„Forum Soziale Gerechtigkeit“ unterstützt „Ärzte ohne Grenzen“

Zur Stelle, wenn Krisen Leib und Leben gefährden

Kleinkunstbühne „Mons Tabor“ übergab Spendenscheck in Höhe von 1.680 Euro an die „Ärzte ohne Grenzen“ – Erlös einer Benefizaktion der „Musik in alten Dorfkirchen“

11.02.2018 - 09:00

Montabaur. Unabhängigkeit, Unparteilichkeit und Neutralität – diese drei Handlungsprinzipien stehen bei der humanitären Hilfe der „Ärzte ohne Grenzen“ an erster Stelle. Die Kleinkunstbühne „Mons Tabor“ unterstützt die Organisation mit dem Erlös der Reihe „Musik in alten Dorfkirchen“. 1.680 Euro konnten im Katholischen Klinikum Koblenz-Montabaur an die „Ärzte ohne Grenzen“ übergeben werden. Der Hausobere Werner Hohmann begrüßte die Teilnehmer des „Forums Soziale Gerechtigkeit“ sowie Redner und interessierte Bürger.

Dr. med. Christian Schamberg-Bahadori aus Mainz schilderte im Rahmen eines Informationsabends zu den „Ärzten ohne Grenzen“ die Professionalität des Hilfswerks am Beispiel der Hilfe nach dem Erdbeben in Haiti im vergangenen Januar, die er durch sein eigenes Mitwirken mitbekam. „Stellen sie sich das einmal vor Ihr geistiges Auge: Die Lebensmittelreste sind irgendwo untergebracht, die Geschäfte sind zu. Es gibt kein Wasser. Spätestens am zweiten Tag werden Sie relativ durstig.“ Nach etwa 72 Stunden seien die lokalen Hilfskräfte psychisch wie physisch am Ende gewesen.

Neben der medizinischen Hilfe und der Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln beinhaltet die Hilfe von „Ärzte ohne Grenzen“ auch, Menschen zu beschäftigen und zu bezahlen, damit sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Allein durch das Hilfsprojekt in Haiti sei über 300 Menschen Arbeit gegeben worden. Dies habe Menschen dort die Möglichkeit gegeben, als Einzelperson oder als Familie wieder auf die Beine zu kommen. „Das heißt, unsere Hilfe beinhaltet sehr viel mehr als die rein medizinische Arbeit!“

Immer wieder betonte Schamberg-Bahadori den hohen Grad der Professionalisierung der Hilfe, die Vielzahl der interagierenden Berufsgruppen und die Kooperation mit lokalen Kräften im Land. „Wir achten zum Beispiel auch darauf, dass wir nicht unbegrenzt mit kostenlosen Lebensmittellieferungen helfen, weil das langfristig die lokalen Bauern stört.“ Deshalb sei es auch ein wichtiges Ziel, die Zivilgesellschaft im Land wieder mit aufzubauen.


Humanismus als Motivation


Insgesamt an zwei Einsätzen, im Jemen und in Haiti, hat Schamberg-Bahadori bisher jeweils für drei Monate mitgearbeitet. Angeworben wurde er nach dem Europäischen Orthopädenkongress in Istanbul. „Da wurde einen halben Tag Orthopädie in Krisenregionen vorgestellt. Ich habe gesehen, wie professionell da gearbeitet wird. Ich sehe das auch für mich selbst als einen sehr spannenden Betätigungsbereich“, gibt Schamberg-Bahadori gegenüber BLICK aktuell auch über seine innere Motivation für die humanitäre Hilfe Auskunft. Der Humanismus sei ihm „nicht vollkommen wesensfremd“ gewesen, denn der gebürtige Berliner habe in Essen ein Humanistisches Gymnasium besucht. Dies habe ihn in dieser Hinsicht geprägt.

Wie geht er mit teilweise traumatisierenden Erfahrungen beim Hilfseinsatz um? Schamberg-Bahadori berichtete von seinem Einsatz in einem Krankenhaus im Jemen, das rund um die Uhr bewacht wurde und bei dem es verboten gewesen sei, dieses in der Freizeit irgendwann zu verlassen. Fenster seien sogar mit Metallplatten verhängt worden, damit Kranke und medizinische Helfer nicht von außen erschossen werden können. „Wir haben entsprechende Psychotrauma-Therapeuten dabei.“ Und es gebe psychotrauma-therapeutische Techniken, die er in einer entsprechenden Ausbildung gelernt habe und anwende. „Man weiß vorher relativ genau, worauf man sich einlässt. Die Vorbereitung ist gerade bei ‚Ärzte ohne Grenzen‘ sehr gut.“ Wichtig für alle beteiligten Berufsgruppen sei das Mindestmaß an zwei Jahren Berufserfahrung. „Man will nicht junge Kollegen, die noch keine Berufserfahrung haben. Das ist auch im Rahmen der Professionalisierung wichtig.“


