Reportage: Karneval in Bendorf

Blick hinter die Kulissen

Ist am Aschermittwoch wirklich alles vorbei?

13.03.2017 - 10:18

Bendorf. Um es gleich vorwegzunehmen: Nein, am Aschermittwoch ist der Karneval in Bendorf nicht vorbei – ganz im Gegenteil. Die fünfte Jahreszeit ist zwar vergangen, doch die Bendorfer Narren legen deswegen noch längst keine Pause ein.

Schon wenige Tage nach den letzten karnevalistischen Schlachtrufen folgt in den Vereinen die Nachbereitung der abgelaufenen und gleichzeitig die Vorbereitung auf die nächste Karnevalssession. Die Planung einer neuen Kampagne ist immer wieder eine ernste Angelegenheit, ist die notwendige Organisation doch sehr arbeits- und zeitintensiv und erfordert daher einen konzentrierten Kräfteeinsatz über das ganze Jahr. Es gilt, im nächsten Jahr das Publikum auf den Sitzungen, den Randveranstaltungen und den Umzügen mit neuen Ideen, neuen Kostümen und neuen Programmen zu überraschen. Nicht zuletzt haben die Vereine den Ehrgeiz, gemeinsam zum Höhepunkt des rheinischen Straßenkarnevals in Bendorf einen tollen Rosenmontagszug zu präsentieren, der in diesem Jahr mit 62 Gruppen und fast 1.800 Teilnehmern bereits einen rekordverdächtigen Umfang hatte.

Bei einigen der Bendorfer Karnevalsvereine konnten wir hinter die Kulissen blicken und haben dabei die Erkenntnis gewonnen, dass Brauchtumspflege ohne das ständige uneigennützige Engagement vieler „fleißiger Bienen“ in den Vereinen nicht möglich wäre. Ob als Vereinsvertreter im Vordergrund oder als stiller Helfer im Hintergrund – jeder Aktive erfüllt seine Aufgabe mit großer Hingabe und Herzblut, ehrenamtlich in der Freizeit oder im Urlaub und das rund ums Jahr.


Harmonische Zusammenarbeit im Dachverband „FBK“


Da ist zunächst der „FBK“ (Festausschuss Bendorfer Karneval 1951 e.V.). Die drei Karnevasvereine in Bendorf Stadt „KuK“ (Kirmes und Karnevalsgesellschaft), „BNZ“ (Bendorfer Narrenzunft) sowie der Möhnen-Club haben sich unter diesem Dachverband zusammengefunden und können sich so bei ihren Planungsarbeiten auf die permanente tatkräftige Unterstützung der Mitarbeiter des FBK verlassen. Der Festausschuss organisiert, arrangiert und finanziert außerdem den großen Bendorfer Rosenmontagszug, an dem sich die Vereine aller Stadtteile beteiligen.

Zu der Tradition des Rosenmontagszuges in Bendorf machen wir einen kleinen Abstecher in die Geschichte des Bendorfer Karnevals: Von 1936 an gab es in dem Stadtteil Bendorf nur einen Karnevalsverein, die „GBKG“ (Große Bendorfer Karnevalsgesellschaft 1936). Diese wurde 1950 in „KuK“ umbenannt. Im Jahre 1951 gründeten sich zwei weitere Vereine, nun war die KuK nicht mehr der einzige Karnevalsverein auf örtlicher Ebene und konnte dementsprechend nicht mehr alleine nach eigenen Plänen und Vorstellungen die Vorbereitung für einen Rosenmontagszug durchführen. Um trotz der vorhandenen Spannungen und Unstimmigkeiten zwischen den drei nun existierenden Vereinen für die Gestaltung des Rosenmontagszuges 1952 ein gewisses Maß an Übereinstimmung zu erreichen, sah der damalige Erste Vorsitzende der KuK, Anton Schmidt, die Notwendigkeit der Gründung einer Dachorganisation.

