eigenen in Ahrweiler ansässigen Ingenieurbüros GEW German Water & Energy Engineering Solutions.


Reflektierender Rückblick


„Bis 1998 gab es wenig Freizeit“, sagt Matthias Bertram. Dennoch regte ihn bereits der Tod des Vaters 1985 an, verstärkt über Vergangenes zu reflektieren. Er begann Notizen zu den Juden in Dernau zu machen, empfand, „das müsste man festhalten“. Ihn bewegte, was seine Angehörigen erlebt hatten. Seine Großmutter Elisabeth Kreuzberg, Nachbarin der Familie Bär in der Teichgasse, hatte, als Nazi-Trupps in der „Reichskristallnacht“ 1938 den Bärs die Fenster zerschlugen, deren auf der Straße verstreute Wertgegenstände gesichert und wurde deshalb wochenlang inhaftiert. Matthias Bertrams Vater Willibald war während der Zerstörung beim Abfüllen im Weinkeller. Später kam er in den Hof der Nachbarn: „Da saß der alte Moses Bär zusammengekauert und hat geweint. Mein Vater bedauerte später, ihn nicht angesprochen zu haben."

Matthias Bertram spürte fortan der Geschichte der Dernauer Juden und den Lebenswegen der Familien in Ahrweiler, Neuenahr, Siegburg und Weilerswist nach. Er knüpfte auch zahlreiche Kontakte zu Nachkommen der jüdischen Familien von der Ahr in Israel, den USA, den Niederlanden, England, Kanada und Argentinien. Ein Hinweis führte zum nächsten. Die Recherche entwickelte Eigendynamik, die sogar griff, wenn die Namen nicht mehr dieselben waren. „Kaum war das Buch für den Druck freigegeben, kam es zum Kontakt mit den Nachkommen der Familie Karl Schweitzer, die Töchter Gerda und Hilde und der jüngste Sohn Walter, die in England vor den Nazis Schutz gefunden hatten. Der kleine Walter Schweitzer war in London bei einer jüdischen Familie untergebracht und später recht erfolgreich im Immobiliengeschäft. In den fünfziger Jahren änderte er seinen Familiennamen von Schweitzer auf Swindon (Name einer Vorstadt von London). Sein Sohn Charles Swindon ist heute im internationalen Metallhandel tätig und seine Tochter Ruth Swindon betreibt eine Buchhandlung in London.“


Gegen das Vergessen


Schon 2011 kam Matthias Bertrams Büchlein „Ech sinn dann enns fott“ heraus über die Dernauer Auswanderer Heimermann, Creuzberg, Winten, Sebastian und andere, darunter etwa der Goldwäscher Josef Ley. Auch über die Leyendeckers, eine Dernauer Künstlerfamilie im Paris des 19. Jahrhunderts, hatte Matthias Bertram neue Erkenntnisse gewonnen und festgehalten. Manchen Einblick verschafft er sich zudem dank kreativer Einfälle und seiner grafischen Ader. Die hätte ihn fast Grafikdesign studieren lassen und ist für ihn seit zwei Jahren in Acryl, Aquarell und Radierung ein weiteres Betätigungsfeld. Um zu ermessen, wie das einstige jüdische Bethaus zwischen den Dernauer Häusern angesiedelt war, fotografierte er das Gebäude mit dem Teleobjektiv vom Krausberg aus. In einer Zeichnung verschränkte er diese Ansicht sodann mit der historischen Bausituation von 1850.

Vieles, was Matthias Bertram umtreibt, lässt sich in seinem Internetauftritt www.ahr-eifel-rhein.de verfolgen. 2001 begonnen, hat er die dort eingestellten „Geschichten und Geschichte im Zusammenhang mit der Region Ahr, dem Saffenburger Land, dem Ort Dernau und den Vorfahren der Bertrams“ stetig fortgeschrieben und ergänzt. Einem sich so aufmerksam und tatkräftig aufs Leben einlassenden Mann wie ihm gehen die Projekte natürlich nicht aus. Nach dem Gespräch bricht er unverzüglich zum nächsten Treffen auf. Es geht um den jüdischen Friedhof in Dernau, der ein neues Tor braucht.

