Prof. Dr. Rainer Ningel sprach beim „Empfang der Wirtschaft 2018“ in Cochem

Ein Plädoyer für den ländlichen Raum

27.01.2018 - 09:00

Cochem. Rund 250 Gäste folgten in diesem Jahr der Einladung zum traditionellen Empfang der Wirtschaft. Arne Houben konnte neben der Staatsekretärin Heike Raab, MdL Anke Beilstein und Landrat Manfred Schnur auch wieder Repräsentanten aus Wirtschaft, Handel und Bürgerschaft begrüßen. Gesponsert von IHK, Kreishandwerkerschaft, den Volksbanken, Raiffeisenkassen, der Sparkasse Mittelmosel und nicht zuletzt dem Landkreis, treffen sich traditionell in „familiärer Atmosphäre“ Politiker, Wirtschaftsvertreter und Bürger, um auf das Wohl der Menschen in der Region anzustoßen. Das Wirtschaftsforum hat sich der „Förderung der Wirtschaft auf dem flachen Land“, so Arne Houben, verschrieben. Sein Appell zur Eröffnung der Veranstaltung: „Die jungen Leute dürfen nicht von hier abwandern, wir müssen eine positive wirtschaftliche Entwicklung im ländlichen Raum gemeinsam fördern“.

Landrat Manfred Schnur betonte in seinem Grußwort, dass der ländliche Raum laut positiver Prognosen „nur mit einer funktionierenden Wirtschaft“ eine Zukunft habe. Der Kreischef nannte dann entsprechende Anstrengungen, die der Landkreis Cochem-Zell unternehme, um das Leben im ländlichen Raum attraktiver zu machen. „Mit 10 Millionen Euro pro Jahr wird bei uns das Kindertagestätten - Angebot gefördert. Vier Millionen Euro fließen derzeit in das Schulkonzept und seit 2016 haben wir im Kreis ein flächendeckendes Breitbandnetz“, sagte Manfred Schnur stolz. Er nannte aber auch negative Tendenzen, denn der Fachkräftemangel im Tourismusbereich sei gravierend. „Wir verfügen hier beispielsweise über 46 Ausbildungsplätze, aber 37 sind derzeit nicht besetzt“, so der Landrat besorgt.

Im Laufe des Abends sprach dann Prof. Dr. Rainer Ningel als Gastredner zu den Gästen. Unter dem Thema „Das neue Interesse am ländlichen Raum – ein Thema auch für die Wirtschaft!?“ hielt der Eifelaner ein flammendes Plädoyer für den ländlichen Raum.

Der gebürtige Hambucher ist Sozialwissenschaftler und Prodekan der Hochschule Koblenz. Er konstatierte, dass im ländlichen Raum Beziehungen wichtig seien, vor allem in einer globalisierten Welt. Die Überschaubarkeit eines Dorfes mache seinen Reiz aus. „Jeder kennt hier jeden und das Gefühl von Heimat, das Gespräch mit Freunden und der Rückhalt der Familie sind wichtige Stützen im Leben“, erklärte Rainer Ningel. Die Renaissance des ländlichen Raumes müsse deshalb erstrebenswert und möglich sein. „In einem Dorf schlummern viele Kompetenzen, die es zu nutzen gilt, wenn alle mit anpacken.“

Der Wissenschaftler stellte fest, dass das flache Land eine attraktive Alternative zu den Metropolen sei, vorausgesetzt, er spiele seine Stärken richtig aus. Eine besondere Rolle haben dabei - so der Redner – die Dorfvereine. Am Beispiel der Dorfakademie Hambuch belegte Ningel diese These, denn seit 2004 nutzt die Eifelgemeinde diese Erkenntnis und bietet den Bürgern und der ganzen Region eindrucksvolle Beispiele für die Stärken und Fähigkeiten des ländlichen Raums.

Kultur und die bereichernden Einflüsse der Migration gelte es zu nutzen. Rainer Ningel erklärte aber auch, dass sich der ländliche Raum verändern müsse, um eine gute Zukunft zu haben. Dank moderner Technik ist Homeoffice und Telearbeit heute kein Problem mehr, dabei sei es aber wichtig, die Kultur der Region mit ihrer eigenen Sprache, Tradition und dem Können authentisch erfahrbar zu machen.

Wie also der ländliche Raum ein Comeback erleben und zu einer attraktiven und unverzichtbaren Alternative zu dem Leben in den Großstädten und Metropolen werden kann, von der möglicherweise auch die heimische Wirtschaft profitiert, wurde in dem mit viel Applaus bedachten Vortrag deutlich.

TT

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Kommentare
Christoph Wagner:
Gute Sache!
Andreas Nöthen:
Die ewig gestrigen dürfen nicht gewinnen. Die Aussage eines Dr. Fleischer der Marktplatz sei belebt genug ist dumm und hat mit städtischer Entwicklung nun gar nichts zu tun. Diese im Fernsehen von Fleischer geäußerte Meinung ist kontraproduktiv. Der Marktplatz kann nach meiner Meinung nicht belebt genug sein. Dies zum Wohle aller Bürger und so ist der "Fleischer Beitrag" mehr als nur zu vernachlässigen. Genau die Leute, die in anderen Städten die Ratsstuben bewundern wollen sie in Mayen nicht und lehnen Investoren ab um die sich jede andere Gemeinde wohl ein Bein ausreißen würde. Wer soll denn dies verstehen.
juergen mueller:
Ich finde es gut, dass es so etwas wie die AG-60-Plus gibt und damit ältere Menschen (wie auch meine Wenigkeit), die ihr politisches Interesse offen aufzeigen, auch wenn man einen Tagesordnungspunkt wie GroKo (mit berechtigten Bauchschmerzen) nur "abhaken" kann. Bauchschmerzen sind angesagt, wenn man sich den Koalitionsvertrag mit seinen über 170 Seiten einmal reingezogen hat, in dem das Wörtchen "SOLLEN" gleich hundertfach vorkommt, denn ... SOLLEN ... heisst NICHT WOLLEN, sondern nur, dass man beabsichtigt oder in Erwägung zieht, dass es so umgesetzt wird wie es "gesollt" wurde. Was letzten Endes für UNS dabei positiv herauskommt, dürfte nicht so wichtig gewesen sein, sondern nur, dass es zu einer Regierungsbildung und natürlich zu einer Verteilung lukrativer, politischer Posten gekommen ist. Letzten Endes ging es nur um ein Kämpfen gegen Verlust von Amt u. Mandat, von Posten, Diäten, Bezüge, von Macht, Anerkennung u. (vermeintlichem) Ansehen. Alles andere ist blauäugiges Denken.
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