Ein Traditionsgeschäft in Wormersdorf schließt nach über einem halben Jahrhundert

Wormersdorfer Kolonialwarenladen schließt

Wormersdorfer Bürger bedauern, dass es bald den Laden von Elisabeth Hantrup im Unterdorf nicht mehr geben wird

Wormersdorfer
Kolonialwarenladen schließt

Elisabeth und Peter Hantrup führten Geschäfte, die Wormersdorf prägten. Nun schließt der Kolonial- warenladen nach über 55 Jahren seine Pforten. Foto: -EICH-

27.09.2017 - 11:37

Wormersdorf. Lang, lang ist es her, dass 1959 die Schwiegermutter der jetzigen Inhaberin, Katharina Hantrup den Kolonialwarenladen im Unterdorf von Wormersdorf eröffnete. Damals war das Warenangebot ländlich gehalten. Wichtig in dieser Zeit, ohne Großmärkte und Internet, waren natürlich Waren des täglichen Bedarfs. Dazu gehörten Haushaltswaren aller Art, Glas und Porzellan. Auch Eisenwaren, Schrauben und Handwerkszeug wurden in dieser Zeit angeboten. Vor allem in der Einmachzeit waren Einweckgläser und alles, was dazu gehört der Renner.

1964 heiratete der Sohn von Katharina Hantrup, Peter, seine Frau Elisabeth, die dann mit im elterlichen Haus einzog. Bereits von Anfang an half Elisabeth Hantrup im Haushalt und im Geschäft mit. 1970 wurde das Geschäft räumlich vergrößert durch einen Anbau. Am 1. Januar 1975 übergab die Schwiegermutter das Geschäft an ihre Schwiegertochter Elisabeth. Der Ehemann hatte eine Schmiede mit Bauschlosserei und war Wagen- und Hufschmied in der vierten Generation direkt am Haus, in dem sich auch das Geschäft befand.

Elisabeth hatte in den Jahren alles von der Schwiegermutter gelernt, Messen besucht und ist in das Geschäft hinein gewachsen. Das Sortiment wurde erweitert und Schulbedarf mit Schreibwaren wurden mit ins Angebot aufgenommen. Auch Saisonartikel, wie Schlitten oder Gartengeräte, Weihnachts- oder Osterartikel. Zum Jahreswechsel gab es Silvesterartikel und Feuerwerk. Lebensmittel wurden nie verkauft. Zu dieser Zeit wurde auch noch angeschrieben und die Kunden konnten am Ende des Monats bezahlen, wenn wieder die Haushaltkasse stimmte.

Wichtig für die kleinen und großen Kunden war der kleine Klön, der Austausch. „Im Laden war man auch manchmal Seelsorger, wo die Kunden ein manches Mal ihr Herz ausschütteten. Kinder haben mir bunte Bilder gemalt und Genesungswünsche geschickt und sind traurig, dass ich mit dem Laden aufhöre. Das ist einfach rührend“, berichtet Elisabeth Hantrup mit einer kleinen Träne im Auge.

Selbst Heiligabend hörte ihr Kundenservice nicht auf. Um neun Uhr abends klingelte noch ein Kunde, dessen Lichterkette kaputt war. Elisabeth half, und wünschte ein frohes Weihnachtsfest. Elisabeth nahm auch nach Karneval Bestellungen für Karnevalsbilder aus Wormersdorf für ein Fotogeschäft aus Rheinbach an.

Sie öffnete schon um 7.45 Uhr, damit die Kinder ihren Schulbedarf vor der Schule, die sich direkt neben dem Geschäft befand, besorgen konnten. Es gab immer eine Mittagspause von 13 bis 14.30 Uhr, aber auch dann kam es vor, dass Kunden, die etwas vergessen hatten, klingelten. Elisabeth war immer hilfsbereit und wenn etwas nicht vorrätig war, wurde es ganz kurzfristig besorgt.

Täglich räumte sie alle Ständer morgens raus und abends wieder rein. Und das waren viele. Zeitweise waren Aushilfskräfte beschäftigt, doch meistens war die alleine. Das waren neun Stunden jeden Tag, sechs Tage die Woche. Die Küche befand sich unmittelbar am Laden, damit sie auch mal schnell zwischendurch Hausarbeit erledigen konnte. Urlaub gab es erst später. Dann ging es in die Berge für zwei Wochen, wo sie sich mit ihrem Mann Peter entspannen konnte. „Das war unsere zweite Heimat“, schwärmt Elisabeth.

„Der Laden war meine Herzensangelegenheit und es steckt ganz viel Herzblut darin. Ich hatte immer ein offenes Ohr für die Ratsuchenden“, fügt sie hinzu.

