Mit schwerem Gerät erzwang die Unkeler KG am Sonntag die Schlüsselübergabe an Marie I.

Stadtchef Gerhard Hausen verhinderte mit seiner Kapitulation den Abriss des Rathauses

14.02.2018 - 10:00

Unkel. „Alaaf, Ihr wildes Narrenvolk. Ihr kommt hier nicht rein, das Rathaus, das ist mein. Ihr bringt mit Euch auch kirchlichen Segen und könnt unser Mitleid so doch erregen“. So überheblich empfing der Unkeler Stadtbürgermeister Gerhard Hausen am später Sonntagvormittag die Heerscharen der Kulturstadt-Jecken nach der von KG-Ehrenmitglied Herbert Breuer zelebrierten Kölschen Mess. Als „Chef von der Entsorgungs- GmbH“ hatte er sich in seinen Büroräumen verschanzt, während er die Verteidigung des Schraatesaals seinem „Hausmeister“ Wolfgang Plöger, Beigeordneter von „Soll und Nixhaben“ überließ, dem einige wenige Ratsmitglieder zur Seite standen. Übersehen hatte der Stadtchef, dass Prinzessin Marie I. mit ihren Paginnen Jenny und Melina nur vom Bläserkorps der KG sowie den „Herzblättchen“, den Heisterer Möhnen und den „Kieselsteinchen“ umgeben wurden, während die Hunnen die Frankfurter Straße abriegelten und die Majoretten den Fluchtweg nach Süden verstellten. Vom Elferrat um Präsident Markus Winkelbach und den Vorsitzenden Manfred Himmelbach aber war keine Spur.

„So bunt und lustig Ihr hier vor uns steht, Ihr demoliert uns doch nur das Rathaus und erwartet einen leckeren Suppenschmaus. Wir aber wollen unseren guten Ruf als Kulturstadt nicht verlieren“, schwadronierte Gerhard Hausen munter weiter und rühmte sich und seine Mannschaft als Spezialisten der Entsorgung, die sich mit vermüllten Ecken und Schandflecken bestens auskennen und diese mit drakonischen Mittel beseitigen würden. Und während er noch die Mitglieder seiner Rathausmafia, darunter auch VG-Chef Karsten Fehr, als geistige Elite der Stadt auflistete, rollte der Elferrat an und das nicht nur mit Besen uns Schaufeln, sondern mit schwerem Gerät, einem Radlader mit ausladender Schaufel.

„Im vorigen Jahr standen wir mit allen Jecken hier und hängten den Pfändungsbeschluss an die Tür“, erinnerte der KG-Chef. Angesichts der Ebbe, die unvermindert in der Stadtkasse herrsche, habe niemand Interesse, das Rathaus zu übernehmen. Mit den Büroschlaf sei jetzt endlich Schluss. „Anders als Politiker machen wir Jecken unsere Androhung wahr, wir machen Ernst mit dem Pfändungsbeschluss aus dem vorigen Jahr. Wir schaffen Fakten, et ist wie et is: Erlebt die Räumung und den Zwangsabriss“, kündigte Manfred Himmelbach an. Beim Entsorgen von rund 800 Tonnen Müll am ehemaligen Güterbahnhof habe man keinen der Angreifer gesehen“, wetterte ein Stadtchef, der den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt zu haben schien. „Schwade könnt ihr joot, dat is äver nur heiße Luft wie bei den Sondierern in Berlin. Wenn mir am Bahnhof mitjemaacht hätte, wär der janze Bürokrate-Schrott auch mitentsorcht jeworde“, höhnte der KG-Vorsitznde und ließ den Radlader bis an die Rathaustreppe vorrücken. Der würde mit seiner mächtigen Schaufel keinen Stein auf dem anderen lassen, so dass die KG an Stelle des Rathauses ihre Wagenbauhalle neben dem Verwaltungsgebäude errichten könne. Die Bürokraten und Kontenüberzieher könnten ihre Sitzung dann im Gefängnisturm abhalten. Und wenn ihnen dort das Wasser wieder mal bis zum Hals stehen würde, dann nur, weil der Rhein erneut Hochwasser habe, lästerte Manfred Himmelbach.

Angesichts dieser nicht mehr zu übersehenden Bedrohung knickt Gerhard Hausen ein. „So will ich nun kapitulieren, Prinzessin Marie darf mit Jenny und Melina endlich regieren. Auf, lasst uns feiern ganz ohne Sorgen, am liebsten bis in den frühen Morgen“, gab Gerhard Hausen eine weißes Spitzenbützcher schwenkend klein bei. Wie in den Vorjahren übergab er an der Tür zum Rathaus der jungen Tollität den Schlüssel der Stadt und unterwarf sich damit ihrem jecken Regiment. „So tretet ein, Ihr Jeckengilden. Doch wehe, ihr feiert wie die Wilden. Gebt Acht, stoßt kräftig an, singet und lacht“, lud der Stadtchef in den Schrattesaal ein. „Ich ergebe mich und steh Euch nicht im Wege. Legt los, bevor ich’s mir anders überlege!“, überließ er den Jecken auch das lange Büffet, mit Gerhard Hausen eigentlich seine Verteidiger bei Kräften und Laune hatte halten wollen. Die ließen derweil einen Kamelle-Regen auf die jungen Zuschauer hernieder gehen, die damit schon einen Vorgeschmack auf den Rosenmontagszug erhielten. DL

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Kommentare
Christoph Wagner:
Gute Sache!
Andreas Nöthen:
Die ewig gestrigen dürfen nicht gewinnen. Die Aussage eines Dr. Fleischer der Marktplatz sei belebt genug ist dumm und hat mit städtischer Entwicklung nun gar nichts zu tun. Diese im Fernsehen von Fleischer geäußerte Meinung ist kontraproduktiv. Der Marktplatz kann nach meiner Meinung nicht belebt genug sein. Dies zum Wohle aller Bürger und so ist der "Fleischer Beitrag" mehr als nur zu vernachlässigen. Genau die Leute, die in anderen Städten die Ratsstuben bewundern wollen sie in Mayen nicht und lehnen Investoren ab um die sich jede andere Gemeinde wohl ein Bein ausreißen würde. Wer soll denn dies verstehen.
juergen mueller:
Ich finde es gut, dass es so etwas wie die AG-60-Plus gibt und damit ältere Menschen (wie auch meine Wenigkeit), die ihr politisches Interesse offen aufzeigen, auch wenn man einen Tagesordnungspunkt wie GroKo (mit berechtigten Bauchschmerzen) nur "abhaken" kann. Bauchschmerzen sind angesagt, wenn man sich den Koalitionsvertrag mit seinen über 170 Seiten einmal reingezogen hat, in dem das Wörtchen "SOLLEN" gleich hundertfach vorkommt, denn ... SOLLEN ... heisst NICHT WOLLEN, sondern nur, dass man beabsichtigt oder in Erwägung zieht, dass es so umgesetzt wird wie es "gesollt" wurde. Was letzten Endes für UNS dabei positiv herauskommt, dürfte nicht so wichtig gewesen sein, sondern nur, dass es zu einer Regierungsbildung und natürlich zu einer Verteilung lukrativer, politischer Posten gekommen ist. Letzten Endes ging es nur um ein Kämpfen gegen Verlust von Amt u. Mandat, von Posten, Diäten, Bezüge, von Macht, Anerkennung u. (vermeintlichem) Ansehen. Alles andere ist blauäugiges Denken.
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