Schlosstheater Neuwied: Steht die Existenz auf dem Spiel?

Wie wenig Geld braucht man für wie viel Kultur?

02.01.2017 - 08:55

Neuwied. Das Land will in den kommenden Jahren die Ausgaben für Kultur und ihre Förderung offensichtlich senken. Dies wird eventuell auch die Landesbühne in Neuwied treffen. Das bedeutet unter Umständen das „Aus“ für das Theater in der Deichstadt, denn bereits jetzt sind die zu Verfügung stehenden Mittel nicht gerade üppig bemessen. Und dennoch bietet das Theater seinem Publikum seit vielen Jahren ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm. Die hohe Zahl der Abonnenten und die große Zahl der Unterstützer sprechen eine eigene Sprache. Klassische und moderne Literatur, Musicals und Theaterwerkstatt, Ballett und Komödie – die Zuschauer danken es den Ensembles mit Applaus und ausverkauften Vorstellungen.


Eine Erfolgsgeschichte


Die Ursprünge des Theaters gehen zurück ins 18. Jahrhundert. Im Lauf seiner Geschichte entwickelte sich die Bühne zu einer überregional wichtigen und anerkannten Institution. Das in den 1970er Jahren renovierte und erweiterte Theater hat heute 273 Sitzplätze und steht seit 1979 unter der Leitung von Walter Ullrich. Viele bekannte Schauspieler begeisterten hier, wie Martin Semmelrogge (Rosenkrieg, Biedermann und die Brandstifter) Claus Wilke (Das Haus der Lady Alquist), Anouschka Renzi (Die Kameliendame) oder Peter Nüesch (Der eingebildete Kranke). Und wer erinnert sich nicht an die furiose Aufführung des Musicals „Hair“ der Theatergruppe „Chamäleon“ im Herbst 2016? Ob große Literatur wie Dürrenmatts „Physiker“ oder lustige Unterhaltung, Drama, Krimi oder Komödie - im Schlosstheater Neuwied wird Kultur gemacht.

Zusätzlich hat das Kinder- und Jugendtheater seinen festen Platz. Auch das seit einigen Jahren hinzugekommene Studioprogramm in den Räumen der Werkstätten hat sich erfolgreich etabliert. Im Stammhaus werden in jeder Spielzeit über 200 Vorstellungen gegeben. Dabei erreicht die Bühne eine durchschnittliche Platzauslastung von fast 95 Prozent. Neben den Vorstellungen im Schlosstheater selbst verkauft die Bühne pro Spielzeit ca. 200 Gastspiele, zum Teil weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus. Etabliert hat sich seit mehreren Spielzeiten als sehr populäre Aufführungsserie am Originalschauplatz die Inszenierung „Die Brücke“ nach dem Roman „Die Brücke von Remagen“.


Politiker nehmen Stellung


Die SPD-Fraktion im Neuwieder Stadtrat fordert in ihrer Presseerklärung, die Landesbühne Rheinland-Pfalz als Kulturträger zu erhalten. : „Mit Bestürzung hat die SPD-Fraktion im Neuwieder Stadtrat eine Pressemitteilung zur Kenntnis genommen, die über die Absichten des rheinland-pfälzischen Kultusministeriums betreffend möglicher Kürzungen der Zuschüsse für die Landesbühne Rheinland-Pfalz berichtet hat. Schon im Theaterrat der Stadt war diese Absicht mit Bestürzung aufgenommen worden. .“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Sven Lefkowitz erklärt hierzu: „Die Landesbühne Rheinland-Pfalz im Neuwieder Schlosstheater ist ein elementarer Bestandteil unseres Kulturangebotes. Daher werden wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln für den Erhalt der Landesbühne einsetzen.“ Immerhin könne das Neuwieder Haus unter seinem Intendanten Walter Ullrich auf eine beispiellose Erfolgsgeschichte zurückblicken. „Dem Neuwieder Traditionshaus steht ein Paradigmenwechsel bevor. Im kommenden Jahr gilt es, einen neuen Intendanten zu finden. Walter Ullrich hat angekündigt, diese Verpflichtung 2019 abzugeben.“ Dass in diesem Zusammenhang auch über eine Strukturänderung des Theaters gesprochen werde, sei durchaus verständlich. „Das darf aber nicht die Zukunft der Landesbühne in Frage stellen“, sagt Lefkowitz. „Daher werden wir Oberbürgermeister Nikolaus Roth und die Beteiligten auf der Seite der Landesbühne in ihrem Bemühen um den Theaterstandort Neuwied voll und ganz unterstützen und sachlich auf das gemeinsame Ziel hinarbeiten.“