Zur Bildung eines solchen Gremiums trafen sich 23 Personen am 24. November 1951 im Hotel „Zur Traube“, neben Vertretern der damaligen Karnevals- und Ortsvereine auch der seinerzeit amtierende Bürgermeister Bauer. In dieser Besprechung gründete sich der „Festausschuss Bendorfer Karneval e.V.“. Die Wahl des Vorstandes und die Klärung anderer organisatorischer Fragen erfolgten in der konstituierenden Sitzung am 11. Dezember 1951, Anton Schmidt wurde Vorsitzender.

Der Rosenmontagszug 1952 war das erste Gemeinschaftswerk des Festausschusses zur Fortsetzung der Rosenmontagszugtradition in Bendorf. Diesen ersten gemeinschaftlichen Zug hat seinerzeit der unvergessene Anton Schmidt mit Richard Neckenig zusammengestellt, aufgestellt und durch die Bendorfer Straßen geleitet.


Organisatorische Meister- leistung „Rosenmontagszug“


„Seither besteht die Hauptaufgabe des Festausschusses Bendorfer Karneval in der Durchführung des Rosenmontagszuges“, so der amtierende Präsident des FBK Thomas Appelbaum. Der Präsident weiter: „Die Planung für den nächsten Rosenmontag hat am Aschermittwoch begonnen. Neben vielem anderen müssen frühzeitig Musikkapellen requiriert, logistische Probleme gelöst, Behörden konsultiert und Versicherungsfragen geklärt werden. Wir erstellen im Laufe des Jahres einen Generalplan, die endgültige Zusammenstellung des Zuges können wir erst relativ kurz vor Beginn vornehmen, weil uns viele Anmeldungen von kurzentschlossenen Teilnehmern noch bis zum Startschuss erreichen. Da gerät unsere Zugleitung mit Claudia Ferber, Hilde Weiler und Dieter Specht schon mal in hektische Betriebsamkeit, dank dieses Leitungsteams hat aber bisher immer alles funktioniert“.


Herausforderung Terminplanung und der „Narrenfahrplan“


Eine andere organisatorische Aufgabe meistert der FBK mit der jährlich neuen Herausgabe einer Karnevalszeitung, dem „Narrenfahrplan“. Diese wird gewissenhaft und in mühevoller Kleinarbeit von Claudia Ferber und Jennifer Appelbaum vorbereitet. Monatelang sitzt das Zeitungsteam zusammen, diskutiert über Inhalte und Fotos, erstellt Konzepte, Texte und Zeichnungen. Sie verbringen unendlich viele Stunden ihrer Freizeit damit, ein professionelles und umfangreiches Heft zu gestalten. Am Ende arbeitet die gelernte Mediengestalterin Jennifer Appelbaum so manchen Tag am Layout und bringt die „gesammelten Werke“ in jedem Jahr zur Druckreife. Doch damit nicht genug. Der FBK stimmt darüber hinaus beispielsweise die Sitzungstermine in allen Stadtteilen aufeinander ab und gibt somit dem Publikum die Möglichkeit, praktisch jede Prunk- oder Kindersitzung bei allen Vereinen besuchen zu können. Thomas Appelbaum: „Das ist mitunter schwierig, da jeder Verein möglichst um die Karnevalstage herum feiern möchte und manche Session sehr kurz ist. Wir treffen uns mehrmals im Jahr mit allen Vereinen und erarbeiten eine Liste, um tunlichst Terminüberschneidungen zu vermeiden. Die nächste Kampagne 2017/2018 verlangt uns diesbezüglich noch mehr Arbeit ab, wir haben nämlich wieder ein Prinzenpaar. Gregor und Christine Leusch aus dem Stadtteil Stromberg grüßen nach ihrer Proklamation am 11.11.2017 als neue Regenten für Groß-Bendorf. Das Paar will natürlich möglichst viele Veranstaltungen in allen Stadtteilen besuchen, was voraussichtlich eine zusätzliche logistische Herausforderung für uns darstellt.“


