Närrische Proklamation in Ransbach-Baumbach

Ein schießender Kräutscheskönig

Kräutscheskönig Stefan Endl und Obermöhn Ingeborg Milles wurden in ihre närrischen Ämter eingeführt

10.01.2017 - 10:06

Ransbach-Baumbach. In anderen Orten werden Prinzen für den Karneval gekrönt, die Töpferstadt Ransbach-Baumbach geht einen Schritt weiter und lässt die Narren in der fünften Jahreszeit gleich von einem König regieren. Wie sehr der Humor der Menschen dieser Stadt, die sich aus einer Ransbacher und einer Baumbacher Bevölkerung zusammensetzt, das Majestätische des Titels schnell wieder auf den harten Boden der Westerwälder Tatsachen zurückholt, belegt das Vorwort für den Adligen, welches ihn zu einem „Rosbisch-Bomischen Kräutsches-König“ macht. Über den und mit dem können alle Närrinen und Narren lachen, sooft und wo immer er mit seinem prächtigen Gefolge in Erscheinung tritt. Mit dem einzigartigen Titel Kräutscheskönig darf sich seit Sonntag in Ransbach-Baumbach Stefan Endl schmücken, ein Baumbacher, 51 Jahre alt. Von Bürgermeister Michael Merz wurde er inthronisiert.

Ehrenpräsident Uli Schlemmer von den Karnevalsfreunden Blau-Gold Ransbach-Baumbach, einem Verein mit heute 400 Mitgliedern. Er erklärt, wie es zu der originellen Namensgebung kam. Uli Schlemmer ist einer der Gründer der Karnevalsfreunde und einer der Namensfinder des Kräutscheskönigs: „Der Name hat nichts mit einem Kraut, mit Petersilie oder Schnittlauch zu tun. Kräutschen bedeutet im Westerwald einfach Zwetschgenmus. Die Ransbacher waren früher die Kräutschesfresser. Die Karnevalsfreunde haben ganz früher auf dem Weihnachtsmarkt selbst hergestelltes Quetschenkräutsche verkauft. Und so kam die Idee für den Titel Kräutscheskönig. Das war 1989. Der Vater von der Karin Reinhard, Hans Novak, war unser erster Kräutscheskönig.“

In der Session 2017 ist Stefan (Endl) der II. dieser Kräutscheskönig, Beinamen: Mit Herz und Humor, weil er aus einem Karnevalsverein kommt, nämlich aus der Wilden Horde, die es schon seit 22 Jahren gibt. Uli Schlemmer beschreibt ihn so: „Er ist gelernter Töpfer, aber der Ton war ihm zu weich. Dann ist er in den Stahlbereich gegangen. Als Edelmann verarbeitete er Edelstahl beziehungsweise heute verkauft er ihn nur noch.“

Die Prinzenproklamation in der Stadthalle ist eine städtische Veranstaltung, deshalb obliegt es auch dem Bürgermeister, die Inthronisation vorzunehmen. Für den Ablauf sind die Karnevalsfreunde und der Möhnenverein Raasber Möhnenclub ‚86 zuständig. Die Vorsitzende des Möhnevereins ist Karin Reinhard. Sie hat ihr Amt gerade neu übernommen von Barbara Schilling-Novak. Über die zeitgleich mit dem Kräutscheskönig dem Publikum präsentierte Obermöhne sagt Karin Reinhard: „Ingeborg die I. aus der Möhnenmanege“, mit bürgerlichem Namen Milles, stammt aus Koblenz, wohnt aber seit 1983 in Ransbach-Baumbach und gehört seit drei Jahren dem Möhnenverein an. Sie hat im Gefolge von Obermöhne Ilse angefangen. Es hat ihr so gut gefallen, dass sie sich intensiv im Ransbach-Baumbacher Karneval engagieren will. Sie ist Beamtin beim Bundesamt für Ausrüstung der Bundeswehr in Koblenz. Sie spielt Tennis, geht kegeln und sie tanzt auch, bei uns im Verein und Paartanz mit ihrem Mann. Geboren wurde sie, laut eigener Angabe, am 22. Juni. Punkt!“ Die erste Obermöhne in Ransbach-Baumbach nach der Gründung des Möhnenvereins war die heutige Vorsitzende Karin Reinhard, ihr Kräutscheskönig damals war Berthold Steudter, heute Erster Beigeordneter der Stadt und Moderator der Prinzenproklamation. Zu den Höhepunkten des Ransbach-Baumbacher Karnevals gehören auf jeden Fall die Sitzungen. Kleine Veränderungen gibt es beim Umzug, der bisher schon weniger durch Größe denn durch Originalität auffiel. Uli Schlemmer weist noch darauf hin, dass man nicht mehr so großen Wert auf große Wagen legt, sondern mehr um Fußgruppen wirbt, die sich noch anmelden können. Der technische Aufwand für die Wagen, die TÜV-Auflagen und die extremen Sicherheitsvorkehrungen an den Rädern beim Umzug machten es den Vereinen zunehmend schwer, solche Wagen einzusetzen.


