Ministerpräsidentin auf Sommertour in Waldorf

Malu Dreyer zeigte sich vomehrenamtlichen Engagement beeindruckt

Malu Dreyer zeigte sich vom
ehrenamtlichen Engagement beeindruckt

Das Engagement der Waldorfer für die im Ort lebenden Eritreer undSyrer hatte Ministerpräsidentin Malu Dreyer neugierig gemacht undschließlich ins Vinxtbachtal geführt, wo sie herzlich empfangen wurde. WER

Malu Dreyer zeigte sich vom
ehrenamtlichen Engagement beeindruckt

Ortsbürgermeister Hans Dieter Felten überreichteder Ministerpräsidentin neben einem guten„Streuobstler“ auch eine Ortschronik sowie je eine Ausgabeder vom Heimat- und Bürgerverein herausgegebenen Bücher.

Waldorf. Hoher Besuch hatte sich in der Ortsgemeinde Waldorf angesagt. Am ersten Tag ihrer diesjährigen Sommertour durch Rheinland-Pfalz besuchte Ministerpräsidentin Malu Dreyer den idyllischen Ort im Vinxtbachtal.

Pünktlich trafen die Fahrzeuge der Ministerpräsidentin und ihrer Mitarbeiter in Waldorf ein, wo neben Ortsbürgermeister Hans Dieter Felten auch Beigeordnete und Ratsmitglieder aus Waldorf, MdL Guido Ernst, Landrat Dr. Jürgen Pföhler, Bürgermeister Bernd Weidenbach, Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch aus Bad Breisig, Ortsbürgermeister Martin Braun aus Gönnersdorf, der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Leo Bell, sowie zahlreiche Waldorfer Vereinsvertreter und auch Bürgerinnen und Bürger Malu Dreyer herzlich willkommen hießen. „Ich freue mich sehr, dass Sie auf Ihrer Sommerreise durch Rheinland-Pfalz gleich am ersten Tag unser schönes Waldorf besuchen, um die Menschen kennenzulernen, die sich mit einem beispielhaften Engagement für die Integration und Unterstützung der dem Ort zugewiesenen Neubürger einbringen. Wir sind zwar nicht groß, doch die Waldorfer sind sehr aktiv“, erklärte der Ortsbürgermeister der Ministerpräsidentin beim Sektempfang. Malu Dreyer zeigte sich bürgernah und begrüßte ihrerseits viele der Anwesenden persönlich und schüttelte viele Hände. Beim anschließenden kurzen Dorfrundgang, den die an Multipler Sklerose erkrankte Ministerpräsidentin teilweise auf einem wendigen Elektromobil absolvierte, konnte sich Dreyer ein Bild von Waldorf machen. Vorbei an schmucken Höfen und einer riesigen Darth-Vader-Figur, einem Überbleibsel des letztjährigen Rosenmontagszugs, erreichte man als erstes Ziel den örtlichen Kindergarten mit dem neuen Anbau. Auch dem zum Kindergarten zählenden Spielplatz schenkte man Aufmerksamkeit, wobei Ortsbürgermeister Felten die geplanten Neuerungen erklärte. Der Ortsbürgermeister wies an dieser Stelle auf den Schaltschrank hin, in dem die DSL-Verbindung des Ortes untergebracht ist. Stolz erläuterte er, dass man nach langem Hin und Her es geschafft habe, das schnelle Internet in den Ort zu holen, „für das weder das Land noch die Bürger einen Cent bezahlen mussten“. „Dies ist die allerbeste Lösung“, zeigte sich die Landeschefin beeindruckt. Auch ließ sie sich die Arbeiten des ASV Waldorf bei der Vinxtbachunterhaltung erläutern und warf einen Blick in das ASV-Heim. Durch die Broosstraße ging es zurück in die Kleingasse, wo der Hofladen von Marion und Ralf Klemke nächste Anlaufstation war. Hier war Malu Dreyer vom großen Angebot überrascht. Gleich nebenan erläuterte man die Entstehung und den Bestand des Heimatmuseums Waldorf, in dem die Besucher die Geschichte des Ortes erfahren können. Schließlich begab man sich in die Hauptstraße, wo man bei den Waldorfer Neubürgern („unseren Jungs“, wie Ortsbürgermeister Felten sie liebevoll vorstellte) Halt machte. Die 13 Eritreer und vier Syrer begrüßten die Ministerpräsidentin herzlich und überreichten ihr je eine Sonnenblume. Gerne sammelte Malu Dreyer die „Neubürger“ um sich, um ein Erinnerungsfoto zu schießen, bevor es zurück zur Vinxtbachhalle ging. Beim folgenden Bürgerempfang nahm Felten die Gelegenheit wahr, der Ministerpräsidentin den Ort Waldorf und seine Bürger und Vereine mittels einer Powerpoint-Präsentation vorzustellen. Er erläuterte die nunmehr mindestens 1371-jährige Geschichte des Ortes sowie die Erfolge im Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“, wo Waldorf 1994 mit der Goldmedaille und 1995 mit der Silbermedaille ausgezeichnet wurde. 1996 fand eine große 1.350-Jahr-Feier statt. „Die Historie des Dorfes und seiner Menschen zeugt von einem Freiheitswillen und Gemeinschaftssinn, den sich die Waldorferinnen und Waldorfer bis in die heutige Zeit erhalten haben. Die in Waldorf lebenden Menschen waren stets freie Leute“, wusste Felten zu berichten. Auch die Bedeutung des Vinxtbachs als Grenzfluss und Sprachgrenze blieb nicht unerwähnt.