Ihre Kinder haben immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitgeholfen. Das Ehepaar Hantrup hat drei Söhne und eine Tochter. Auch wenn die Mama krank wurde, war der Laden trotzdem auf. Einmal hatte Elisabeth sich den Fuß gebrochen, und das vor Weihnachten. Und alle halfen mit, obwohl die Kinder nicht mehr im Haus wohnten. Auch die Schmiede, gegründet 1835, wurde nach 68 Jahren, in denen Peter Hantrup selbst am Schmiedefeuer stand, und nach seinem sechzigsten Meisterjubiläum, 2013 aus Altersgründen aufgegeben.

Elisabeth, die 1940 geboren wurde, hat ihren Laden über zweiundvierzig Jahre selbst geführt. Elisabeth Hantrup schließt ihr Geschäft aus gesundheitlichen Gründen und wenn sie könnte, würde sie auch weiter machen. Dass jetzt Schluss ist, sieht sie mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Elisabeth will die Freizeit genießen und auch mit ihrem Mann reisen. Und das am liebsten in die geliebten Berge.

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Kommentare

Der Landrat brachte 500 Euro mit

Gudrun Kast :
Sehr schöner Bericht, liebe Monika Fuchs
Uwe Klasen:
Nun ja, abgesehen von den positiven Auswirkungen der Renaturierung des Bächelsbaches und den negativen Erfahrungen der Betroffenen, so kann der BUND vielleicht die Aussage ("eher mit einem Ja zu beantworten") mit Daten des Umweltbundesamtes (Monitoringbericht 2015) neu beurteilen, worin "es keine erkennbare Zunahme von Starkregen in Deutschland gebe; das Ergebnis gelte auch für den Sommer: "Die Zahl der Tage mit einer Niederschlagssumme von 20 Millimeter und mehr im Sommer ist seit 1951 nahezu unverändert geblieben". Und, lt. den Prognosen der Computermodelle zum (anthroprogonen) Klimawandel sollen ja die Sommer in Deutschland trockener werden. Wie immer, nichts genaues ist bekannt!
Kugelmann:
Demokratie lebt vom WANDEL! Macht zu lange ausgeübt, führt zu Selbstüberschätzung derer, die sie glauben zu haben. „Siegessicherheit macht nämlich leichtsinnig und TRÄGE!“ Von 49. 359 Wahlberechtigten wählten 37.653 (76,28%) den CDU-Kandidaten nicht! Das bedeutet, dass sich der neue OB in den kommenden Jahren auch wieder auf eine Mehrheit von Mitbürgern abstützen muss, die sich wenig für Kommunalpolitik interessiert sowie politisch anders orientiert ist. Das macht wie so oft deutlich, welchen Stellenwert das Amt und die Person für die Bürger Neuwieds mittlerweile (40,1 % Wahlbeteiligung) besitzen. Bei einer Wahlbeteiligung (Stichwahl) von nur noch 40,41 % wurden dann aus 11.706 Stimmen 59,56 % für ihn, was letztlich heißt, dass der zukünftige Oberbürgermeister sich auf eine ihn gewählte Minderheit/Wahlberechtigte abstützt, die in naher Zukunft auch wieder unter „Artenschutz“ gestellt wird. „Wer trägt denn nun die Verantwortung für dieses „Desinteresse? Zweifelsohne Politiker mit ihrem Auftreten und Verhalten selbst.“ Wenn die negativen Erfahrungen der Bürger beim direkten Kontakt mit Politikern und Staat überwiegen, formt sich ein Bild des Versagens, des Rückzugs und der Verärgerung. Dagegen muss die Politik vorgehen - durch das Handeln vor Ort. Insofern ist es richtig, Probleme zu benennen, die der Bürger wirklich hat. Noch besser ist es, diese auch lösen zu wollen – ohne Kompetenzgerangel. Deshalb muss es heute und zukünftig lauten „Mehr Staat wagen“. Nicht, um die Wirtschaft zu reglementieren oder die Bürger zu überwachen, sondern um dort besser zu funktionieren, wo es einen berechtigten Anspruch an den Staat gibt. Im Klartext: „Dort, wo der Bürger den Staat wirklich braucht. Das kostet Geld – für die Verwaltung, Lehrer, Polizisten, Schulgebäude, Krankenhäuser etc.. Aber es ist gut angelegtes Geld. Weil Vertrauen in den Staat auch Vertrauen in die Demokratie bedeutet. Und das sollte auf keinen Fall verloren gehen.“ „BEGEISTERN durch VORBILD!“ Dem neuen Oberbürgermeister sind viel Glück und Stehvermögen zu wünschen, auf das er nicht zu einem Getriebenen und Erfüllungsgehilfen einer siegestrunkenen CDU wird, die doch schon jahrelang mit den „Hufen“ gescharrt hatte.
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