Rathaussturm in Niederzissen

Rathaus fest in Möhnenhand

Weibliche Übermacht zwingt Bürgermeister Johannes Bell zur Kapitulation - Möhnen feiern 80. Geburtstag

10.02.2018 - 14:00

Niederzissen. Wenn die närrische Session sich ihrem Ende zuneigt, haben in der Endphase der fünften Jahreszeit traditionell zunächst die Möhnen das Sagen.

Dabei findet in der hiesigen Region in Niederzissen und Oberzissen die Weiberfastnacht aus alter Tradition heraus bereits mittwochs statt. Bei den Niederzissener Möhnen steht dabei als oberstes Gebot der Sturm auf das Rathaus auf dem Programm, damit auch der Öffentlichkeit die Machtergreifung durch die Möhnen kundgetan wird. Dabei hatte auch in diesem Jahr Bürgermeister Johannes Bell keine Chance, das Rathaus gegenüber der weiblichen Übermacht zu schützen. Da half auch die Unterstützung des ersten Beigeordneten Richard Keuler, Büroleiter Armin Seiwert sowie dem Niederzissener „Karnevalsurgestein“ Heinz „Manes“ Schröder nichts.

Ob es vielleicht daran gelegen hat, dass Ortsbürgermeister Rolf Hans erkrankt war und nicht zur Unterstützung ins Rathaus eilen konnte? Die Verwaltungsspitze musste den Schlüssel des Rathauses an die Niederzissener Möhnen unter der Führung ihrer Chefin Christel Krupp abgeben.


„Möhnenbaum“ präsentiert


Bürgermeister Johannes Bell erinnerte bei dieser Gelegenheit an die Aufgabe, die die Möhnen dem Verwaltungschef im letzten Jahr aufgetragen hatten und präsentierte einen „Möhnenbaum“, der mithilfe von „Chefkonstrukteur Manes“ geschaffen worden war und an dem 17 Möhnengesellschaften des Brohltals verewigt waren. Er erinnerte aber auch daran, dass die Niederzissener Möhnen in diesem Jahr zwar keinen „närrischen“ Geburtstag, aber ihren 80. Geburtstag feiern konnten. Er zeigte sich bei allen erkenntlich, die in der Vergangenheit aber auch derzeit das „Möhnenbrauchtum“ gefördert und unterstützt haben für das gezeigte Engagement. Ein Blick auf die Altersstruktur der Niederzissener Möhnen zeige, dass diese kein Nachwuchsproblem habe. Er richtete Grüße vom erkrankten Ortsbürgermeister aus und überreichte der Obermöhn eine finanzielle Unterstützung sowohl von der Verbandsgemeinde Brohltal wie auch von der Ortsgemeinde Niederzissen.

Möhnenchefin Christel Krupp zeigte sich beim Bürgermeister, aber besonders bei „Manes“, mit dessen Hilfe die im letzten Jahr gestellte Aufgabe bestens gelöst wurde, mit dem Möhnenorden erkenntlich. Auch sie freute sich über die große Zahl der aktiven Niederzissener Möhnen, deren jüngste gerade einmal 17 Jahre alt, die älteste aber über 70 Jahre alt ist. Hatte Johannes Bell aber geglaubt, damit sei er aus dem Schneider, so sollte er sich geirrt haben. Schnell hatte die Obermöhn die Kleidung gewechselt und dann tagte das „Narrengericht“. Christel Krupp verlas dem Bürgermeister eine Anklageschrift, die es in sich hatte. Hatte doch die Verwaltung für den Kartenvorverkauf zur Möhnensitzung eine falsche Uhrzeit veröffentlicht und den Möhnen somit „einen schweren, nicht mehr auszugleichenden finanziellen Schaden“ zugefügt. Das Urteil fiel dann aber für den Verwaltungschef „gnädig“ aus und er nahm es gerne an.

Beraubt wurden die Herren schon traditionell aber auch noch eines Teils ihres Männlichkeitssymbols, nämlich der Krawatte. Anschließend wurde mit einem dreifachen „Zesse Knatsch Jeck“ und stimmungsvoller Musik gemeinsam auf die neue Herrschaft im Rathaus Niederzissen bei einem Glas Sekt angestoßen. Die Möhnen feierten den Sieg mit Begeisterung. Am Nachmittag feierten die Möhnen traditionell in der Bausenberghalle ihre Möhnensitzung. WK

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Kommentare
Christoph Wagner:
Gute Sache!
Andreas Nöthen:
Die ewig gestrigen dürfen nicht gewinnen. Die Aussage eines Dr. Fleischer der Marktplatz sei belebt genug ist dumm und hat mit städtischer Entwicklung nun gar nichts zu tun. Diese im Fernsehen von Fleischer geäußerte Meinung ist kontraproduktiv. Der Marktplatz kann nach meiner Meinung nicht belebt genug sein. Dies zum Wohle aller Bürger und so ist der "Fleischer Beitrag" mehr als nur zu vernachlässigen. Genau die Leute, die in anderen Städten die Ratsstuben bewundern wollen sie in Mayen nicht und lehnen Investoren ab um die sich jede andere Gemeinde wohl ein Bein ausreißen würde. Wer soll denn dies verstehen.
juergen mueller:
Ich finde es gut, dass es so etwas wie die AG-60-Plus gibt und damit ältere Menschen (wie auch meine Wenigkeit), die ihr politisches Interesse offen aufzeigen, auch wenn man einen Tagesordnungspunkt wie GroKo (mit berechtigten Bauchschmerzen) nur "abhaken" kann. Bauchschmerzen sind angesagt, wenn man sich den Koalitionsvertrag mit seinen über 170 Seiten einmal reingezogen hat, in dem das Wörtchen "SOLLEN" gleich hundertfach vorkommt, denn ... SOLLEN ... heisst NICHT WOLLEN, sondern nur, dass man beabsichtigt oder in Erwägung zieht, dass es so umgesetzt wird wie es "gesollt" wurde. Was letzten Endes für UNS dabei positiv herauskommt, dürfte nicht so wichtig gewesen sein, sondern nur, dass es zu einer Regierungsbildung und natürlich zu einer Verteilung lukrativer, politischer Posten gekommen ist. Letzten Endes ging es nur um ein Kämpfen gegen Verlust von Amt u. Mandat, von Posten, Diäten, Bezüge, von Macht, Anerkennung u. (vermeintlichem) Ansehen. Alles andere ist blauäugiges Denken.
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