Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn e. V.

Das Ende eines gelungenen „Integrationsprojektes“

Das Caritas-Wohnheim St. Josef feierte nach 36 Jahren Abschiedsparty in Nauort

Das Ende eines
gelungenen „Integrationsprojektes“

„Macht’s gut!“: Mit einer Party im Dorfgemeinschaftshaus verabschiedeten sich die Bewohner und Mitarbeiter des Caritas-Wohnheims St. Josef von den Nauortern. Peter Roos (oben links), Abteilungsleiter für die Bereiche „Ambulante Hilfen, Bildung und Wohnen“ in der Behindertenhilfe des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn, ließ dabei noch einmal die Geschichte der Einrichtung sowie des historischen Gebäudes in der Kloserstraße Reveu passieren. 36 Jahre lang war in dem ehemaligen Kloster das Caritas-Wohnheim für Menschen mit Behinderung untergebracht. Foto: privat

19.03.2017 - 15:04

Nauort. Demnächst eröffnet der Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn seine neue Wohnanlage in der Koblenzer Straße in Montabaur. Mit dem Bezug der Einrichtung, die künftig 24 Menschen mit Behinderung ein neues Zuhause bietet, geht beim Caritasverband gleichzeitig eine Ära zu Ende: Nach 36 Jahren wird das Caritas-Wohnheim St. Josef in Nauort aufgegeben. Aus diesem Grund hatten jetzt Mitarbeiter und Bewohner zu einer Abschiedsparty eingeladen, um „Lebewohl“ zu sagen, aber vor allem, um gemeinsam mit den Nauorter Bürgern, den Nachbarn, Angehörigen und einigen Ehrengästen zu feiern und noch einmal in Erinnerungen zu schwelgen. Zahlreiche Gäste waren der Einladung ins Dorfgemeinschaftshaus des Ortes gefolgt, darunter unter anderem Ortsbürgermeister Frank Herrmann, Pfarrer Alfred Much und Caritasdirektor Frank Keßler-Weiß.

Musikalisch eröffnet wurde der Abend vom Offenen Chor des MGV Nauort. Anschließend blickte Peter Roos, verantwortlicher Abteilungsleiter für die Bereiche „Ambulante Hilfen, Bildung und Wohnen“ in der Behindertenhilfe des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn, noch einmal auf die langjährige Geschichte des historischen Gebäudes in der Nauorter Klosterstraße zurück. Erbaut im Jahre 1907, feiert das ehemalige „Schwesternhaus“ St. Josef in diesem Jahr den 110. Jahrestag seiner Grundsteinlegung. Das im Besitz der Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer befindliche Haus wurde über Jahrzehnte von den Armen Dienstmägden Jesu Christi – im Volksmund oft Dernbacher Schwestern genannt – als Kindergarten, Nähschule und Altenheim betrieben. Im Jahr 1979 mussten die Ordensschwestern das Kloster schließlich aufgeben. Anschließend stand das Gebäude rund zwei Jahre leer, ehe sich der Caritasverband entschied, dort ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung zu eröffnen. „Man munkelte seinerzeit, dass der ehemalige Geschäftsführer der Behindertenwerkstatt in Montabaur, Dieter Hammerschmidt aus Nauort, dies eingefädelt hatte“, merkte Peter Roos in seinem Rückblick an. Zunächst war es angedacht, dass künftige Wohnheim nach dem von 1930 bis 1947 in Limburg tätigen Bischof Antonius Hilfrich zu benennen. Allerdings setzte sich die Pfarrgemeinde Nauort gegen die Idee aus Limburg durch - und so wurde aus dem Kloster St. Josef das Wohnheim St. Josef. Nach den erforderlichen Umbauarbeiten in den Jahren 1980 und 1981 bot das frühere Kloster fortan 15 Frauen und Männern mit Behinderung ein neues Zuhause.

Mit einem Schmunzeln blickte Peter Roos auf den Eröffnungstag am 2. November 1981 zurück: „Nach tagelangem Möbelaufbauen waren die Zimmer morgens endlich weitgehend fertig. Erst da bemerkten wir plötzlich, dass im ganzen Haus weder Lattenroste noch Matratzen für die Betten zu finden waren“, erinnerte sich Roos, der damals mit gerade einmal 26 Jahren Heimleiter in Nauort war. Der Architekt habe sie einfach vergessen zu bestellen. „Wir haben es aber dann doch noch geschafft, die fehlenden Möbelstücke zu besorgen und waren pünktlich fertig, als gegen 16 Uhr die ersten Bewohner ihre Zimmer mit großen Hallo in Besitz nahmen“, so Roos.

Drei Jahre lang war der Diözesan-Caritasverband Limburg Träger der Einrichtung, die dann 1984 schließlich in die Verantwortung des damaligen Caritasverbandes für den Bezirk Westerwald übergeben wurde, der später in den Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn überging.