Hand in Hand mit dem Rathaus


Der FBK hat sich um viele Dinge zu kümmern, auch so mancher Behördengang gehört dazu. Es sind unter anderem Genehmigungen einzuholen oder Anmeldungen vorzunehmen. Der Vorstand hat einen guten Draht in das Bendorfer Rathaus, ist der jeweils amtierende Bürgermeister doch kraft Satzung Angehöriger des Festausschusses. So können viele Dinge auf dem „kleinen Dienstweg“ besprochen und schnelle Lösungen gefunden werden. Dies bedeutet in manchen Situationen eine deutliche Erleichterung für die Arbeit von Thomas Appelbaum, Claudia Ferber, Hilde Weiler und Dorle Henn, bei denen alle Fäden des Festausschusses zusammenlaufen.

Weiter obliegt dem Festausschuss neben der Ausrichtung des Neujahrsempfangs für den Bürgermeister in der Stadthalle die Organisation des alljährlich im Januar stattfindenden ökumenischen närrischen Gottesdienstes, an dem neben Abordnungen aller Karnevalsvereine viele Bendorfer Bürger teilnehmen und damit regelmäßig für eine volle Kirche sorgen. Dort ist an diesem Tag ein etwas anderes Liedgut zu hören, dazu überraschen die mitwirkenden Priester und Helfer immer wieder mit scherzhaften Beiträgen und einer originellen Verkleidung.


Närrische Aktivitäten: Jeder kann mitmachen!


Thomas Appelbaum erzählt, dass viele der in dem Rosenmontagszug mitwirkenden bunten Gruppen spontan aus den Tanzgruppen der Karnevalsvereine in allen Stadtteilen entstehen. Dort finden sich interessierte Teilnehmer zu einem Motto zusammen, beschaffen sich Kostüme und Requisiten, einiges werde angekauft, das meiste aber selbst mit viel Liebe zum Detail angefertigt. Mit immer wieder neuen Ideen bereichern sie dann die Umzüge in den Stadtteilen und können sich zum Höhepunkt des Straßenkarnevals noch einmal in dem närrischen Lindwurm am Rosenmontag in Bendorf präsentieren. Bislang konnte im FBK nur Mitglied werden, wer bereits bei einem der Mitgliedsvereine ebenfalls eingeschrieben war. Nach einer Satzungsänderung ist der Verein jetzt für alle interessierten Personen offen, sie müssen nicht mehr unbedingt einem Bendorfer Karnevalsverein angehören. Durch diese Öffnung nach allen Seiten will der Vorstand weiteren Nachwuchs für die Vereinsarbeit gewinnen, um den Erhalt und die Pflege des Karnevalsbrauchtums in Bendorf langfristig zu sichern.


Die Narrenzunft: Profis des Sitzungskarnevals


In einem der größten Bendorfer Karnevalsverein, der „BNZ“ (Bendorfer Narrenzunft 1970 e.V.) gilt ebenfalls die Devise: „Nach dem Karneval ist vor dem Karneval!“ Dort sind die Vorsitzenden Kay Wilms und Max Weiler sowie Präsident Heinz Breuer für die Disposition der neuen Session zuständig. Hinter all dem fröhlichen Trubel zur Karnevalszeit steckt auch hier viel Arbeit, andererseits gehört aber ebenso jede Menge Spaß und Freude dazu. Von den rund 350 Mitgliedern des Vereins sind alleine etwa einhundert in den Sitzungen aktiv, beispielsweise in der Bütt, als Teil einer Sängergruppe wie den „Boos Bars Bubschers“, als musikalische Begleitung oder sie sind vor und hinter der Bühne für den reibungslosen Ablauf der Events zuständig. Bis zu weiteren dreißig Personen bringen sich als Helfer rund um die Gesamtvorbereitung der neuen Fastnachtskampagne ein, den Tanz- und Gardegruppen gehören aktuell 79 ambitionierte weibliche und männliche Kräfte an.