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Kugelmann:
Demokratie lebt vom WANDEL! Macht zu lange ausgeübt, führt zu Selbstüberschätzung derer, die sie glauben zu haben. „Siegessicherheit macht nämlich leichtsinnig und TRÄGE!“ Von 49. 359 Wahlberechtigten wählten 37.653 (76,28%) den CDU-Kandidaten nicht! Das bedeutet, dass sich der neue OB in den kommenden Jahren auch wieder auf eine Mehrheit von Mitbürgern abstützen muss, die sich wenig für Kommunalpolitik interessiert sowie politisch anders orientiert ist. Das macht wie so oft deutlich, welchen Stellenwert das Amt und die Person für die Bürger Neuwieds mittlerweile (40,1 % Wahlbeteiligung) besitzen. Bei einer Wahlbeteiligung (Stichwahl) von nur noch 40,41 % wurden dann aus 11.706 Stimmen 59,56 % für ihn, was letztlich heißt, dass der zukünftige Oberbürgermeister sich auf eine ihn gewählte Minderheit/Wahlberechtigte abstützt, die in naher Zukunft auch wieder unter „Artenschutz“ gestellt wird. „Wer trägt denn nun die Verantwortung für dieses „Desinteresse? Zweifelsohne Politiker mit ihrem Auftreten und Verhalten selbst.“ Wenn die negativen Erfahrungen der Bürger beim direkten Kontakt mit Politikern und Staat überwiegen, formt sich ein Bild des Versagens, des Rückzugs und der Verärgerung. Dagegen muss die Politik vorgehen - durch das Handeln vor Ort. Insofern ist es richtig, Probleme zu benennen, die der Bürger wirklich hat. Noch besser ist es, diese auch lösen zu wollen – ohne Kompetenzgerangel. Deshalb muss es heute und zukünftig lauten „Mehr Staat wagen“. Nicht, um die Wirtschaft zu reglementieren oder die Bürger zu überwachen, sondern um dort besser zu funktionieren, wo es einen berechtigten Anspruch an den Staat gibt. Im Klartext: „Dort, wo der Bürger den Staat wirklich braucht. Das kostet Geld – für die Verwaltung, Lehrer, Polizisten, Schulgebäude, Krankenhäuser etc.. Aber es ist gut angelegtes Geld. Weil Vertrauen in den Staat auch Vertrauen in die Demokratie bedeutet. Und das sollte auf keinen Fall verloren gehen.“ „BEGEISTERN durch VORBILD!“ Dem neuen Oberbürgermeister sind viel Glück und Stehvermögen zu wünschen, auf das er nicht zu einem Getriebenen und Erfüllungsgehilfen einer siegestrunkenen CDU wird, die doch schon jahrelang mit den „Hufen“ gescharrt hatte.
juergen mueller:
Die OB-Wahl ist zu Gunsten von Herrn Langner gelaufen und schon ist man der Meinung, dass sich damit auch die Causa Hofmann-Göttig erledigt hat, die ja angeblich nur ins Leben gerufen wurde, um damit evtl. Einfluss auf den Ausgang der Wahl zu nehmen. Dieses immer wieder kommunal, landes- u. bundesweit auftretende Phänomen der politischen Selbstbereicherung ist wie ein Krebsgeschwür, gegen das man noch kein Mittel gefunden hat (oder nicht finden will). Das ist keine Krankheit, die von Zeit zu Zeit immer mal wieder ausbricht, sondern ein fester Bestandteil der Politik (auch der Wirtschaft) ... und sie hat einen Namen:"GIER". Die bereits angekündigte Rechtfertigung von Hofmann-Göttig sollte man zur Kenntnis nehmen u. mehr nicht. Sein Selbstloblüge für eine nie stattgefundene finanzielle Einbuße war charakterlos u. obendrein eine Verarschung der Wählerschaft. Verdienste für Koblenz hin oder her - sein Handeln (u. das von BECK) war Missbrauch, Manipulation u. Beliebigkeit.
