Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel

Schimmel in Kirchen und Orgeln

Dr. Lothar Grün, Sachverständiger für Luftverunreinigungen und Schimmelpilze in Innenräumen, referierte zu dem aktuellen Thema Schimmel

Schimmel in Kirchen und Orgeln

Referent Dr. Grün, eco-LUFTQUALITÄT + RAUMKLIMA Messstelle, Beratungs- und Forschungsgesellschaft mbH.Foto: privat

20.03.2017 - 09:29

Urmitz. Mehr als 30 Teilnehmer hatten sich in der Kirchengemeinde St. Georg in Urmitz eingefunden, um sich zu informieren und mit dem Fachmann zu diskutieren. Das große Interesse ist ein Indiz für die Aktualität des Themas. Ob aber das Problem von Schimmel in Kirchen und Orgeln heutzutage vermehrt auftritt, lässt sich nicht mit Untersuchungen und Statistiken belegen. Da entsprechende Erhebungen fehlen bzw. gerade erst angestoßen wurden. Allerdings ist eine Zunahme von Anfragen an den Spezialisten zu verzeichnen und eine stärkere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Um es vorwegzunehmen es gibt kein „Patentrezept“ gegen Schimmel, dafür ist die Zahl möglicher Faktoren, die Einfluss nehmen zu groß. Es sind also Einzelfallbetrachtungen nötig und Messungen in den Gebäuden, um mögliche Ursachen zu ermitteln und dann gezielt entgegenzuwirken. Entwarnung konnte der Experte im Hinblick auf die Belastung der Luft durch die Schimmelpilze in solchen Räumen geben. In der Regel stellen sie für eine gesunde Person, die sich ja nur eine begrenzte Zeit in einer Kirche aufhält keine Gefahr dar. Wie kommt es nun eigentlich zu einem Befall mit Schimmelpilzen. Die Sporen sind grundsätzlich immer in der Luft vorhanden. Treffen diese auf organische Substanzen - auch Staub ist ein geeigneter Nährboden - und herrscht eine relative Luftfeuchte von mehr als 70 Prozent, so braucht es nur noch eine ausreichend hohe Temperatur und es kommt zum Schimmelbefall. Je ungünstiger die Bedingungen für das Pilzwachstum umso länger braucht es, bis der Befall augenscheinlich wird. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass der Schimmel oberflächlich wächst und nicht zur Zerstörung von Holz führt. Weiterhin findet er sich verstärkt auf horizontalen Flächen und selten an senkrechten. Das ist auf die Ablagerung von Staub auf den waagerechten Flächen zurückzuführen, der Feuchtigkeit bindet und damit die Bedingungen für den Pilz verbessert. Die erforderliche Feuchtigkeit kann aus baulichen Mängeln und dem Raumklima resultieren. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Beobachtung, dass in viel besuchten Kirchen (Wallfahrtskirchen) Schimmel kein Problem ist, während in Kirchen, die nur selten genutzt werden, deutlich öfter ein Befall festzustellen ist. Eine Erklärung hierfür ist die Durchmischung der Luft durch die Besucher. Der Tipp, das durch Ventilatoren zu simulieren, greift leider nicht, da diese deutlich mehr Staub aufwirbeln, der ja zur Schimmelbildung beitragen kann. Dreh- und Angelpunkt scheint aber die Luftfeuchte zu sein. Diese wird von den verschiedenen Bau- und Ausstattungsmaterialien unterschiedlich stark aufgenommen und dann wieder verzögert abgegeben. Ein einmaliges Lüften bringt nur etwa 1/3 der eingetragenen Feuchtigkeit aus dem Gebäude, 2/3 sind zunächst an die Oberflächen gebunden und werden erst dann nach und nach wieder abgegeben. Es ist also sinnvoll, dann mehrmals zu lüften und natürlich nur dann wenn die Luftfeuchtigkeit innen höher ist als in der Außenluft. Messungen haben gezeigt, dass gerade in den Übergangszeiten Probleme mit der Luftfeuchte auftreten. Hier könnte eine Beheizung auf etwa 3° Celsius mehr als die Umgebungstemperatur und ein automatisiertes Lüften Abhilfe schaffen. Die Entlüftung sollte aber Feuchte gesteuert sein, damit nur dann gelüftet wird, wenn die absolute Luftfeuchte außen geringer ist als im Raum. Die anschließende, lebhafte Diskussion zeigte, dass sich viele der Besucher bereits mit dem Thema beschäftigt hatten und aus der Praxis berichten konnten. So wurde auch die These diskutiert, ob die in der Neuzeit eingebrachten Baumaterialien unter anderem auch Farben zu dem Problem beigetragen haben. Die in der Vergangenheit eingesetzten Kalkmörtel, Kalkputze und Kalkfarben bieten dem Schimmel per se keine geeigneten Bedingungen. Gips haltige Baustoffe hingegen bieten den Schimmelpilzen bessere Lebensbedingungen. Darüber hinaus haben diese Baustoffe und die modernen Farben abweichende Aufnahme- und Abgabe-Fähigkeiten in Bezug auf Luftfeuchte und können dadurch zur Schimmelbildung beitragen. Hier sollte also bei der Materialwahl stärker darauf geachtet werden, ob diese im Hinblick auf ihre Eigenschaften zueinander passen. Das Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel dankte dem Referenten für den interessanten Vortrag, der die Vielschichtigkeit des Problems beleuchtete und dazu beiträgt zu erkennen, dass es keine Universallösung gibt.