Da viele logistische Aufgaben vor allem rund um den Rosenmontagszug vom Festausschuss erledigt werden, können sich die Verantwortlichen bei der BNZ ganz auf ihr Kerngeschäft, den Sitzungskarneval konzentrieren. Überwiegend finden die Sitzungen in der Stadthalle am Yzeurer Platz statt, nur die überaus beliebten Damen- und Herrensitzungen werden wegen der besonderen Atmosphäre im Alten Kino in der Poststraße abgehalten, immer wieder Highlights im Bendorfer Karneval. Dafür sind besonders intensiven Vorbereitung nötig, die ebenfalls schon kurz nach Aschermittwoch beginnen.


Das ganze Jahr über: Üben, üben, üben...


Zu Beginn der Kampagne hat aber die Abstimmung der Termine und Räumlichkeiten für das Training der Tanzpaare und Garden mit der Stadt- und Kreisverwaltung Priorität. Dort wird Hand in Hand mit den Vereinen aus allen Stadtteilen ein Plan für Übungsmöglichkeiten zum Beispiel in der Stadthalle, den Turnhallen oder adäquaten Räumen in den Schulen und Kitas erstellt. Die Angehörigen der Tanzgruppen müssen ständig alte und neue Tänze üben und einstudieren. Dies erfordert einen regelmäßigen und intensiven Probenbetrieb, jede Gruppe oder Garde übt und trainiert daher mindestens einmal pro Woche. Sechs Tanzgruppen gehören der BNZ an, angefangen bei den drei- bis sechsjährigen „Mäusen“ bis hin zu den gestandenen Garden, den Showgruppen und dem Männerballett. Während bei den Mädchen und Frauen ein reges Interesse an den Tanz- und Gardeteams besteht, gibt es laut Heinz Breuer auf der männlichen Seite Nachholbedarf. Er hofft, dass sich künftig wieder mehr Jungen auch für dieses Karnevalsangebot begeistern können zur Freude des dankbaren Publikums und für die Zukunft des Vereins.

Jeder Altersgruppe stehen erfahrene Übungsleiter und Trainer aus der Mitte des Vereins zur Seite, die sich mit viel Motivation, Sachverstand und Geduld um die Ausbildung der Tänzer kümmern. Diesen Idealisten zollen die Verantwortlichen höchsten Respekt, sind sie doch Vorbild, Lehrer und Kummerkasten in einer Person. So nimmt sich Andrea Behrens den kleinen „Tanzmäusen“ an, Katharina Sauer und Laura Zöller trainieren die „Chaos-Pänz“ und Gabi Eisenhut übt mit den „Kids“ Showtänze ein. Während Melanie Holz für die Gardeshowtänze zuständig ist, zeichnet Michaela Michels für die Gardetänze verantwortlich. Trainerin vom Showballett ist Sylvia Bell und das Männerballett wird von Patric Grell und seinem Co-Trainer Mathias Letschert betreut. Für die Kostümbeschaffung sind alle Mitwirkenden in den Tanzgruppen selbst verantwortlich, Unterstützung erhalten sie dabei von den Gruppenleitern.


Die handwerklichen Künstler


Gemeinsam werkeln und schaffen viele Helfer der BNZ bereits früh im Jahr unter der „Aufsicht“ von Jürgen Rauh im Werkstattbereich der Wagenbauhalle. Hier finden sich alle mit etwas handwerklichem Geschick zusammen, integriert sind dabei natürlich auch diejenigen, die im Verein den Pinsel schwingen können oder Zeichentalent mitbringen. Der Bautrupp beginnt mit der Fertigung von Bühnenbildern nach den neuen Mottos für die Saalveranstaltungen, im Laufe des Jahres kommt dann der Aufbau von Karnevalswagen hinzu, die alle in Eigenregie in der Freizeit gefertigt werden.

Im Vorfeld einer jeden Veranstaltung findet sich das sogenannte „Dekoteam“ zusammen, um die Saal- und Bühnendekorationen anzufertigen sowie die Bühne, den Saal und das gesamte Umfeld unter Anleitung des erfahrenen „Deko-Chefs“ Jürgen Rauh entsprechend dem Saisonmotto zu gestalten. Eine Aufgabe, die Rauh mit seiner Truppe jedes Jahr mit Bravour meistert.