juergen mueller:
Herr Langner lässt ein klares Wort zu der Causa Hofmann-Göttig vermissen u. verschanzt sich vielmehr hinter einer schwammigen Äusserung, die für ihn, da die Voraussetzung fehlt, ohnehin nicht von Belang ist. Zu der Frage, ob hinter dem Ganzen System steckt u. Probleme mit Geld gelöst werden, so muss dies mit JA beantwortet werden, ein System, das nicht nur in der Politik ein Zuhause hat. System steckt auch hinter der Tatsache, dass es kein Zufall ist, dass ausgerechnet jetzt unmittelbar vor der Stichwahl Tatsachen an`s Licht kommen, die bereits vor Jahren bekannt waren, aber zu diesem Zeitpunkt keine auswirkende Brisanz hatten. Wer hier seine schmutzigen Finger wirklich im Spiel haben könnte, lässt sich nur erahnen, zumal es hierzu ja bereits das passende Vorspiel gegeben hat. Trotz der Verdienste von Hofmann-Göttig u. der Parole fair zu bleiben muss es erlaubt sein, weiterhin politische Selbstbedienungsmentalität, Systemfehler, Vettern- u. Lügenwirtschaft an den Pranger zu stellen.
juergen mueller:
Die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand ist in der BRD ein Rechtsakt/Verwaltungsakt, mit dem z.B. hochrangige politische Beamte ohne Angabe von Gründen aus dem aktiven Dienst entfernt werden können. Hofmann-Göttig ist sein Abgang mehr als vesüßt worden, dank einer Schlupfloch-Gesetzgebung, die sich die Politik selbst verpasst hat. 2013 hatte Hofmann-Göttig noch als bereits bis dahin personifizierter Ruhegehaltsabsahner die Unverschämtheit sich selbst eines nie stattgefundenen finanziellen Verzichtes selbst zu loben u. war sich dieser wissentlichen Lüge durchaus bewusst. Auch als OB, und damit weiterhin als potenzieller Absahner in nicht wenigen Aufsichtsräten vertreten, hat er seine ihm in die politische Wiege gelegten Nehmerqualitäten bewiesen, was nicht heißt, dass dies auch nach Ende seiner Amtszeit nicht mehr der Fall sein wird. Einem kann sich die Politik gewiss sein - eine/n Insolvenz/Konkurs wird es bei der Selbstbedienungskette POLITIK nicht geben.
juergen mueller:
Alles gut. Erwartungsgemäß hat Herr Langner das Rennen gemacht. Koblenz hatte noch nie einen so jungen Stadtchef und die Zeit wird zeigen, ob diejenigen, die ihn gewählt haben, mit ihrer Wahl zufrieden sein können. Herr Langner wird sich an seiner "David-Langner-GARANTIE" messen lassen müssen. Ob die Einlösung dieser Garantie in ihrer Gesamtheit in 8 Jahren Amtszeit zu schaffen ist, ist fraglich. Ein Punkt seiner Garantie dürfte bereits, darf man den Medien Glauben schenken, ein Auslaufmodell sein - den NAHVERKEHR (ÖPNV) attraktiver zu machen mit einem Fahrpreis von 2 EURO (anstatt wie bisher 2,95) - "Die Preise im NAHVERKEHR sollen bundesweit angehoben werden". Mobilität - weniger Staus - mehr Tempo 30 (JEDE einzelne Straße anschauen) - Radwegenetz - Umwelt (SCHÜTZEN? - Klimaschutzbeauftragter - WARUM?) - BEHÖRDEN stärken - WARUM? (siehe unseren aufgeblasenen Beamtenapparat) etc. Die Wertschätzung des Volkes hat Sie souverän gewählt - oder war sie mal wieder der Idiot vom Dienst?
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