Lokalpolitiker des Unteren Mittelrheintals sind sich einig

Zusammenarbeit ist das Gebot der Stunde

Hanspeter Faas diskutierte als Gast mit über die geplanten Maßnahmen

Zusammenarbeit ist das Gebot der Stunde

Kommunalpolitiker der Rheinschiene trafen sich in Bad Hönningen, um über die Zukunft ihrer Region zu beraten. Foto: FA

15.02.2017 - 08:30

Region. Die Lokalpolitiker des „Unteren Mittelrheintals“ wollen nicht untätig zusehen, wie eventuelle Förderungen mit Bundes- und Landesmitteln nur an den „Oberen Mittelrhein“ fließen, jenes Teilstück zwischen Loreley und Koblenz. Landrat Rainer Kaul, Bürgermeister, Touristik- und Wirtschaftsmanager im Bereich Koblenz bis Landesgrenze NRW haben sich nun zum dritten Mal getroffen, um für die eigene Region den Fortschritt zu sichern. Aufgeschreckt von den intensiven Bemühungen der Touristiker am „Oberen Mittelrhein“, auf dem Boden des ihnen neu zugestandenen „Weltkulturerbes“ nun auch die nächste Bundesgartenschau „an Land zu ziehen“, gab der Bad Breisiger MdL Guido Ernst im vergangenen Sommer den Anstoß, die Lokalpolitiker der Kreise Ahrweiler, Mayen - Koblenz und Neuwied an einen Tisch zu bringen, um Pläne zu entwickeln, damit die hiesige Rhein - Region nicht „abgehängt“ wird. Er fand in den ohnehin quer über den Rhein verbundenen Bürgermeistern Bernd Weidenbach (Bad Breisig) und Michael Mahlert (Bad Hönningen) offene Ohren, und beide wurden zu Motoren einer Zusammenarbeit unter den Kollegen. Die Gleichgesinnten unter den Lokalpolitikern der Region trafen sich erstmals im vergangenen September. Ihnen wurde damals von Jeanette Dornbusch, der Leiterin der Organisation „Romantischer Rhein“ gnadenlos aufgezeigt, wo die Defizite der Region nördlich von Koblenz liegen: „Im Gegensatz zu denen am oberen Mittelrhein haben die Kommunen hier nicht einmal eine gemeinschaftliche Interessenvertretung. Die südlichen Nachbarn können mit ihrem längst bestehenden ‚Zweckverband‘ manches besser regeln!“ Das hatte man inzwischen selbst erkannt, wohl wissend, dass auf den Zug „Bundesgartenschau“ nur noch schwer aufzuspringen wäre, wenn er denn zwischen Loreley und Koblenz wirklich Station macht. Beim zweiten Treffen der Politiker, das im November 2016 in Bad Hönningen stattfand, musste man gestehen: Wenn tatsächlich die BUGA 2031 nach dem „Oberen Mittelrhein“ vergeben wird, ist es jetzt schon zu spät, dabei mitzumischen. Erkenntnis: „Das bedeutet aber, dass wir in unserer Region umso dringender unsere Qualitäten vertreten müssen.“ Begleitende Aktionen zur BUGA wurden diskutiert, dazu überlegt, wie man die Vorteile der eigenen Region in den Vordergrund rücken kann. „Wir haben einen Geysir, einen Limes, Heilbäder mit vulkanischen Quellen, einen Vulkan -Express, ein Arp - Museum, ein romantisches Ahrtal, ein Siebengebirge vor der Tür. Wir können mit unsern Schätzen wuchern!“ Bei aller