Probleme werden im Team gelöst


Das Organisationskomitee besteht neben dem Vorstand und den Trainern noch aus der Spielleitung in Person von Hilde Weiler, Monika Boos und Michaela Michels. Heinz Breuer: „Das sind die Koordinatoren, die alle Fäden spinnen mit dem Ziel einer fertigen Sitzung. Zur Erfüllung dieser kollektiven Aufgabe findet mit dem genannten Personenkreis in den Vorstandssitzungen und Trainerbesprechungen ein reger Informationsaustausch statt, unter anderem werden dort neben Kostümfragen und der Zusammensetzung der Musik auch eventuell aufgetretene Probleme erörtert und dafür gemeinschaftliche Lösungen gesucht. In diesen Prozess ist auch die Gruppe der Vortragenden involviert, damit insoweit ebenfalls ein abwechslungsreiches Programm angeboten werden kann. Je näher der Höhepunkt der Session rückt, desto öfter und intensiver sind diese Besprechungen nötig.“

Obwohl alle Beteiligten ehrenamtlich in ihrer Freizeit tätig sind, ist jede Kampagne doch sehr kostenintensiv. Heinz Breuer: „Höher werdende Ansprüche der Gäste bezogen auf die Qualität des dargebotenen Programms, die angezogenen Finanzamt- und Brandschutzbestimmungen und vieles mehr zwingen uns, immer tiefer in die Tasche zu greifen. Dazu kommen noch die stagnierenden Zuschauerzahlen. Unsere BNZ Kampagne finanzieren wir durch Eintrittsgelder, Getränkeverkauf und kleinere Beträge aus der Bannerwerbung. Leider wird es immer schwieriger, den roten Zahlen fern zu bleiben.“


Die Sääner: Jeck seit 1937


Im Stadtteil Sayn residiert die altehrwürdige „Karnevalsgesellschaft 1937 Sayn e.V.“, die sich die Förderung des Karnevals sowie die Erhaltung des heimischen und rheinischen Brauchtums sowie dessen Pflege auf die Fahnen geschrieben hat. Mit seinen 375 Mitgliedern ist die KG Sayn der größte Karnevalsverein in der Stadt, dessen lange Geschichte zwei Familien bis heute entscheidend geprägt haben: Barthel und Krings. So ist Senatspräsident Rolf Barthel, langjähriger Vorsitzender und Präsident der KG Sayn, Vater des gegenwärtigen Präsidenten Mark Barthel. In früheren Jahren hat bereits der Vater von Rolf Barthel die KG geleitet, war ihr Vorsitzender und Präsident. Ortwin Krings wiederum, der Vater des derzeitigen Zweiten Vorsitzenden Ralf Krings führte dreiundzwanzig Jahre lang die Geschicke der Karnevalsgesellschaft in Sayn als Vorsitzender und viele weitere Jahre als Präsident.


„Eins, zwei, hoch das Bein!“


Große Aktivposten der KG Sayn sind ihre sechs Tanzgruppen mit insgesamt fast 100 Mitwirkenden, die von kompetenten Mitgliedern des Vereins liebevoll trainiert, geleitet und begleitet werden. Den „Minis“ im Kindergartenalter folgt das Kinderballett in der Altersklasse sechs bis zehn Jahre, die Zehn- bis Sechszehnjährigen schließlich finden sich bei den „Sääner Pänz“ und die nächste Altersgruppe bis 25 bildet das Funken Corps, den „Sääner Tanzmücken“ gehören dann alle Tänzer ab 25 an. Abgerundet wird die Vielfalt der Tanzgruppen von dem Männerballett „Igelschneutzscher“, immer wieder ein Hingucker bei den Sitzungen. Trainiert, betreut und geleitet werden die einzelnen Gruppen von Michelle Schneider, Fabienne Nett und Doro Killian (Minis), Sandy Renner und Nadine Braun (Kinderballett), Linda Heckmann, Hona Ronig und Birgit Heckmann (Sääner Pänz), Silke Normann und Gudrun Herick (Funken Corps), die Männer trainieren sich selbst.