Fraktionsgeschäftsführer und Mitglied des Kulturrates Pascal Badziong erklärte hierzu in einer Pressemitteilung: „Das Schlosstheater erhält den geringsten Pro-Kopf-Zuschuss in der Republik. Unser Schlosstheater erfreut sich nicht nur in Neuwied großer Beliebtheit. Die Abonnenten reichen bis weit in die Region des Westerwaldes sowie Mayen-Koblenz und tragen damit auch den Ruf des Landes als Kulturland weit hinaus. Damit dies so bleibt, muss sich aber auch das Land Rheinland-Pfalz über seine Verantwortung bewusst sein.“

„Wir haben in der Vergangenheit die Landesbühne durch schwierige Fahrwasser manövriert, aber weiteres Einsparungspotenzial ist im Schlosstheater Neuwied, welches mit äußerst geringen Mitteln ein erstklassiges Angebot präsentiert, einfach nicht vorhanden“, erklärt das langjährige Mitglied des Theaterrates, Lothar Heß, „Intendant Walter Ullrich hat zusammen mit Geschäftsführer Dr. Christoph Beck dazu beigetragen, dass die Landesbühne im Schlosstheater mit diesem exzellenten Ruf glänzen kann“ Lothar Heß und Pascal Badziong hätten sich eine frühere und transparentere Information seitens des Kulturministeriums gewünscht. „Über Kürzungen für das Jahr 2017 zu verhandeln, wenn der Spielplan im Theaterrat beschlossen und Verträge mit Künstlern geschlossen sind, ist mehr als schlechter Stil“, betont Pascal Badziong. Die Pläne des Kulturministeriums, die Landesbühne Rheinland-Pfalz zu einer „Filiale“ des Stadttheaters Koblenz zu degradieren seien nach Meinung der CDU-Fraktion keine Alternative. „Natürlich können die Verantwortlichen in Mainz über Strukturänderungen nachdenken, aber der Publikumswillen zeigt ganz klar, dass Gäste aufgrund der konservativen Ausrichtung ganz gezielt ein Abo in Neuwied wählen und eben nicht nach Koblenz fahren wollen“, bemerkt Pascal Badziong. Die CDU-Stadtratsfraktion wird sich vehement für den Erhalt der Landesbühne im Schlosstheater Neuwied einsetzen und sagt allen Verantwortlichen ihre Unterstützung zu. „Ich erwarte von unserem OB, dass er seine vornehme Zurückhaltung aufgibt und in Mainz Tacheles redet. „Wir brauchen für unser Theater Klarheit und Planungssicherheit und werden uns mit allen Mitteln gegen einen weiteren „Kahlschlag“ der Landesregierung in unserer Region zur Wehr setzen“, zeigt sich Martin Hahn entschlossen.

Die angekündigten finanziellen Kürzungen der Fördermittel für das Neuwieder Schlosstheater durch das SPD geführte Kulturministerium kritisiert auch Landtagsabgeordnete Ellen Demuth scharf. Im Entwurf des Doppelhaushaltes des Landes für die kommenden beiden Jahre ist eine Kürzung der Mittel um 100.000 Euro vorgesehen. Damit könnte das Theater nicht mehr eigenständig existieren. „Das Verhalten des SPD geführten Kultusministeriums ist verantwortungslos! Die kommende Spielzeit ist bereits komplett geplant. Dem Theater in letzter Minute wichtige Fördermittel zu streichen, ist unfair und zeigt, welchen geringen Stellenwert kleine Kulturbühnen offensichtlich für den Kultusminister und seinen Staatssekretär haben.“ .-he-

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Kommentare
04.01.2017 22:19 Uhr
Ingo Dahn schrieb:

Kürzungen sind immer unangenehm und eine Herausforderung. Dagegen zu sein erfordert aber mehr Informationen als der Beitrag preisgibt. Wie viel ist 50.000€ für das Schloßtheater? Wie viel Prozent seines Haushalts und seiner Förderung durch öffentliche Gelder macht das aus? Und wofür wird das Geld stattdessen ausgegeben? Wie viele Zuschauer betrifft das genau?
Dass das Schlosstheater den "geringsten Pro-Kopf-Zuschuss der Republik" erhält darf bezweifelt werden - immerhin ist alleine die zu kürzende Summe das 10-fache dessen, was alle freien künstlerischen Vereine der Stadt Neuwied - darunter auch Theater - zusammen 2016 von der Stadt erhalten.
Aber vielleicht ist das ja ein Missverständnis? Dann bietet die aktuelle öffentliche Video-Diskussion "Wieviel Geld - für welche Kultur?" der NR-DenkArt-Nutzergruppe im Offenen Kanal Neuwied eine zeitgemäße Möglichkeit, korrekt und umfassend zu informieren.
Infos gibt es unter http://okneuwied.de/aktuelles/nr-denkart-geld