Pressemitteilung

Umweltnetzwerk

Kirche Rhein-Mosel

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
 
Weitere Artikel

Evangelische Kirche Unkel

Festgottesdienst mit neuer Orgel

Unkel. Ein Festgottesdienst zur feierlichen Ingebrauchnahme der neuen Orgel für die evangelische Kirche in Unkel, Fritz-Henkel-Str. 3, findet am Sonntag, 27. August um 10 Uhr statt. Im Anschluss wird zum Kirchenkaffee und einer musikalischen und informativen Orgelmatinee eingeladen. mehr...

Geschichtsverein Unkel

Stadtführungen

Unkel. Der Geschichtsverein Unkel bietet für Freitag, 22. September ganz besondere Stadtführungen, nämlich zeitgleich für Klein und Groß, an. Die Kleinen sind die Kinder ab sechs Jahre. Sie erleben die Geschichte Unkels in Begleitung von „Unkulus“, dem guten Geist von Unkel. Dabei lernen die Kinder historische Figuren in alten Kostümen kennen, die aus ihrem Leben berichten. Für die Großen, also die... mehr...

AG Naturschutz der Gemeinde Dürrholz

Neue Ruhebank präsentiert

Dürrholz. Im Rahmen des Verkaufs des Kalenders 2017 mit Impressionen vom Naturerlebnispfad wurde darauf hingewiesen, dass der Erlös in die Erhaltung eben dieses Pfades fließen sollte. mehr...

Weitere Artikel

DRK-Ortsverein Rhens e.V.

Blutspendetermin

Rhens. Der nächste Blutspendetermin des DRK-Ortsvereins Rhens ist am Montag, 28. August von 16 bis 20 Uhr im „Kaisersaal“, Bahnhofstraße beim DRK-Ortsverein Rhens. Beim DRK Rhens sind die Blutspenderahlen weiterhin stark rückläufig. mehr...

Drachen- und Gleitschirmfliegerfreunde Rhein-Mosel-Lahn e.V.

Fliegerfest in Lasserg

Lasserg. Am letzten Wochenende im August, von Samstag, 26. bis Sonntag, 27. August findet das jährliche Fliegerfest in Lasserg an der Mosel gegenüber von Burgen statt. mehr...

Autor Friedbert Ritter widmet sich der Thematik Nachhaltigkeit

„Neue Impulse für den Wertewandel“

Nörtershausen. In seinem Buch zeigt Friedbert Ritter eine ergänzende Sichtweise in der Thematik Nachhaltigkeit auf. Aus seiner Sicht muss Nachhaltigkeit im engeren Sinn ganzheitlich verstanden werden, ganzheitlich auch im Sinne einer ethisch-spirituellen Dimension. mehr...

Weitere Artikel

Faszination Fliegen bietet der Luftsportverein Neuwied

Flugplatzfest in Dierdorf-Wienau

Dierdorf-Wienau. Zwei Tage Faszination Fliegen bietet der Luftsportverein Neuwied am Wochenende auf dem Flugplatz Dierdorf-Wienau. Die unterschiedlichen Luftsportarten präsentieren sich in Aktion, am Boden informieren die Piloten über die Technik. Ganz still geht es beim Kunstflug mit Segelflugzeugen zu. Modellflieger zeigen, was alles mit ihren Miniaturmodellen möglich ist. Oldtimer lassen die Zeit der „fliegenden Kisten“ aufleben. mehr...

