Gewerbeverein „Bad Ems Plus“ will sich neu ausrichten

Neu formieren, gemeinsame Positionen finden und Netzwerke bilden

Der Gewerbeverein sollte neue Mitglieder gewinnen und Vorteile einer Mitgliedschaft klar herausarbeiten

02.10.2017 - 15:34

Bad Ems. Der im Jahr 2012 (neu-)gegründete Gewerbeverein „Bad Ems Plus“ ist mit seinem dreiköpfigen Vorstand und etwa vierzig Mitgliedern eine sehr aktive, aber offensichtlich zu wenig attraktive Gemeinschaft. Viel zu wenige Unternehmen nutzen bisher die Vorteile, die mit einer Mitgliedschaft verbunden sind. Und das, obwohl sich der Verein mit zahlreichen Veranstaltungen wie verkaufsoffenen Sonntagen, Gewerbeschauen oder dem „Baargassenfest“ mit großer Konstanz für das Miteinander der Gewerbetreibenden positioniert. Mit dem zusätzlichen Eingehen von Kooperationen wie der mit der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft Rhein-Lahn, dem Stadt- und Touristikmarketing sowie der Verbandsgemeinde (VG) Bad Ems strebt der Gewerbeverein an, das Gewerbe in der VG zu unterstützen, die Stadt aufleben zu lassen und sie für Gäste gleichermaßen wie für die hier lebenden und arbeitenden Menschen attraktiver zu machen. Um seine Aktivitäten effizienter werden zu lassen, will sich der Verein neu ausrichten.

Dazu hat er die Hilfe der Lahnsteiner Unternehmensberatung „BBW GmbH“ angefordert. Sie soll einen Blick von außen auf die Organisation des Vereins und seine Aktivitäten werfen und ein Erfolg versprechendes Vorschlags-Konzept erarbeiten.


„Der Unternehmer ist gefordert, sich zu engagieren“


Bei einer Vortragsveranstaltung im Saal des Gasthauses „Alt Ems“ zeigte BBW-Prokurist Sebastian Müller vor rund vierzig Teilnehmern auf, was der Gewerbeverein tun sollte, um zukünftig mehr zu erreichen. Die Erste Kreisbeigeordnete Gisela Bertram versicherte in ihrem vorausgehenden Grußwort, der Kreis unterstütze den Gewerbeverein, wo er könne. Zugleich machte sie klar, dass Strukturpolitik ganz unten anfange. Es müsse gelingen, die Bereitschaft zu fördern, etwas zu unternehmen. Der Unternehmer sei gefordert, sich zu engagieren, finanzielle Risiken einzugehen und über einen Acht-Stunden-Tag hinaus zu arbeiten. „Wenn wir nicht ausbluten wollen im ländlichen Raum“ müssen mehr Arbeitsplätze geschaffen und damit der Zuzug von Menschen forciert werden. Aus eigener Erfahrung konnte sie versichern, Gewerbe zu treiben bringe nicht nur Probleme, sondern mache vor allem sehr viel Spaß. Um den Gewerbestandort Bad Ems zu beleben, riet IHK-Regionalgeschäftsführer Richard Hover den Gewerbetreibenden, sich zu formieren, gemeinsame Positionen zu finden und Netzwerke zu bilden. „Ist das mit einem Gewerbeverein zu schaffen oder hat sich das Modell ‚Gewerbeverein‘ womöglich überholt?“, fragte Sebastian Müller provokativ zu Beginn seines Vortrages. Anhand realer Beispiele zeigte er auf, wie aktuell das Thema nach wie vor ist. Auch 96 Prozent der Veranstaltungs-Teilnehmer erachteten einen Gewerbeverein in der VG Bad Ems für sinnvoll, wie es eine kleine, vom BBW in Quizform gestartete Umfrage ergeben hatte. In der Analyse der Ist-Situation für Bad Ems Plus wurde deutlich, dass sich der Verein im Bestreben um ein größtmögliches Leistungsangebot in zu vielen Themen verzettelt. Trotz aller Bemühungen sei die Resonanz der Gewerbetreibenden bei Veranstaltungen „relativ mau“. Begründungen dafür sammelte BBW anhand der im langfristigen Vorfeld mit Geschäftsleuten in der VG geführten Gespräche ein. Ihre Probleme würden nicht ernst genommen, alle Arbeit bliebe an wenigen hängen oder man könne doch sowieso nichts ändern, war da zu hören.