Alle Gruppen üben übers Jahr mindestens einmal pro Woche und kurz vor der „heißen Phase“ fast täglich. Koordiniert wird die Gruppenarbeit von Birgit Heckmann, sie bildet zugleich auch die Schnittstelle zum Vorstand sowie den übrigen Leitungsgremien und sorgt so für einen konstanten Informationsfluss, damit alle Entscheider im Verein den Überblick behalten.

Die Kostümausstattung der Gruppen übernimmt der Verein, die dort mitwirkenden Aktiven zahlen pro Session einen kleinen Beitrag in die Vereinskasse, der zweckgebunden für Neuanschaffungen und notwendige Reparaturen bestimmt ist.

Im Vorstand, den Tanzgruppen und auch bei den Aktiven des Sayner Sitzungskarnevals haben die Arbeiten für die nächste Kampagne mit dem Slogan „Herz, Humor und Heimat“ bereits begonnen, wohl symptomatisch für alle Karnevalsvereine in der Stadt.


Kleiner Ort, große Leistung


Die Karnevalisten in Sayn müssen im Gegensatz zu ihren Bendorfer Pendants zusätzlich den eigenen Karnevalumzug selbst planen, organisieren und finanzieren, was eine weitere Arbeitsbelastung für das zuständige Vorstandskomitee unter der Leitung von Stephan Schoblocher und Mark Barthel bedeutet. Für den Bau der Umzugswagen, den Bühnenbildern und vielen anderen Dingen steht der KG Sayn eine Halle zur Verfügung, in der sich unter fachmännischer Anleitung von Michael Flammersfeld und Christian Menge Mitglieder mit handwerklichem Geschick oder künstlerischer Begabung verwirklichen können. Die Gestaltung der Saaldekoration vor jeder Veranstaltung liegt in den bewährten und kompetenten Händen von Birgit Heckmann, sie ist eines der unverzichtbaren Allroundtalente im Sayner Karneval.

Der Sayner „Veedelszoch“ ist der Umfangreichste in den Stadtteilen, die vielen Teilnehmer stellen damit neben Bendorf auch die größte Anzahl an Mitwirkenden im abschließenden Rosenmontagszug.


„Senat“ sorgt für finanzielle Freiheit


Die KG Sayn ist aber nicht nur für den Karneval in Sayn zuständig, sie richtet auch das Kirchweihfest im Sommer aus und beteiligt sich daneben an dem weithin bekannten Burgen- und Parkfest. Dies hat zur Folge, dass die gesamten Ausgaben des Vereins regelmäßig höher sind als die Einnahmen. Es fließen zwar neben den Erträgen aus den Haussammlungen noch Sponsoren- und Eintrittsgelder sowie die Verkaufserlöse aus den Veranstaltungen in die Kasse, insgesamt reichen die Einnahmen aber meist nicht zum vollständigen Ausgleich des Defizits.

Zur Lösung des Problems hat sich in Sayn ein Senat gebildet, ein „Rat der Ältesten“, der sich aus angesehenen Bürgern zusammensetzt, die in der KG Sayn in früheren Jahren in leitenden Positionen aktiv gewirkt haben. Der Senat definiert sich als ein Fördergremium, seine Mitglieder haben sich zusammengefunden, um den Karneval in Sayn mit Spenden und persönlichem Einsatz zu unterstützen. Die „Senatoren“ sind mit ihrer Lebenserfahrung und ihren Verbindungen eine entscheidende und tragende Säule der Finanzierung. Die Freunde im Senat mit dem aktuellen Senatspräsidenten Rolf Barthel an der Spitze verbindet die Liebe zum Karneval im Allgemeinen und zur KG Sayn im ganz Besonderen.