90-jährigen Bestehen der Kirmesgesellschaft Kurtscheid

Jubiläumskirmes in Kurtscheid

Kurtscheid. Vom 1. bis 4. September feiert die KGK ihre diesjährige Kirmes unter einem besonders schönen Anlass – dem 90-jährigen Bestehen der Kirmesgesellschaft Kurtscheid. Am 1. September startet das Fest mit dem traditionellen Stellen des Kirmesbaums auf der Kornbitze. Am Samstag, 2. Septeber erwartet die Kurtscheider nach dem Abholen des neuen Kirmespaars die Band „Flaschenkinder“, die bereits im letzten Jahr ein Highlight. mehr...

gesucht & gefunden
Kommentare
juergen mueller:
Auch die RÜBENACHER GEMARKUNG stellt ein NAHERHOLUNGSGEBIET für die Bürgerinnen und Bürger dar - und NICHT nur für die RÜBENACHER. Schon gewusst SPD-Fraktion, dass z.B. der JAKOBSWEG durch die Gemarkung führt und Rübenach eine Wanderkarte mit eingezeichneten Wanderwegen besitzt? Und WER setzt sich dafür ein, dass es bei diesem Nacherholungsgebiet bleibt? Sie bestimmt nicht, Frau Lipinski-Naumann, Sie stimmen eher für eine Erweiterung des GVZ u. nehmen mit Ihren Polit-Kollegen wissentlich eine weitere Beeinträchtigung/Zerstörung von Umwelt u. Natur in Kauf. Wie wäre es einmal mit einem Spaziergang durch die RÜBENACHER GEMARKUNG. Dann werden Sie feststellen (oder auch nicht), dass Sie sich in einem Totgebiet befinden ohne ehemals vorhandene Wildblumen u. Wildtierarten, ohne Vogelgezwitscher etc. - die Folgen einer komplett verfehlten Umweltpolitik. Was die Stadtpolitik bereits im "Kleinen" versaut hat, soll weiteren Bestand haben? UMWELT u. NATUR finden nicht nur im eigenen Garten statt
Uwe Klasen:
Die Mondlandung war auch deshalb möglich weil viele Menschen sich innovativ einbrachten und Lösungen anstrebten. Wenn es aktuell nicht möglich ist den Untergrund entsprechend zu verfestigen dann müssen halt Einschränkungen bei den Kraftfahrzeugen vorgenommen werden! Eine Beschränkung für Kfz mit maximal 7,5 oder auch nur 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht wäre eine solche Maßnahme, entsprechend dimensionierte Kfz unterschiedlichster Art gibt es dafür genügend, so dass eine Belieferung mit Gütern oder Entsorgung von Abfällen durchaus möglich wäre.
juergen mueller:
Warum wurde nicht bereits VOR der Bauphase daran gedacht, dass SAND als Untergrund den Anforderungen eines LKW-Anlieferung- sowie z.B. Müllwagen-Verkehrs (26 Tonnen) nicht standhält? Warum ist der SPD-Altstadt-Mitte bei ihren Begehungen (auch der Kornpfortstrasse während der wochenlangen Bauphase) dieser Makel, dessen Beseitigung nun wiederholt Steuergelder kosten soll, nicht aufgefallen? Eine Schuldzuweisung alleine zu Lasten der Verwaltung oder der ausführenden Baubehörde erscheint mir hier als zu einfach gedacht.
juergen mueller:
Die Aussage der Verwaltung u. die (zu)späte Feststellung der SPD-Altstadt-Mitte, die Pflasterung der Kornpfortstrasse vertrage den LKW-Verkehr nicht, spricht Bände. Hat die Verwaltung etwa geglaubt, die Warenanlieferung erfolgt mit der Sackkarre? Was ist mit der wöchentlichen Leerung der Mülltonnen mit einem 26-Tonner? Wenn der SPD-OV-Mitte schon anprangert - FRAGE: "Warum ist hier nicht schon während der monatelangen Bauphase aufgefallen, dass SAND NICHT als LKW-tragfähiger-Untergrund geeignet ist, was jedes Kind bereits weiß? Wozu dann die wöchentliche Begehung der Altstadt(straßen),wenn so etwas nicht auffällt? Die Kornpfortstrasse ist in ihrer GESAMTHEIT NICHT gelungen, wenn neben einer ansehnlichen Oberfläche ein tragbarer Untergrund für die normalen Dinge des Lebens fehlt, Dinge, die es nun einmal mit zu berücksichtigen gilt, wenn man solche Bauvorhaben durchführt. Der Verwaltung die Schuld zuzuschieben an etwas was man mit verbockt hat ist zu einfach aber eben Politik
Thomas Schäfer :
Schade, dass der Verlag diese und andere als Leserbriefe eingesandten Lesermeinungen der gedruckten Ausgabe vorenthalten hat ??
Jürgen Scholten:
Was ich noch vergessen habe !!! Traurig das ein Personalratsvorsitzender solche Kommentare ab gibt !!! Das zeugt von einer großen Voreingenommenheit !!!
Jürgen Scholten :
Sorry dürfte ich mal wissen welche Parteibücher die Herrn haben die diese Kommentare ab geben ??? Unter der Gürtellinie !!!!
Regionale Kompetenzen

 
Service
Lesetipps
GelesenBewertet