Jahresendabrechnung im KreaForum Morenhoven

Das Schlachtplatte-Ensemble muss diesmal leider einen Stern abgeben

Die hochkarätige Küchencrew traf mit ihren Geschmacksverstärkern nicht immer die Erwartungshaltung des verwöhnten Publikums

Ein Kommentar von Volker Jost

Das Schlachtplatte-Ensemble
muss diesmal leider einen Stern abgeben

11.01.2017 - 10:00

Morenhoven. Wer aus dem gesellschaftlich-politischen Material des missratenen Jahres 2016 keine gepfefferte kabarettistische Schlachtplatte kredenzen kann, sollte seinen Job als Kabarettist besser an den Nagel hängen. Von Domplatten-Silvester und Weihnachtsmarkt-Terror über Brexit und Burkaverbot bis zu Trump, Erdogan und Putin hatte das Jahr wirklich alles zu bieten, was einem politischen Feinschmecker den Appetit verderben und einem Nachrichten-Konsumenten den Magen umdrehen kann. Aber viele Köche verderben bekanntlich den Brei, so musste das Jahresendabrechnungs-Ensemble bei ihrem ausverkauften Auftritt im Kreativitätsforum Morenhoven im Vergleich zu seinen Vorjahres-Menüs diesmal leider einen Stern abgeben.

Schlachtplatten-Chefkoch Robert Griess hatte eine hochkarätige Küchencrew dabei mit den beiden bekannten Solo-Kabarettisten Fatih Çevikkollu und Lioba Albus sowie dem musikalischen Duo Ape & Feuerstein. Sie alle streuten immer wieder kurze Ausschnitte aus ihren aktuellen Soloprogrammen als Geschmacksverstärker ein, trafen damit aber nicht immer die Erwartungshaltung des Publikums.


„So kann man aus Kacke Kamelle machen“


Natürlich ist Çevikkollus Kölner Treppen-Witz über die zehn Millionen Euro teure Panoramatreppe am Rheinufer mit Reinigungskosten von 600.000 Euro pro Jahr für sich gesehen ein Brüller, schmeckte als Zutat in einem „Best of 2016“-Menü aber reichlich fad. Gab es keine anderen Probleme in Deutschland, Europa, der Welt oder gar in Köln, wo man künftig mit einer Armlänge Abstand Sirtaki statt Polonaise tanzt? Auch Lioba Albus‘ Ekelfleisch-Reminiszenz an Jamie Olivers Sieg gegen den McDonald‘s-Konzern wegen minderwertigem „Fleisch“ im Burger geht auf eine BBC-Sendung aus dem Jahre 2011 und ein Urteil aus dem Jahr 2014 zurück – Verfallsdatum eindeutig abgelaufen! Oder wie Albus selbst feststellte: „So kann man aus Kacke Kamelle machen.“

Aber das Leben ist nun mal kein Boni-Hof, wie Griess bei seiner Abrechnung mit den „Bänkstern“ feststellte, die erst die Weltfinanzkrise durch ihre kriminellen Machenschaften auslösen und dann auch noch wegen ihrer „Systemrelevanz“ am meisten von den Rettungsschirmen profitieren. Die Bankräuber von heute sitzen im Vorstandsbüro. Dagegen halfen nur noch gemeinsame Protestsongs mit dem Morenhovener Publikum gegen Ehrhard, den einsamen Klassenfeind aus dem Publikum: „Rasiert den Ratingagenturen Punkfrisuren!“


Donald Trump und Carsten Maschmeyer


Selbstverständlich durfte auch das närrische Starke-Männer-Dreigestirn Pascha Erdogan, Zar Putin und Fiffi Trump im Jahresendmenü nicht fehlen. Aber auch bei diesem dankbaren Thema fehlte eindeutig das Salz in der Suppe. Kostprobe? „Erdogan und die Deutsche Bahn fahren beide ihrer Zeit weit hinterher.“ Ja wenn es weiter nichts ist. Und dass Donald Trump dank eines ausgefeilten Lügen-Wahlkampfes der nächste US-Präsident werden konnte, ist bestimmt auch nicht schlimmer, als wenn Carsten Maschmeyer als Bundeskanzler mit einer neuen Mauer die Wohnwagen-Invasion aus Holland verhindern wollte.

Da konnte auch das durchaus witzige Duell zwischen Erdogan-Bodyguard Çevikkollu und Merkel-Personenschützer Griess nicht mehr viel rausreißen, deren Schwanzlängen-Vergleich über die Gemeinheiten ihrer Schützlinge letztlich an den drei Jackenknöpfen der Kanzlerin scheiterte, die an Röhrenradios aus längst vergangenen Tagen erinnern: Einschalten, leiser drehen, ausschalten. So blieb am Schluss nur die resignierte Vorschau auf das Wahljahr 2017: „Die Karawane zieht weiter, die Merkel bleibt da!“

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Uwe Klasen:
Um die Kloake, genannt Fußgängerunterführung unter der B42, vor dem (ehemaligen) Bahnhofsgebäude sollte sich auch einmal jemand kümmern! Ein vollkommen verwahrloster Bereich und damit bekommen Besucher, die mit Bus oder Bahn anreisen, von Vallendar einen ersten Eindruck, und nicht den besten!
 
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