Müllowe: 40 fleißige Köpfe


Seit nunmehr 67 Jahren ist die „KG Ganz Denewer Mülhofen 1950 e.V.“ mit ihren rund 200 Mitgliedern in dem kleinen Stadtteil zu Hause. Unter der Leitung der Vorsitzenden Sandra Dapper und Schriftführer Erich Günther wird dort ebenfalls in wenigen Tagen wieder an der nächsten Session gearbeitet, geplant und organisiert. Der Vorstand hat dann übers Jahr reichlich zu tun, damit alles rundum gelingt. Etwa 40 fleißige Helfer unterstützen sie bei den unterschiedlichsten Arbeiten und tragen dazu bei, dass in Mülhofen Karneval gefeiert und das Brauchtum erhalten werden kann. Auch in Mülhofen wäre die Durchführung von Veranstaltungen ohne die vielen Helfer, die Büttenredner und Tänzer nicht möglich. Darüber hinaus sorgen die Wagenbauer in der eigenen Mehrzweckhalle mit viel Fleiß und Kreativität für den Bau von äußerst schönen Prunkwagen, die am Karnevalssonntag in ihrem Stadtteil und am Rosenmontag in Bendorf Stadt die Zuschauer am Straßenrand immer wieder begeistern.


Gemeinschaftsprojekt Karneval


Diese Symbiose aller Karnevalisten kann man in Bendorf neben dem Rosenmontagszug auch immer wieder in anderen karnevalistischen Bereichen beobachten, so treten beispielsweise vereinzelt Büttenredner, Tanz- oder Gardegruppen wechselseitig bei den Sitzungen anderer Ortsvereine auf. Ebenso bereichern Vorstände und Mitglieder in Uniform und Kostümen mit gegenseitigen Besuchen die Veranstaltungen ihrer Nachbarn und vermitteln dem Publikum so die positive Botschaft eines einträchtigen Miteinanders. Finden sich schon eher selten in einer Stadt von der Größe Bendorfs gleich fünf Karnevalsvereine und dazu noch die gleiche Anzahl an Möhnen-Clubs mit insgesamt vielen hundert begeisterten Unterstützern, so ist das harmonische Zusammenleben der Korporationen ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt Bendorf.

In einer sich rasant verändernden Welt suchen die Menschen Stabilität und vertraute Werte. So lange sich immer wieder, wie in Bendorf, tatkräftige Individuen finden, denen die Pflege des alten heimischen Brauchtums Karneval am Herzen liegt und die sich selbstlos einbringen, werden noch viele Generationen „Spaß an der Freud“ haben.

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Kommentare
13.03.2017 21:50 Uhr
Heinz Breuer schrieb:

"Ein Blick hinter die Kulissen"
Trefflicher kann man diesen Bericht nicht benennen.
Als Bürger der Stadt Bendorf sage ich "Danke" an Günter Mayer, das du dir die Arbeit gemacht hast, einmal hinter die Kulissen zu schauen und den Bürger einmal das Bild gezeigt hast was "Ehrenamt" eigentlich bedeutet.
Zu Ehren des Bürgers, zu Ehren unserer Stadt Bendorf.
Das ist die Kraft und der Tatendrang, all derer die Ehrenamtlich tätig sind.
Das gewünschte Honorar dieser Tätigkeiten, sind Akzeptanz, Toleranz und Würdigung dieser Arbeit.
Euer Heinz Breuer



13.03.2017 12:24 Uhr
Thomas Appelbaum schrieb:

Ein toller Bericht der mit Sicherheit sehr viel Arbeit gemacht hat. Als Präsident und als Vereinsmitglied sage ich danke, für das zusammen bringen der Informationen. So kann sich vielleicht der ein oder andere vorstellen was hinter den Kulissen alles zu tun ist....und man alles nur gemeinsam gestemmt bekommt. es sind keine Einzelakteure....es ist immer nur im Team möglich. Ich sage ...Danke Günter!!!