Großer Auftritt der Kleinen


In der gut besuchten Ransbach-Baumbacher Stadthalle hatten bei der Kräutscheskönig-Inthronisation zunächst einmal die ganz Kleinen ihren großen Auftritt: Die „Minis-Blaugold“ begeisterten die Gäste, darunter viele Abordnungen von Vereinen aus der Töpferstadt und auch aus Höhr-Grenzhausen. Berthold Steudter hatte betont, dass ab sofort und in den kommenden Jahren der karnevalistische Nachwuchs stärker in den Vordergrund gestellt werden soll. Bei den Minis tanzten Mädchen im Alter von fünf bis acht Jahren mit. Auch die Garden Rot-Weiß sowie Blau-Gold hatten eigens für den Anlass tolle Tänze einstudiert. Richtig voll wurde es auf der großen Bühne, als Kräutscheskönig Stefan II. „mit Herz und Humor“ samt Gefolge dort Einzug hielt. Nachdem er gebührend vorgestellt worden war, unter anderem nicht nur als Mitglied der Wilden Horde, sondern auch der Ransbach-Baumbacher Schützengesellschaft, hakten sich alle zum Schunkeln zur Musik von Andreas Nilges und Kompagnon ein. Für Ex-Kräutscheskönig Jan (Session 2016) und Barbara Schilling-Novak war es der letzte Auftritt bei der Proklamation. Beide waren aus ihren Ämtern verabschiedet worden. Barbara Schilling-Novak hatte 30 Jahre lang die Geschicke des Möhnenvereins als Vorsitzende gelenkt

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Kommentare
Uwe Klasen:
So wie es derzeit ist, hier sei als schlechtestes Beispiel der Fraktionszwang genannt, kann es einfach nicht weitergehen! Das sollten endlich auch die Politiker in Bund und Ländern erkennen und entsprechende Regelungen für die aktive Mitbestimmung der Bürger in die Wege leiten! Vorbild Schweiz!
juergen mueller:
In Braubach`s "vielbefahrener" Ortsdurchfahrt gilt nunmehr Tempo 30. Dies dürfte sich jedoch nicht auf das Verkehrsaufkommen auswirken, das nach wie vor bestehen bleibt. Hier in RÜBENACH besteht das gleiche Problem, wo tagtäglich PKW, BUSSE und SCHWERLASTVERKEHR seit Jahrzehnten mitten durch den Ort fahren u. das in einem Maße (was tagtäglich durch eine eigens von der Bürgerinitiative erworbene u. installierte Meßanlage registriert wird), zu deren Lösung es nur eine einzig verwertbare Lösung gibt: "Die einer ORTSUMGEHUNG". Tempo 30 ändert an der Situation "VERKEHRSAUFKOMMEN" überhaupt nichts, sondern führt nur dazu, dass sich (vor allem zu den Hauptverkehrszeiten) lange Stau`s mit stehenden Fahrzeugen bilden, stehende Fahrzeuge mit laufendem Motor, die Lärm verursachen u. mit ihren Abgasen die Luft verpesten, was besonders an heissen u. schwülen Tagen, wo sowieso innerhalb des Ortes die Luft "steht", zu spüren ist.
juergen mueller:
Glaubt man den Ausführungen zum Nachdenken von Herrn Klasen, dann wäre es allen CO"-Jüngern angeraten, auch an dieser radelnden Veranstaltung zum Klima- und Umweltschutz nicht teilzunehmen, denn nach seiner These trägt auch die Ausatemluft (nicht nur vorne), insbesondere bei Dauerbelastung zu einem erhöhten Ausstoß an CO2 u. damit zur Erderwärmung bei. Das müsste dann ja auch auf z.B. sexuelle Betätigungen zutreffen, oder? Also auch einstellen. Aber WAS ist mit UNSEREM Energieverbrauch (Fabrikmaschinen, Autos, Computer, Handys, Küchengeräte etc.)? Diese Energie wird erzeugt durch Verbrennung von Kohle, Öl, Gas = CO2. Wald- Grünflächen, die CO2 speichern, schrumpfen/verschwinden - mehr Ackerland u.Viehwirtschaft, da der Mensch weltweit immer mehr Fleisch isst = mehr Rinder/Schweine, die Unmengen von Methan-/Treibhausgas in die Luft rülpsen/furzen. Ich finde - wer radelt sündigt nicht u. wenn er dabei auch mal kräftig ausatmet oder ein Fürzchen lässt - der Umwelt wird`s nicht schaden.
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