Bürgerinitiative „WIR gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm“ ist besorgt

„Studie belegt: Lärm ist gefährlich!“

„Studie belegt: Lärm ist gefährlich!“

Die Mitglieder der Bürgerinitiative „WIR gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm e.V.“: Dr. Margarete Thilmann und Priv.-Doz. Dr. Christoph Thilmann bei der Erörterung der Forschungsergebnisse mit Prof. Münzel (Mitte). Foto: privat

17.03.2017 - 15:44

Weißenthurm. Immer mehr Anwohner in Weißenthurm beklagen sich darüber, dass Güterzugdurchfahrten in den vergangenen Nächten zunehmend im Minutentakt erfolgten. Dieser Güterzugverkehr soll nach der Eröffnung des Gotthardt-Tunnels am 1. Juni noch um mehr als 30 Prozent gesteigert werden. Nachdem der Tunnel am 11. Dezember 2016 den regulären Zugverkehr aufgenommen hat, erleben Anwohner nun schmerzhaft die ersten Auswirkungen durch eine bereits heute deutliche Zunahme des Güterzugverkehrs im Mittelrheintal – und es soll ja noch schlimmer kommen. Vor diesem Hintergrund ist es ein Skandal, dass bisher wissenschaftliche Ergebnisse der Lärmforschung vollständig von der Politik ignoriert wurden. Bereits 2010 fand Prof. Greiser in seiner Studie über die Bremer Bevölkerung Hinweise dafür, dass das Sterberisiko bei nächtlichem Bahnlärm und Straßenlärm ab 45 Dezibel signifikant ansteigt und dass der Effekt bei Schienenlärm stärker ausgeprägt zu sein scheint als bei Straßenlärm. Allerdings wurde die Lärmbelastung der untersuchten Bevölkerung anhand des kartografierten Lärms an der Fassade der behördlich gemeldeten Wohnung ermittelt. Daher gingen wichtige Ergebnisse im statistischen Grundrauschen verloren. Eine sichere Aussage, wie ausgeprägt das Sterberisiko bei welcher Lärmbelastung verändert wird, konnte jedoch noch nicht getroffen werden. Universitäts-Professor Dr. med. Thomas Münzel und sein Team von der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist aber nun ein entscheidender Durchbruch in der Lärmforschung gelungen. Erstmals konnte im Tierversuch wissenschaftlich nachweisen werden, dass Lärm zu mehr Stresshormonen, Gefäßschäden und langfristig zu mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass sogar Genveränderungen ausgelöst werden können. Die neue Lärmstudie erfolgte an rund 300 Mäusen. Die Tiere wurden an einem, an zwei oder an vier Tagen einem Fluglärm in Höhe von 85 Dezibel ausgesetzt. Die Bürgerinitiative „WIR gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm“ gibt zu bedenken, dass Bahnanwohner hier in Weißenthurm bei der Durchfahrt von Personenzügen ebenfalls einem Lärmpegel von circa 85 Dezibel und bei der Durchfahrt von Güterzügen sogar von über 100 Dezibel Tag und Nacht ausgesetzt sind. Erschreckend die daraus resultierende Erkenntnis von Professor Münzel: „Schon innerhalb eines Tages kommt es zu Gefäßfunktionsstörungen.“ Weiter führte er aus, dass bereits nach 24 Stunden Schutzfunktionen für die Zellwand geschädigt und schädliche Stoffe in den Zellen gespeichert seien.


Fluglärm ist auf einer Stufe mit starkem Rauchen anzusiedeln


Auf der Ebene der Zelle konnte die Bildung von sogenanntem oxidativem Stress nachgewiesen werden, einem wichtigen Auslöser für Bluthochdruck, der wiederum für jeden vierten Todesfall in Deutschland verantwortlich ist. Mehr noch: Schon nach einem Tag ändern tausende Gene ihre Steuerungsaktivitäten. Betroffen sind vor allem Stoffwechselwege, Blutgefäße, Stressresistenz sowie vermehrtes Zellsterben. Prof. Münzel betonte, dass die Mechanismen nahezu identisch mit den Schäden durch Herzrisikofaktoren seien. Damit stehe zumindest Fluglär

