Prozess um Brandstiftung in 19 Fällen fortgesetzt -

Julian E. mit widersprüchlichen Aussagen

Julian E. mit widersprüchlichen Aussagen

(V.l.) Die beiden Angeklagten mit ihren Verteidigern: Pascal F. mit Rechtsanwalt Michael Hürthund Julian E. mit Rechtsanwalt Prof. Dr. jur. Dirk Simon. Foto H. Hünerfeld

Koblenz/Region. Nachdem am 20.03.2017 eröffneten Verfahren gegen die beiden Brandstifter, Pascal F. und Julian E., aus der Pellenz wurde die Hauptverhandlung am 04. und 05. April in Koblenz fortgesetzt.

Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Frage, wer den Anstoß für den Beginn dieser Brandserie gab. Beide Täter, die sich aus Grundschulzeiten her kannten und befreundet waren, machten an diesem Tag widersprüchliche Aussagen. Während der 19-jährige Pascal F. seine polizeiliche Aussage auch vor Gericht wiederholte, wich der 20-jährige Julian E. doch gravierend von der ersten Aussage ab. „Sie haben sich in jeder Vernehmung weiter vom Feuer weggestellt“, diesen Satz hielt der Vorsitzende Richter Andreas Groß dem 20 jährigen vor, nachdem dieser sich selbst in einer passiven Rolle gesehen hat.

In der Nacht auf den 13. September habe der 19-Jährige ohne sein Wissen den ersten Strohballen bei Thür in Brand gesteckt. Der Gedanke von Pascal F. durch Verkauf von solchen Fotos Geld zu erhalten, hätte ihn letztendlich zum Komplizen werden lassen. Selbst von dem Linienbus, der am 26. September in der Laacher-See-Straße in Mendig ausbrannte, wollte er erst hinterher erfahren haben. Genauso auch in der Nacht danach, als fünf Autos in Weißenthurm von Pascal F. mit Grillanzünder angesteckt worden seien, will er erst später Kenntnis erlangt haben.

Auf die Frage des Richters, warum er seine Aussage der Selbstbelastung gegenüber der Polizei nun vor Gericht ändert, meinte Julian E.: „Ich habe es so erzählt, wie ich dachte, dass ich am einfachsten und schnellsten wieder rauskomme“. Weil ihm das letztlich nichts eingebracht hat, deshalb er sich deshalb nun an die Wahrheit halten.

Das Aussageverhalten von Pascal F. wirkte jedoch geradliniger. Er sprach auch vor Gericht von gemeinsam gefassten Tatvorsatz, allerdings konnte er nicht mehr sagen, wer wann und welchen Strohballen angezündet hat.

Auf die Frage nach der Idee mit dem Bus und den Autos sagte er nur, die Idee stamme nicht von ihm, er habe jedoch auch nicht widersprochen. „Es war immer interessant, dabei zu sein“, erklärte er und es sei darum gegangen, „Presseeinsätze zu bekommen.“ Auf Geld sei er nicht aus gewesen, jedoch spiegelte er seinem Komplizen laut dessen Aussage lukrative Verdienstmöglichkeit durch das Filmen und Fotografieren der selbst ausgelösten Feuerwehreinsätze vor.

Die von beiden ausgelegte Feuerspur beginnt am 13. September in Thür - zweimal brennen hier Strohballen - und führte über Wehr, Wassenach, Glees, Ober- und Niederdürenbach, Niederich, Birresdorf, Kruft, Kretz, Plaidt, Miesenheim, Andernach bis nach Mendig. Dort werden sie beschuldigt, am 26. September einen Linienbus in Brand gesetzt zu haben.

In Weißenthurm sollen sie danach ein Fahrzeug entflammt haben.

Aber auch auf der anderen Rheinseite trieben sie laut Anklage in Dinkelbach, Malberg, Neustadt (Wied) und in Niederbreitbach ihr Brandstifter-Unwesen. Für ihre Taten nahmen sie mehrere hundert Kilometer in Kauf, wobei sie anfangs die Strecke dem Auto von Julian E. nutzten, später das von Pascal F.

Der forensische Psychiaters

Dr. Thomas Meyer sagte aus

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Zeugenbefragung, die mit der Aussage des forensischen Psychiaters Dr. Thomas Meyer begann. Laut seiner Aussage passt das Klischeebild eines psychisch gestörten Pyromanen auf beide Straftäter nicht zu und sie seien daher als voll schuldfähig einzustufen. Seine weitere Ausführung war, dass „eine pyromanische Veranlagung oftmals mit Impulskontrollstörung, Intelligenzminderung und Alkohol- oder Drogensucht einhergehe. Von all dem könne bei den 19 und 20 Jahre alten Angeklagten aber nicht die Rede sein. Lediglich könnte man eine Reifeverzögerung bei beiden attestieren“. Dies unterstrich anschließend auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe in seinem Bericht und empfahl die Anwendung von Jugendstrafrecht.

Der als Zeuge geladene Leiter der gegründeten Sonderkommission der Mayener Kripo, Stefan Linder, erklärte, dass man schon davon ausgegangen ist, dass es sich hierbei nicht um Serientäter handelte, da diese eigentlich nicht so mobil und meistens Einzeltäter seien. Die rechtsrheinisch gelegten Brände habe man daher auch am Anfang nicht auf dem Schirm gehabt.

Was nun zur Überführung und Verhaftung der beiden geführt hat, war laut Linder die Kontrolle des Autos der Täter nach dem Fahrzeugbrand in Weißenthurm am 27. September, bei der Beamte der Polizei Andernach ihre Handys beschlagnahmten. Durch intensive Funkzellenabfrage konnte ihnen dann nachgewiesen werden, dass sie sich jeweils kurz vor Alarmierung in der Nähe aller 19 Tatorte aufgehalten haben. Außerdem konnte ihnen die Polizei belastende Sprachnachrichten und Chatverläufe vorlegen.

Aufgrund der starken Belastungsmaterialien klickten dann am Morgen des 30. Septembers gleichzeitig die Handschellen in Mendig sowie in einem benachbarten Ort.

Ein weiterer als Zeuge geladener Kripobeamter der ebenfalls beide Täter vernommen hat, sowie Stefan Linder berichteten, dass beide ohne langes Zögern auf der Dienststelle in Mayen die gemeinsame Begehung der Straftaten einräumten.

Nächster und wahrscheinlich letzter Verhandlungstag

ist der 12. April

Am abschließenden letzten Verhandlungstag am kommenden Mittwoch, wenn es zum Urteil kommt, erhofft sich der Vorsitzende Richter Andreas Groß Klarheit über die genaue Höhe des angerichteten Schadens.

Klar ist aber auch: Eine angemessene Entschädigung für die enorme Aufregung werden die geschädigten Landwirte sowie die Feuerwehrleute in der Region nicht erhalten. Durch diese Straftaten lagen die Nerven der Feuerwehrleute blank, weil auch noch mehrere Fehlalarme hinzukamen.