„Volltreffer gelandet“

Landrat Dr. Jürgen Pföhler hieß Dreyer auch im Namen des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Bernd Weidenbach willkommen und lobte das Engagement der Waldorfer. „Wenn Sie, liebe Frau Ministerpräsidentin, einen Ort gesucht haben, in dem das Ehrenamt, was ja ein Herzensanliegen von Ihnen und auch mir ist, eine so große Rolle spielt, dann haben Sie mit Waldorf einen Volltreffer gelandet. Die Vielzahl der regen Vereine zeugt davon, dass sich die Menschen hier für ihre Heimat engagieren“, erklärte der Landrat. „Hier wurde eine hervorragende Flüchtlingsarbeit geleistet. Es sind die Menschen, die hier anpacken und Vorzügliches leisten!“ Er dankte allen, die hier mithalfen, und überreichte der Ministerpräsidentin ein Weinpräsent sowie der Ortsgemeinde Waldorf „etwas Handfestes“. Sodann stellte Ortsbürgermeister Felten die örtlichen Vereine und Gruppierungen sowie deren Aktivitäten vor: Katholischer Junggesellenverein Waldorf 1738 e.V., VfR Waldorf 1920 e.V., Kirchenchor Waldorf, Karnevalsgesellschaft „Jeckige Globistere“ Waldorf, Möhnengesellschaft Waldorf, Naturschutzgemeinschaft Vinxtbachtal, Bürger- und Heimatverein Waldorf, Frauengemeinschaft Waldorf, Bolivienfreunde Waldorf, Freiwillige Feuerwehr Waldorf, Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Waldorf, Initiative Theater Total, Katholischer Seniorenkreis, Seniorenarbeitskreis, MS-Gruppe des Kreises Ahrweiler, Förderverein des Kindergartens Waldorf, Pfarrgemeinderat und Pfarrverwaltungsrat, Flüchtlingshilfe Waldorf e.V. Felten sah die Ortsgemeinde Waldorf für die Zukunft gut aufgestellt, wünschte sich aber auch künftig weitere finanzielle Unterstützung des Landes für weitere innovative Projekte, die er kurz umriss.

Dorfleben in Gänze erleben

„Ich freue mich, dass ich heute hier sein kann“, erklärte Dreyer. „Es ist ganz schön viel, was Sie hier ehrenamtlich leisten.“ Auf ihrer Sommerreise wolle sie alljährlich Orte in Rheinland-Pfalz besuchen, die Herausragendes leisten. Dabei möchte sie das Dorfleben in seiner Gänze erleben und ein besonderes Augenmerk auf das Ehrenamt legen. „Das Unterwegssein hilft, gute Politik zu machen und Rahmenbedingungen im ländlichen Raum zu schaffen“, bemerkte Dreyer. Auslöser für den Besuch von Waldorf sei der Brief der Ortsgemeinde mit den vielen Unterschriften für den Verbleib eines Mitbürgers aus Eritrea gewesen. „Dass eine ganze Dorfgemeinschaft sich hinter eine solche Resolution stellt, ist nicht alltäglich und hat mich neugierig gemacht. Was ist das für eine Gemeinde, die sich so vehement für das Verbleiben eines Flüchtlings einsetzt? Diese engagierten Bürgerinnen und Bürger wollte ich kennenlernen“, erklärte Dreyer. Sie machte den Waldorfern ein großes Kompliment für das Engagement, das schließlich von Erfolg gekrönt wurde. Die Härtefallkommission entschied schließlich am Ende im Sinne der Waldorfer für den Verbleib des Eritreers.

Die Flüchtlingsarbeit in der Ortsgemeinde habe ihr imponiert. „Besser kann Integration nicht gelingen“, lobte die Ministerpräsidentin das örtliche Engagement, bevor sie sich den Bürgern für aktuelle Fragen stellte und schließlich ein Imbiss den Besuch abrundete.