m als Risikofaktor auf einer Stufe mit starkem Rauchen, Diabetes und Bluthochdruck. Wie längst bekannt, ist Bahnlärm mindestens ebenso belastend für die Gesundheit, wie Fluglärm. Das Mainzer Team hat damit eine einzigartige tierexperimentelle Methode entwickelt, die auch andere Forscher weltweit dazu motivieren werde, das Thema Lärm anzugehen, so Prof. Münzel. An der Uni Mainz sollen nun Untersuchungen zu Straßenlärm und Bahnlärm wie im Rheintal folgen. Aber so viel ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt klar und zwingend erforderlich: Die Politik muss unverzüglich auf diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse reagieren, um der anhaltenden und massiven Gesundheitsgefährdung und Gesundheitsschädigung hunderttausender von Menschen, insbesondere durch Flug- und Bahnlärm, aber auch durch sonstigen Verkehrslärm, rasch Einhalt zu gebieten. Die Bürgerinitiative „WIR gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm e.V.“ wird den Fortgang der wissenschaftlichen Forschung verfolgen und entsprechende Forderungen an die Politiker auf Landes- und Bundesebene richten, um so einen Beitrag zum Schutze der Menschen und der Umwelt gegenüber dem insbesondere dramatisch zunehmenden Bahnlärm zu erreichen. Die sich daraus ergebenen kurzfristigen Forderungen lauten: Sofortiger Stopp der Zunahme des Güterzugaufkommens im Mittelrheintal; Geschwindigkeitsbegrenzung für Güterzüge bei Orts-/Bahnhof-Durchfahrten auf maximal 70 km/h; Nachtfahrverbot bei Ortsdurchfahrten für alle Züge, die in der Nacht mehr als 45 Dezibel Lärm verursachen; Langsamfahrgebot bei Ortsdurchfahrten für alle Züge, die am Tage mehr als 60 Dezibel Lärm verursachen.

„Bezogen auf die Artikel 1 und insbesondere Artikel 2 (2) des Grundgesetzes und hinsichtlich der aktuellen Ergebnisse der Lärmforschung sind dies keine überzogenen Forderungen, sondern längst erforderliche Maßnahmen zur Wahrung der körperlichen Unversehrtheit hunderttausender Menschen, deren Gesundheit, Lebensqualität und Lebenserwartung bereits heute massiv gefährdet sind“, sagt Dr. Christoph Thilmann, Arzt und Vorstandsmitglied der Weißenthurmer Bürgerinitiative und er fügt an: „Gesundheit, Leben und Menschenwürde sind die höchsten Güter unseres demokratischen und sozialen Rechtsstaates. Deren Schutz ist erste Verpflichtung aller staatlichen Organe. Hauptverantwortlich für die inzwischen hochdramatische Situation im Hinblick auf den unerträglichen und krankmachenden Bahnlärm ist die Bundesregierung als Eigentümerin der Deutschen Bahn. Rasches und konsequentes Handeln aller verantwortlichen und verantwortungsbewussten Politiker insbesondere auf Bundesebene zum Schutze der Bevölkerung vor Lärm, ist längst überfällig und heute mehr denn je gefordert.“

Pressemitteilung der

Bürgerinitiative „WIR

gegen Bahnlärm in der

VG Weißenthurm e.V.“

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Kommentare
Uwe Klasen:
Über 25.000 Windenergieanlagen drehen mittlerweile in Deutschland ihre Rotoren und trotzdem liefern diese, je nach "Ertragsjahr", nur zwischen 15% - 25% des benötigten Stroms. Und diesen auch nur Zufälig, keinesfalls nach Bedarf. Die "ertragreichen" Standorte sind längst zugebaut mit Windrädern, nun sollen, auf Druck der Lobbyisten, auch noch die letzten, möglichen, Standorte folgen. Dabei sind diese nur rentabel weil die durch die Förderung nach dem EEG erhalten! Arten- und Menschenschutz werden dazu ausgeblendet!
Daniel Faßbender:
Familien sind doch nicht die Zielgruppe dieses Bades. Das war es nie und wird es auch in Zukunft nicht sein. Kinder sind eher ein Ärgernis für das wirkliche Klientel. Früher waren es die Kurgäste, heute sind es salopp geschrieben, die überwiegend zahlungskräftigen Rentner und ein paar Hotelgäste aus dem Quellenhof. Welche Familie mit einem oder mehreren Kindern kann oder will sich denn den Eintritt überhaupt noch leisten? Der Tageseintritt für zwei Erwachsene mit zwei Kindern liegt bei fast 40 EUR. Für mich ein Grund da nicht hinzugehen.
Michael Daum:
Es ist wirklich unfassbar! Jetzt wo das bestellte Gutachten nicht das erhoffte Ergebnis zeigt, ist es plötzlich nicht aussagekräftig bzw. war nicht umfangreich genug. Da man sich ja offenbar so in die alternativlose Einschätzung verrannt hat, dass Bad Breisig ohne Therme nicht vorstellbar ist, fragt man sich doch, warum man dann Geld (ich meine mal etwas von 30.000€ gelesen zu haben) für ein Gutachten verschwendet. Offenbar sind nur Gutachten, die die eigene Weltsicht unterstützen, ordentliche Gutachten. Und wenn die Ergebnisse erst dann vorliegen, nachdem die Weichen für eine Sanierung schon gestellt sind, spricht das auch für sich. Eine merkwürdige Einstellung und sicherlich eine gute Erklärung für die vielen Probleme der Stadt. Wenn man auf die hohe Lebensqualität in der Stadt abstellt, so sollte man vielleicht auch mal darlegen, wie man diese auf lange Sicht zu finanzieren gedenkt. Leider ist die Enteignung der Bürger über immer höhere Steuern und Abgaben ja zu einfach.
Gudrun Freier:
Schön, dieser Bericht von dem großen Ereignis
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