Beispiel eines erfolgreichen Gewerbevereins


Am Beispiel der 1.300 Unternehmer und 25.000 Einwohner zählenden Stadt Stutensee in der Region Karlsruhe zeigte Müller auf, warum die Arbeit des Gewerbevereins dort so erfolgreich ist. Ein vielköpfiger Vorstand, bei dem jedes Mitglied seinen festen Zuständigkeitsbereich hat, ist eines der Zauberwörter für den Erfolg. Ein verbreiterter Vorstand sowie die Einrichtung von Arbeitskreisen sei auch für „Bad Ems Plus“ unerlässlich. Ferner sollten regelmäßige Netzwerktreffen stattfinden, bei denen sich die Teilnehmer besser kennenlernen können und damit Lust bekommen, auch beruflich etwas miteinander zu machen. Die möglichen Zuständigkeitsbereiche pro Vorstandsmitglied sah Müller angesiedelt bei Marketing, Veranstaltungen, Organisation, (Neu-)Mitgliederbetreuung, Politik, Vereinen und Verbänden. In Vorgesprächen konnte BBW sieben Personen ausmachen, die sich spontan bereit erklärt hatten, sich als Vorstandsmitglied in einem der Bereiche zu engagieren.

Hinsichtlich der zu gründenden Arbeitsgruppen sei mit „Hotellerie/Gastronomie“ bereits ein Anfang gemacht. Auch Ideen zur thematischen Ausrichtung der Netzwerktreffen hatte Müller zur Hand. Betriebsbesichtigungen, Unternehmer-Frühstücke, Vorträge und Feste – da sei vieles denkbar. Für ein Netzwerktreffen in Form eines „Sommerfestes“ lieferte er gleich fünf Aktive, die es organisieren bzw. ausrichten wollten. Wichtig für den Verein sei es zudem, neue Mitglieder zu gewinnen. Dafür gelte es, die Vorteile einer Mitgliedschaft klar herauszuarbeiten und „rüberzubringen“. Zu ihnen zählt die Stärke des Vereins, aus der Gemeinschaft heraus Einfluss zu nehmen auf Entscheidungen in Stadt und VG. Als Mitglied von Bad Ems Plus erfahre man gegenseitige Unterstützung, habe mehr Möglichkeiten, das eigene Unternehmen besser zu präsentieren und trage zudem als Teil der Wirtschaftsförderung zur Attraktivität der Stadt bei. „Wir bringen’s zusammen“, der neue Slogan des Rhein-Lahn-Kreises, könnte demnach auch für den Gewerbeverein stehen. Mit entsprechendem Engagement der Gewerbetreibenden kann demnach viel erreicht werden für jeden einzelnen und den Wirtschaftsstandort. Für die Zeit der Neufindungsphase des Vereins will BBW aus dem erweiterten Vorstand heraus die Entwicklung unterstützend bis zum Ende des Jahres 2018 begleiten. Für den guten Ton rund um die Veranstaltung sorgte Patrizia Weber mit jazzig-souligen Liedbeiträgen. BSB

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Kommentare
Anita Wagner:
1. Street Food Festival in Remagen, was für eine Enttäuschung. Statt kulinarischer Vielfalt das ewig gleiche Einerlei von Kirmes-Fressbuden. Schade.
Bernardy Alain:
War letztes Jahr selber Praesent ,habe die 100 km absolviert und kann nur sagen absolut Klasse und ne super Organisation ,Strecke war gut markiert und fabelhafte Leute unterwegs kann nur sagen Top Frank und an alle deine Helfer die sich viel Muehe geben diesen Marsch reibungslos ueber die Buehne zu kriegen
juergen mueller:
Da wird sich jetzt festgebissen an der Causa Hofmann-Göttig. Das Vorgehen von Kurt Beck wird bezeichnet als der geltenden Rechtslage entsprechend, bei der es einen "weiten" Ermessensspielraum gebe. Wer macht es möglich - die Politik. Bei alldem scheint man zu vergessen, dass ein solcher Ermessensspielraum jedem offensteht, der politisch tätig ist, wie z.B. Stadtratsmitgliedern seiner Partei oder wie der der CDU, die auch ihre Ämter/Mandate als Aufsichtsrats- oder Vorstandsmitglieder in Gremien inne haben, davon profitieren u. nutzen ziehen. Wenn ich lese, dass die SPD-Stadtratsfraktion eines ihrer Mitglieder als Ehrenamtmann durch u. durch bezeichnet u. auszeichnet, dann frage ich mich, wie passt dessen Äusserung dazu:"Wenn ich meine Zeit schon opfere, will ich die auch bezahlt haben!" - u. sich damit selbst entlarvt hat. Jede politische Tätigkeit hat ihre Geschmäckle u. wer immer wieder auf sein angebliches soziales Engagement als Volksvertreter hinweist, der lügt.
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