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schneeifler:
Nicht richtig ! verlorenes Benzin in Verbindung mit Raserei löste Massenkarambolage aus ! Es wäre mir ja egal wenn die Raserei nur auf der Nordschleife stattfinden würde. Aber die Zufahrtstraßen und letzte Woche sogar die Innenstadt von Adenau werden zu Ersatzrennstrecken auserkoren. Insbesondere auf der Anreise und Abends wenn die Nordschleife geschlossen hat ! Die Polizei tut so oder ist tatsächlich hilflos- Kontrollen wenn überhaupt - nur Montagsmorgens bei den Pendlern ! Am Wochenende ist Feuer frei um und auf dem Ring ! Das spricht sich natürlich bei den Rasern rund ....
Hermann-Josef Andres:
Mit besonderem Interesse habe ich den Artikel über den Bewerber Peter Michels für das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Cochem gelesen. Als Mitarbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung Cochem-Land/Cochem mit 37-jähriger Berufserfahrung und Betriebszugehörigkeit, überwiegend in leitender Funktion, sowie als langjähriges Mitglied der Personalvertretung und aktueller Personalratsvorsitzender bin ich doch mehr als verwundert über diesen Artikel. Peter Michels ist in der Verwaltung durchaus als versierter Redner (umgangssprachlich: Schwätzer), jedoch nicht unbedingt als „Macher“ bekannt. Dies überlässt er wohl gerne anderen. Auch für seine Ideen, die in dem Artikel angeführt werden, möchte er jeweils zusätzliches Personal einstellen. Ich stelle mir dabei natürlich die Frage, was er eigentlich selbst arbeiten möchte, oder ob sich seine Arbeit auf die Organisation von „Weinveranstaltungen“ begrenzt. Dies würde dann aber auch seinem Auftreten in den letzten Jahren entsprechen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er zwar seit 2008 bei Kommunalverwaltungen beschäftigt ist, jedoch weder eine Verwaltungsausbildung hat und über elementare Verwaltungskenntnisse verfügt. Was die Haltung zu Bädern und Grundschulen betrifft, vollzieht er hier eine elegante 180° Wendung. Hieß es bis vor kurzem noch „weg mit der Kleinstaaterei und den kleinen Einrichtungen“ (das galt für Schulen und Bäder gleichermaßen) möchte er nun als Retter der kleinen Grundschulen auftreten und Vorreiter für den Weiterbestand der Bäder sein. Wegen seiner teilweise mehr als grenzwertigen Äußerungen über Kolleginnen und Kollegen während seiner Dienstzeit bei der VGV Cochem, bin ich davon überzeugt, dass er bei der weit überwiegende Mehrzahl des Personals weder Zustimmung oder gar Unterstützung finden wird. Für die Leitung einer Einrichtung mit insgesamt rd. 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf den verschiedensten Ebenen (es gibt nicht nur den Tourismus) halte ich ihn sowohl fachlich als auch in der Frage der Personalführung für nicht geeignet. Vielleicht hätte es auch in der Überschrift besser geheißen: „Lasst mich nur reden (schwätzen), ihr macht das schon“.
Toni Göbel:
Bm-Kandidat Michels, der sich als Macher bezeichnet, war nicht der Ideengeber für die Wohn-Pflegegemeinschaft in Greimersburg. Ideengeber für dieses lobenswerte Projekt war der Greimersburger Alt-Ortsbürgermeister Paul Lauxen. Auch an der tollen Breitband-Initiative im Kreis Cochem-Zell hatte er in der Funktion als „Leiter der Kommunikation“ ebenso wenig maßgeblichen Anteil wie in der kurzen Zeit als Wirtschaftsförderer der fusionierten Verbandsgemeinde an der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in vielen Ortsgemeinden der VG Cochem. Macher waren auch hier in erster Linie andere. Bei der Wirtschaftsförderung ist hier an vorderster Stelle der bis zu der Fusion hierfür zuständige langjährige Mitarbeiter der VGV Cochem zu benennen, der bereits vor der Fusion viele Projekte in den Ortsgemeinden mit angestoßen hat und der mit seinen Ideen und seinem herausragenden Engagement als Macher maßgeblichen Anteil an der positiven Entwicklung in vielen Ortsgemeinden hatte.
Melanie :
ja da hast Du echt Recht Elke,denen passiert nichts!!! die dürfen doch in unserm Land machen was Sie wollen!!!Das macht mich echt wütend!!! Wir müssen in unserem eigenen Land Angst um uns und unsere Kinder haben! Mein Gott,wo sind wir nur hin gekommen!!!! Armes Deutschland!!!!
Nico Di Mascio:
Nein leider eine Stunde nach der Festnahme. Und wenn überhaupt!
Elke Kurth:
Die Frage ist, was passiert mit den Tätern, wenn sie verhaftet werden? Laufen sie bereits am nächsten Tag breit grinsend durch die Fußgängerzone? Leider haben diese Menschen vollkommene Narrenfreiheit in Deutschland.
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