Humanitäre Botschafter


Landtagspräsident Hendrik Hering zollte der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ und dem persönlichen Einsatz des referierenden Arztes hohen Respekt, den er auch durch einen Zuschuss von 300 Euro zum bereits erzielten Spendenerlös ausdrückte. Angesichts des wenige Tage zuvor begangenen alljährlichen Holocaust-Gedenkens könne die deutsche Gesellschaft froh sein, solche humanitären Botschafter wie die Ärzte ohne Grenzen haben. Dabei sei der Name „Ärzte ohne Grenzen“ wegweisend. „Wir leben in einer Welt“, plädierte Hering für den Abbau von Grenzen. „Durch Mauern kann man keine Probleme lösen!“


Großer Respekt


Uli Schmidt, Leiter der Kleinkunstbühne und Koordinator des mit einladenden „Forums Soziale Gerechtigkeit“, dankte dem gastgebenden Katholischen Klinikum für das hohe Vertrauen in die die an diesem Abend vorgestellte Arbeit. Im Gegensatz zu anderen Projekten brauche man so gut wie keine Überzeugungsarbeit zu leisten.

Der Hausobere des Katholischen Klinikums Koblenz-Montabaur Werner Hohmann betonte, dass trotz des zunehmend durchökonomisierten und wettbewerbgetriggerten Gesundheitssystems das „Engagement für Menschen, die Minderung von Schmerzen und der würdevolle Umgang mit Patienten und deren Angehörigen“ sowie die Begleitung in den Grenzsituationen des Lebens neben der Notwendigkeit des Geldverdienens sowohl der Wille des Stifters als auch handlungsmotivierend für die Mitarbeiter der Klinik sei. Dieses geschehe in einem wohlorganisierten System. Großen Respekt zolle er dem Einsatz der Ärzte ohne Grenzen, die „aus Nächstenliebe“ im wahrsten Sinne des Wortes hinaus „auf die stürmische See“ führen, „um dort zu helfen, wo sonst keine Hilfe hinkäme!“

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Kommentare
Christoph Wagner:
Gute Sache!
Andreas Nöthen:
Die ewig gestrigen dürfen nicht gewinnen. Die Aussage eines Dr. Fleischer der Marktplatz sei belebt genug ist dumm und hat mit städtischer Entwicklung nun gar nichts zu tun. Diese im Fernsehen von Fleischer geäußerte Meinung ist kontraproduktiv. Der Marktplatz kann nach meiner Meinung nicht belebt genug sein. Dies zum Wohle aller Bürger und so ist der "Fleischer Beitrag" mehr als nur zu vernachlässigen. Genau die Leute, die in anderen Städten die Ratsstuben bewundern wollen sie in Mayen nicht und lehnen Investoren ab um die sich jede andere Gemeinde wohl ein Bein ausreißen würde. Wer soll denn dies verstehen.
juergen mueller:
Ich finde es gut, dass es so etwas wie die AG-60-Plus gibt und damit ältere Menschen (wie auch meine Wenigkeit), die ihr politisches Interesse offen aufzeigen, auch wenn man einen Tagesordnungspunkt wie GroKo (mit berechtigten Bauchschmerzen) nur "abhaken" kann. Bauchschmerzen sind angesagt, wenn man sich den Koalitionsvertrag mit seinen über 170 Seiten einmal reingezogen hat, in dem das Wörtchen "SOLLEN" gleich hundertfach vorkommt, denn ... SOLLEN ... heisst NICHT WOLLEN, sondern nur, dass man beabsichtigt oder in Erwägung zieht, dass es so umgesetzt wird wie es "gesollt" wurde. Was letzten Endes für UNS dabei positiv herauskommt, dürfte nicht so wichtig gewesen sein, sondern nur, dass es zu einer Regierungsbildung und natürlich zu einer Verteilung lukrativer, politischer Posten gekommen ist. Letzten Endes ging es nur um ein Kämpfen gegen Verlust von Amt u. Mandat, von Posten, Diäten, Bezüge, von Macht, Anerkennung u. (vermeintlichem) Ansehen. Alles andere ist blauäugiges Denken.
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