Kunstaktion in der Martin-Luther-Kirche Bad Neuenahr

Klingende Schalen faszinierten

Friedhelm Pankowski und Marie Jo Gaudry-Pankowski boten ungewohnte Klangerlebnisse

20.03.2017 - 17:26

Bad Neuenahr. Ein langer heller Tisch mit eingelassenen runden Membranen statt Tellern erwartete die Gäste am vergangenen Donnerstagnachmittag in der Martin-Luther-Kirche, wo sie begrüßt wurden durch den Projektleiter der Freiheiter, Wolfgang Grambs, sowie im Namen der evangelischen Kirchengemeinde Bad Neuenahr durch Kantorin Andrea Stenzel. Wer näherkam, entdeckte außerdem ein niedriges blaues Podest mit lauter kupfer- und messingfarbenen kugeligen Objekten. Die ungewöhnliche „Möblierung“ stammte von dem Nierendorfer Metallbildhauer Friedhelm Pankowski, Schöpfer des Freiheiter-Preises, den er als Klangschale mit Friedenstaube gestaltet hat. Der Förderverein „Ahrweiler Freiheitswochen“ überreichte diese im Vorjahr Barbara Genscher, Witwe des ehemaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher, für ihren verstorbenen Mann, und aktuell galt die Ehrung Karl Kardinal Lehmann.


Welt der Klänge


Dem Klang auf der Spur, hat Pankowski neben der handgetriebenen Bronze-Schale viele weitere Schalen-Objekte gefertigt, große, kleine, schwach und stark gewölbte, glatte und verzierte, darunter auch ein riesiges Schneckenhaus. „Ich habe mich lange mit der Schale beschäftigt“, erzählte er. „Sie ist die Grundform zu weiteren Objekten wie Klangringen: Die sind so gebogen, dass sie, von der Seite betrachtet, einen Schalencharakter haben.“ Je nach Größe, Metallstärke, Ausprägung der Krümmung und natürlich Art des Anschlags bringen die Formen unterschiedliche Töne hervor. Gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Marie Jo Gaudry-Pankowski, führte der Metallbildhauer in die schwingende Welt der Klänge ein, die sie in überraschender Vielfalt freisetzten.


Aufmerksam lauschen


Beide nahmen anfangs am langen Tisch Platz. Bald schwiegen alle Nebengeräusche und Pankowski schlug die vor ihn stehende Schale an. Mit der flachen Hand wischte er über ihr durch die Luft, um den Klang, dem alle nachlauschten, zu verteilen. Am anderen Tischende nahm Gaudry-Pankowski den Klangdialog auf, indem sie mit einem Filzklöppel eine Art metallenen Quirl zum Klingen brachte und die erzeugten Töne verwirbelte. Als Botschafterin des Klangs trug sie die Schwingungen ins Publikum zu den aufmerksam Lauschenden. Ein weiterer Klangkörper, der wie eine Pendelleuchte aussah, wurde von Gaudry-Pankowski gleichfalls zu den Menschen gebracht. Das größte Instrument bestand aus einer gebogenen Membran, die an Seilen von einer pyramidalen Stangen-Konstruktion herabhing. Auf der Membran lagen konzentrische Klangringe auf und darüber hing eine kleine nach unten geöffnete Klangschale.


Kreative Schritte


Einige der Klangkörper hatte Klaus Schäfer, Musikredakteur, der eigens aus Berlin anreiste, technisch verstärkt. Alle Objekte kamen zum Einsatz, nachdem die beiden Klang-Vorführenden Kostproben von Klangerlebnissen geboten hatten. Sich vortasten bei der Klangerzeugung, in harmonischer Gestimmtheit achtsam lauschen, neugierig Neues versuchen, freudig Gelungenes wiederholen, einen Rhythmus finden, diese kreativen Schritte überließen sie sodann ihren Gästen. Die nahmen das Angebot dankbar wahr. Kindergartenkinder, Jugendliche, Mittelalte und Senioren probierten gleichermaßen interessiert und ausdauernd aus, wie sie die verschiedenen Schalen zum Klingen bringen konnten. Dass sich die vielen Töne dabei vermischten und es sich mitunter schwierig gestaltete, einzelne Klänge zu verfolgen, tat jedoch der Freude am Nachahmen oder am Experiment keinen Abbruch. So gelang, was von Friedhelm Pankowski beabsichtigt war: elementare Klangerlebnisse in seiner Installation an Jung und Alt weitergeben, um vielfach verschüttete Urerlebnisse sowohl haptischer wie auch akustischer Art wieder wach werden zu lassen. HG

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
 
Weitere Artikel

Kommunion in der St. Andreas-Kirche in Ahrbrück

„Brot des Lebens“ lautete das Thema am Weißen Sonntag

Ahrbrück. Die 21 Kommunionkinder aus Ahrbrück, Heckenbach, Hönningen, Staffel und Lind trafen sich am Weißen Sonntag am Pfarrhaus in Ahrbrück, wo sie gemeinsam mit Pastor Volker Dupont, den Messdienern und begleitet vom Blasorchester Hönningen in einer kurzen Prozession in die St. Andreas-Kirche einzogen. Damit die Kommunionkinder wohlbehalten die Straße nutzen konnten, hatte die Freiwillige Feuerwehr Ahrbrück die Sicherung übernommen. mehr...