Nun also endet der Mietvertrag des Caritasverbandes zum 31. März und die Bewohner können nach 36 Jahren ihre Koffer packen. Die meisten von ihnen werden in die neue Wohnanlage nach Montabaur ziehen, einige ins Wohnheim St. Marien nach Höhr-Grenzhausen. „Natürlich hatten wir geprüft, ob eine zukunftsfähige Sanierung des Wohnheims St. Josef machbar sei“, erläuterte Peter Roos und wies darauf hin, dass die dafür nötigen Maßnahmen (zeitgemäße Einzelzimmer mit Bad, Barrierefreiheit, Personenaufzug, Brandschutz, usw.) die Platzkapazität auf acht Personen reduziert hätte. „Und dies wäre gegenüber dem Neubau mit 24 Plätzen wirtschaftlich natürlich nicht zu rechtfertigen gewesen“, betonte der Caritas-Abteilungsleiter. Als Verfechter des Standorts Nauort habe er aber auch den einen oder anderen Weg durchdacht, Nauort und dieses Haus mit seiner Geschichte als Standort zum Wohnen von Menschen mit Behinderung zu erhalten. Daher habe er der Kirchengemeinde den Vorschlag gemacht, künftig ambulantes Wohnen für Menschen mit Behinderung in der Klosterstraße anzubieten, betonte Roos. Eine Entscheidung diesbezüglich steht noch aus.

Der Gemeinde und den Bürgern von Nauort dankte Peter Roos dafür, „dass sie das Haus und die Bewohner völlig unspektakulär und selbstverständlich in den Lebensalltag der Gemeinde integriert haben“. „Wir können hier ganz sicher von einem gelungenen Integrationsprojekt sprechen“, unterstrich er und gab zu: „Wir verlassen den Standort Nauort mit etwas Wehmut, freuen uns andererseits aber auch auf modernes, komfortableres und barrierefreies Wohnen in Montabaur. Wir hoffen, dass dort Integration ebenso gelingen wird, wie in den zurückliegenden mehr als drei Jahrzehnten hier in Nauort.“

Ortschef Frank Herrmann sprach von einem „verständnisvollen Miteinander“, das es stets zwischen den Bewohnern des Caritas-Wohnheims St. Josef und den Nauorter Bürgern gegeben habe. „Wir werden Euch vermissen“, gab er den Bewohnern und Mitarbeitern mit auf den weiteren Weg. Und Pfarrer Alfred Much sprach davon, dass Nauort mit der Schließung des Wohnheims auch ein Stück Identität verloren ginge. „Immer wenn man in der Klosterstraße vorbeifuhr, haben einem die Bewohner freundlich gewinkt. Das wird mir auf jeden Fall fehlen“, gab er zu.

Anschließend ging die Abschiedsparty bei einem reichhaltigen Büffet und Klängen des Musikvereins Nauort zum gemütlichen Teil über. Bei Musik, Essen und Trinken wurden noch so manche Erinnerungen ausgetauscht, ehe sich die Bewohner und Mitarbeiter des Wohnheims endgültig von den Nauortern verabschiedeten, wie sie es bereits in der Einladungskarte angekündigt hatten: „Wir tupfen die Tränen ins Taschentuch. Zum Abschied ein Lächeln: Macht’s gut...!“ Pressemitteilung

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Uwe Klasen:
Über 25.000 Windenergieanlagen drehen mittlerweile in Deutschland ihre Rotoren und trotzdem liefern diese, je nach "Ertragsjahr", nur zwischen 15% - 25% des benötigten Stroms. Und diesen auch nur Zufälig, keinesfalls nach Bedarf. Die "ertragreichen" Standorte sind längst zugebaut mit Windrädern, nun sollen, auf Druck der Lobbyisten, auch noch die letzten, möglichen, Standorte folgen. Dabei sind diese nur rentabel weil die durch die Förderung nach dem EEG erhalten! Arten- und Menschenschutz werden dazu ausgeblendet!
Daniel Faßbender:
Familien sind doch nicht die Zielgruppe dieses Bades. Das war es nie und wird es auch in Zukunft nicht sein. Kinder sind eher ein Ärgernis für das wirkliche Klientel. Früher waren es die Kurgäste, heute sind es salopp geschrieben, die überwiegend zahlungskräftigen Rentner und ein paar Hotelgäste aus dem Quellenhof. Welche Familie mit einem oder mehreren Kindern kann oder will sich denn den Eintritt überhaupt noch leisten? Der Tageseintritt für zwei Erwachsene mit zwei Kindern liegt bei fast 40 EUR. Für mich ein Grund da nicht hinzugehen.
Michael Daum:
Es ist wirklich unfassbar! Jetzt wo das bestellte Gutachten nicht das erhoffte Ergebnis zeigt, ist es plötzlich nicht aussagekräftig bzw. war nicht umfangreich genug. Da man sich ja offenbar so in die alternativlose Einschätzung verrannt hat, dass Bad Breisig ohne Therme nicht vorstellbar ist, fragt man sich doch, warum man dann Geld (ich meine mal etwas von 30.000€ gelesen zu haben) für ein Gutachten verschwendet. Offenbar sind nur Gutachten, die die eigene Weltsicht unterstützen, ordentliche Gutachten. Und wenn die Ergebnisse erst dann vorliegen, nachdem die Weichen für eine Sanierung schon gestellt sind, spricht das auch für sich. Eine merkwürdige Einstellung und sicherlich eine gute Erklärung für die vielen Probleme der Stadt. Wenn man auf die hohe Lebensqualität in der Stadt abstellt, so sollte man vielleicht auch mal darlegen, wie man diese auf lange Sicht zu finanzieren gedenkt. Leider ist die Enteignung der Bürger über immer höhere Steuern und Abgaben ja zu einfach.
Gudrun Freier:
Schön, dieser Bericht von dem großen Ereignis
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