Übereinstimmung wurde jedoch im November die Gründung eines im Entwurf schon vorliegenden eigenen Zweckverbandes noch einmal zurückgestellt, um im kleinen Kreis allen Dingen auf den Grund zu gehen und vorhersehbare Pannen zu vermeiden. Jetzt traf man sich in Bad Hönningen ein drittes Mal. Mit dabei waren der Landrat des Kreises Neuwied, Rainer Kaul, Bürgermeister der VG Linz Hans - Günter Fischer, dere Erste Beigeordnete der VG Unkel Dr. Heinz Schmitz, Wirtschaftsförderer Werner Prümm (Wirtschaftsförderer der Stadt Bendorf), Jan Einig (Bürgermeister der Stadt Neuwied), Claus Peitz (Bürgermreister der Stadt Andernach), Wolfgang Kroeger (Bürgermeister der Stadt Sinzig), Herbert Georgi (Bürgermeister der StadtRemagen), Bernd Weidenbach (Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Breisig), Georg Hollmann (Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weißenthurm), Michael Mahlert (Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Hönningen) und Detlef Odenkirchen (Wirtschaftsförderer der Verbandsgemeinde Bad Hönningen), sowie die Bundestagsabgeordneten Mechthild Heil und Erwin Rüddel, die Landtagsabgeordneten Guido Ernst, Hedi Thelen und Josef Dötsch.

Nachdem Moderator Bernd Weidenbach und Gastgeber Michael Mahlert das Treffen eröffnet und das Vorangegangene kurz rekapituliert hatten, fand ein besonderer Gast das volle Interesse des Auditoriums: Hans-Peter Faas, der Organisator vieler Großveranstaltungen, zur Zeit Gestalter der bevorstehenden Bundesgartenschau in Heilbronn. Er imponierte mit viel Kenntnis und klarer Meinung. Er ist noch nicht sicher, ob es 2031 wirklich eine BUGA im „Oberen Mittelrheintal“ gibt (sie ist noch im Bewerbungs-Stadium). „Wenn die Bewerber den Zuschlag bekommen, gehen sie ein wunderbares Experiment ein.“ Faas rät dringend, für die nördliche Region ein „unabhängiges Format“ zu entwickeln. Zu beachten sei die dauernde Veränderung durch neue Entwicklung der Digitalisierung. „Was heute noch neu ist, ist morgen schon alt.“ Interessant seien die Gebiete Kunst, Kultur, Architektur. „Jedes Format braucht aber eine Idee und Leute, die sie verwirklichen.“ Mahnung des Fachreferenten: „Tourismus ist wichtig. Aber: Messen Sie den Erfolg Ihrer Region nicht allein an den Besucherzahlen. Viel wichtiger ist die Änderung der Struktur.

Anreize bieten – nicht nur, die Region zu besuchen, sondern hierzubleiben. Was die BUGA angeht: Wichtig sind die Jahre vor und nach einer solchen Großveranstaltung – und daran kann die Nachbarregion durchaus profitieren!“ Georg Hollmann wies auf ungelöste Probleme hin: Zum Beispiel macht ihm – und auch der gegenüber liegenden Stadt Neuwied - der Bahnlärm viel zu schaffen. Der behindere auch den Tourismus und schädige die Wohnqualität. Hans-Günter Fischer ist durchaus für die Schaffung einer gemeinsamen Organisation. Man müsse sich aber vorher über die Inhalte klar werden. Er wies auf das Phänomen hin, dass viele Leute aus der Großstadt gern in die Kleinstädte ziehen. „Dafür haben wir zu liefern, wichtig z.B. der Gesundheitsbereich, die Mobilität. MdL Hedi Thelen plädiert noch einmal gegen das Anhängen an eine evtl. BUGA, aber für ein eigenes Format. Sie hat schon Verbindungen geknüpft zu geeigneten Gutachtern, die der Region den Weg in die Zukunft weisen könnten. „Aber die kosten Geld – und aus welchem Fond soll das kommen?“ Da sind wir beim Thema: Gründung einer Organisation ja, aber wie – auch angesichts aufzubringender Kosten. Bernd Weidenbach: „Beginnen wir mit dem Ei oder mit der Henne? Sprechen wir zuerst über die Kosten, dann über die Organisation, oder umgekehrt?“ MdL Josef Dötsch ist selbstbewusst: „Wir hier im Norden vom Rheinland sind sogar die Stärkeren. Das Format, das wir suchen, muss die Potenz entwickeln, Wichtiges zu schaffen. Also gehen wir den Weg zu einer gemeinsamen Organisation.“ Dr. Heinz Schmitz wies auf einen Vorteil der Orte im nördlichen Rheinland –Pfalz hin: „Sie glauben nicht, wie gern die Famlien aus Düsseldorf, Krefeld und Dortmund nach hier ziehen: Die Gebührenfreiheit in KITAS und Schule – wir haben attraktive Wohnorte!“ Georg Hollmann mahnt: „Wir müssen einen Weg zu einem für uns alle passenden Format finden. Ein klares Konzept muss her.“ Berater Faas rät: „Schaffen Sie klare Spielregeln für eine Organisation – dann wird sie auch gehört!“