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Kommentare
Gudrun Freier:
Schön, dieser Bericht von dem großen Ereignis
Michael Daum:
Es ist wirklich unfassbar! Jetzt wo das bestellte Gutachten nicht das erhoffte Ergebnis zeigt, ist es plötzlich nicht aussagekräftig bzw. war nicht umfangreich genug. Da man sich ja offenbar so in die alternativlose Einschätzung verrannt hat, dass Bad Breisig ohne Therme nicht vorstellbar ist, fragt man sich doch, warum man dann Geld (ich meine mal etwas von 30.000€ gelesen zu haben) für ein Gutachten verschwendet. Offenbar sind nur Gutachten, die die eigene Weltsicht unterstützen, ordentliche Gutachten. Und wenn die Ergebnisse erst dann vorliegen, nachdem die Weichen für eine Sanierung schon gestellt sind, spricht das auch für sich. Eine merkwürdige Einstellung und sicherlich eine gute Erklärung für die vielen Probleme der Stadt. Wenn man auf die hohe Lebensqualität in der Stadt abstellt, so sollte man vielleicht auch mal darlegen, wie man diese auf lange Sicht zu finanzieren gedenkt. Leider ist die Enteignung der Bürger über immer höhere Steuern und Abgaben ja zu einfach.
Uwe Klasen:
Sehr geehrter Herr Müller, vielen Dank dass Sie mit jeder Zeile ihrer Kommentare meinen Eindruck, den ich von ihnen gewonnen habe, bestätigen! Zum Leidwesen der meisten anderen Menschen scheinen Sie sehr Intolerant zu sein und Andersdenkende lieber zu diffamieren anstatt sich mit diesen Menschen auseinanderzusetzen bzw. auch deren Meinung gelten zu lassen!
juergen mueller:
Ich müsste mich eigentlich glücklich schätzen erfahren zu dürfen, dass es Menschen wie Sie gibt, die nie interpretieren, dafür aber aus dem Belehren nicht mehr herauskommen, was wie eine Zwangsjacke sein muss, deren Leben wohl nur aus Sachlichkeit und Objektivität besteht, Menschen, die andere, die nicht Ihre Meinung vertreten, in eine Schublade stecken und ihnen geistige Grundlagen unterstellen, die unsere Demokratie gefährden. Mein lieber Herr Klasen, nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich habe mein Leben lang mit Klugscheissern wie Ihnen zu tun gehabt und dies auch noch heil und geistig frisch überstanden u. mir meine persönliche, demokratisch verordnete Gedankenwelt erhalten. Und was mein Recht ist oder nicht, das können Sie selbst in Erfahrung bringen, wenn Sie sich einmal mit dem Wort Demokratie auseinandersetzen. Hierzu interpretiere ich z.B. WIKIPEDIA.
Uwe Klasen:
Her Mueller, Sie interpretieren anstatt sachlich und objektiv zu beurteilen! Es ist ihr gutes Recht ihre Ansichten bzgl. anderen Parteien kund zu tun, aber damit einhergehend ist es NICHT ihr Recht, Andersdenkenden etwas Vorzuwerfen was nicht ihrer persönlichen Gedankenwelt entspricht und dafür noch geistige Konstrukte zu bemühen die in dieser Art und Weise nicht existieren! Von welcher Partei werden die Autos der Mitglieder verbrannt oder die Hauswände ihrer Wohnhäuser (bestenfalls) mit Farbe beschmiert, welcher Partei werden regelmäßig die Büros zerstört? Das solche, undemokratischen (!), Handlungen, die auch auf solch geistigen Grundlagen wie z.B. ihren Kommentaren beruhen, wird die Demokratie MEHR gefährdet als durch die "AfD" oder "Die Linke"! Übrigens, eine direkte Demokratie, wie z.B. die, seit Jahrhunderten, funktionierende und sich daraus immer weiter entwickelnde Schweiz ist, entgegen ihren Ansichten, eine durchaus gute funktionierende Demokratie!
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