Pilgerkirche Vallendar

„Chorissimo“

Vallendar. Auftakt am Samstag, 20. Mai um 20 Uhr: „Chorissimo“, festliches Eröffnungskonzert mit dem Tölzer Knabenchor und Solisten, Clemens Haudum, Orgel/Klavier, Christian Fliegner, Leitung. mehr...

Pilgerzentrale Schönstatt

Friedenswallfahrt zum Urheiligtum

Vallendar. Frieden in der Welt, in der Familie, im eigenen Herzen: Mit diesem Anliegen findet am 1. Mai die Friedenswallfahrt zum Urheiligtum in Schönstatt-Vallendar statt. Tägliche Schlagzeilen zeigen: Top aktuell! Herzliche Einladung an alle, denen der Frieden am Herzen liegt! mehr...

Weitere Artikel

Jugendprojekt „sozial engagierte Jungs“ (sej) des Jugendbüros der Verbandsgemeinde Altenahr startete vor fünf Jahren

Die Musterknaben hatten zum kleinen Jubiläum eingeladen

Altenahr. Vor fünf Jahren, am 19. April 2012, startete das Jugendprojekt „sozial engagierte Jungs“ (sej) des Jugendbüros der Verbandsgemeinde Altenahr, damals noch mit Sitz in der Seilbahnstraße. Gleich zu Beginn waren es zehn Jugendliche im Alter zwischen 15 und 20 Jahren, die sich für soziale Projekte interessierten und über ein Jahr ihren engagierten Dienst in der Kindertagesstätte, im Seniorenheim, in der Grundschule (Nachmittagsbetreuung) oder in der Jugendarbeit leisteten. mehr...

SG Nettetal, Fußball-Kreisliga B Mayen

Gäste konnten das Ergebnis einordnen

Andernach. Das Team der SG Nettetal unterlag bei der SG 99 Andernach II mit 1:7. Die Gäste wussten das Ergebnis aber richtig einzuordnen. Für das zwischenzeitliche 2:1 sorgte Kapitän Jospeh Meißner. Mit mehreren Spielern der Rheinlandligamannschaft unterstützte die SG 99 Andernach ihre zweite Mannschaft, um das Ziel Aufstieg nicht zu gefährden. Nettetal-Trainer Marvin Neideck war mit seinen Schützlingen trotz der klaren Niederlage zufrieden. mehr...

Weitere Artikel

mezzoforte wolken e.V.

Vorbereitung auf das Konzert

Wolken. Zur intensiven Vorbereitung auf das geplante Sommerkonzert am 1. Juli beginnt der Chor „mezzoforte wolken“ e.V. nach dem Osterurlaub am 2. Mai wieder mit den wöchentlichen Proben ab 18 Uhr im Gesellschaftsraum der Goloring-Halle. Wer noch beim Chor einsteigen möchte, kommt einfach dienstags in den Proberaum. Es steht die Freude am gemeinsamen Singen im Vordergrund, Vorsingen ist nicht erforderlich. mehr...

Sportverein Wolken e.V.

Sportinteressierte sind willkommen

Wolken. Am Mittwoch, 3. Mai, findet um 19 Uhr im ehemaligen Sitzungssaal der Ortsgemeinde Wolken, Hauptstraße 88, Alte Schule, die Jahreshauptversammlung des SV Wolken e.V. statt. Dazu lädt der Vorstand alle Mitglieder des Sportvereins herzlich ein. Interessierte am Sportbetrieb sind ebenfalls herzlich willkommen. mehr...

LG Maifeld-Pellenz - VfB Polch - TV Jahn Plaidt - Djk Ochtendung

Bahneröffnung in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Maifeld. Vor kurzem starteten sieben Athleten der LG Maifeld-Pellenz erfolgreich in die neue Bahnsaison 2017. Der 15-jährige Benedikt Max lief neue persönliche Bestzeit über die 7,5 Bahnrunden. 3000 m in 10:28,98 Minuten sorgten für große Freude. Für Jakob Rotta war es der erste Start im stark besetzten, nun männliche Jugend U16, 800 m Lauf. Ganze 10 Sekunden schneller als im vergangenen Jahr stoppte die Zeit für ihn bei 2:30,84 Minuten. mehr...

gesucht & gefunden
Kommentare
Uwe Klasen:
Um die Kloake, genannt Fußgängerunterführung unter der B42, vor dem (ehemaligen) Bahnhofsgebäude sollte sich auch einmal jemand kümmern! Ein vollkommen verwahrloster Bereich und damit bekommen Besucher, die mit Bus oder Bahn anreisen, von Vallendar einen ersten Eindruck, und nicht den besten!
 
Regionale Kompetenzen

 
Service
Lesetipps
GelesenBewertet