Nach zweieinhalb Stunden ernsthafter Diskussion wurde das Vordenker-Team um Bernd Weidenbach und Michael Mahlert beauftragt, sich nunmehr in kleinem Kreis Gedanken zu machen, wie eine auf Dauer ausgerichtete Organisation im „Unteren Mittelrheintal“ aussehen und genannt werden könnte. Man hofft, dann im nächsten Anlauf zu einer schriftlich vereinbarten Zusammenarbeit zu kommen, die Weichen für die Zukunft stellt. Das nächste Treffen soll wieder in Bad Breisig stattfinden. Der Termin steht noch nicht fest. FA

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Kommentare
Uwe Klasen:
Über 25.000 Windenergieanlagen drehen mittlerweile in Deutschland ihre Rotoren und trotzdem liefern diese, je nach "Ertragsjahr", nur zwischen 15% - 25% des benötigten Stroms. Und diesen auch nur Zufälig, keinesfalls nach Bedarf. Die "ertragreichen" Standorte sind längst zugebaut mit Windrädern, nun sollen, auf Druck der Lobbyisten, auch noch die letzten, möglichen, Standorte folgen. Dabei sind diese nur rentabel weil die durch die Förderung nach dem EEG erhalten! Arten- und Menschenschutz werden dazu ausgeblendet!
Daniel Faßbender:
Familien sind doch nicht die Zielgruppe dieses Bades. Das war es nie und wird es auch in Zukunft nicht sein. Kinder sind eher ein Ärgernis für das wirkliche Klientel. Früher waren es die Kurgäste, heute sind es salopp geschrieben, die überwiegend zahlungskräftigen Rentner und ein paar Hotelgäste aus dem Quellenhof. Welche Familie mit einem oder mehreren Kindern kann oder will sich denn den Eintritt überhaupt noch leisten? Der Tageseintritt für zwei Erwachsene mit zwei Kindern liegt bei fast 40 EUR. Für mich ein Grund da nicht hinzugehen.
Michael Daum:
Es ist wirklich unfassbar! Jetzt wo das bestellte Gutachten nicht das erhoffte Ergebnis zeigt, ist es plötzlich nicht aussagekräftig bzw. war nicht umfangreich genug. Da man sich ja offenbar so in die alternativlose Einschätzung verrannt hat, dass Bad Breisig ohne Therme nicht vorstellbar ist, fragt man sich doch, warum man dann Geld (ich meine mal etwas von 30.000€ gelesen zu haben) für ein Gutachten verschwendet. Offenbar sind nur Gutachten, die die eigene Weltsicht unterstützen, ordentliche Gutachten. Und wenn die Ergebnisse erst dann vorliegen, nachdem die Weichen für eine Sanierung schon gestellt sind, spricht das auch für sich. Eine merkwürdige Einstellung und sicherlich eine gute Erklärung für die vielen Probleme der Stadt. Wenn man auf die hohe Lebensqualität in der Stadt abstellt, so sollte man vielleicht auch mal darlegen, wie man diese auf lange Sicht zu finanzieren gedenkt. Leider ist die Enteignung der Bürger über immer höhere Steuern und Abgaben ja zu einfach.
Gudrun Freier:
Schön, dieser Bericht von dem großen Ereignis
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