Von Null auf Ironman in zwölf Monaten

Max Stubbe (23) tritt zum ersten, Pit Stubbe zum letzten Mal beim kräftezehrenden Wettkampf an

01.08.2017 - 09:57

Urbar. Max Stubbe war acht Jahre alt, als er das erste Mal an der Hand seines Vaters bei dessen erstem Ironman in Roth ins Ziel lief. Nun, 15 Jahre später, sollte sich der Kreis schließen…

Die Sportbegeisterung hat Max wohl von seinem Vater geerbt und so war es nicht ungewöhnlich, dass sie im Juli 2016 denn Langdistanztriathlon in Roth als Zuschauer verfolgten, wollten sie sich doch am darauffolgenden Tag für 2017 als Staffel anmelden. Doch am Wettkampftag im Stadion mit dem Zielbereich und all den Emotionen der einlaufenden Sportler muss es bei Max wohl „Klick“ gemacht haben. „Du, Paps, ich habe mir das jetzt 15 Jahre bei dir angeschaut, ich will das auch mal erleben. Meinst Du, ich schaffe das…?!“

Nun, mit nur 23 Jahren ist er für diese Distanz eigentlich noch eher jung. Nie zuvor war er mehr als 8 km gelaufen, mehr als 2 km geschwommen und auch erst einmal 150 km Rad am Stück gefahren. Und einen Triathlon kannte er auch nur vom Zuschauen. Aber er ist ein guter ausdauernder Schwimmer und auch das Radrln über längere Distanzen war für ihn kein Problem mehr. Einzig das Laufen bereitete ihm Kopfzerbrechen, aber er hatte ja ein Jahr Zeit zur Vorbereitung. Und so ließ sich Pit auf das waghalsige (und auch nicht gerade günstige...) Experiment ein.

So stellten sie sich am nächsten Tag schon früh Morgens in die lange Schlange der Anmelder und sicherten sich das Ticket für den begehrten Startplatz. Für Max sollte es der Erste, für Pit der Letzte über die Langdistanz werden.


Disziplin in der Vorbereitung


Es folgte ein Jahr der Vorbereitung, mit Höhen und Tiefen gespickt von Selbstzweifeln, wobei für Pit nicht die Schwierigkeit in der Motivation seines Sohnes lag, sondern Hauptsächlichen in der psychologischen Unterstützung. Aufgrund seiner langjährigen Wettkampferfahrung konnte er sich doch sehr gut in die Gedanken und Emotionen einfühlen und musste ihn auch das ein ums andre Mal in seinem Trainingseifer bremsen, denn das beste Training nützt nichts ohne ausreichende Regeneration.

Im Winter legte er auf der Rolle den Grundstein für’s Radfahren, Zigaretten und Alkohol wurden verbannt. Für einen Studenten manchmal nicht ganz einfach…Im Februar nahm er dann erfolgreich an einem 10 km Schwimmen teil, beim Bonn-Marathon im April absolvierte er seinen ersten Halbmarathon und beim Trainingslager auf Mallorca wurde nochmal an der Ausdauer gefeilt.

Am 11. Juni bestritt Max dann beim Kraichgau 70.3 seinen überhaupt ersten Triathlon – und dann direkt über die halbe Ironman-Distanz. Trotz erfolgreichem Abschluss blieben aber die Zweifel an seiner Laufperformance. „ ich bin ja nach der Hälfte schon tot, wie soll ich denn da einen ganzen schaffen?!“ Wie gesagt, es war war viel Psychologie gefragt…

Der letzte Test abschließend Mitte Juni mit einer Alpenüberquerung vom Tegernseer nach Meran und noch einigen schönen Touren in den Dolomiten und den Alpen ließ Pit schon ahnen, wo es beim Radfahren hingehen könnte.


Der Tag der großen Herausforderung


Dann war er da, der längste Tag des Jahres, der Ta, auf den man so lange hintrainiert und -gefiebert hatte. Das Wetter war hervorragend, was gute Stimmung auch am Rande der Strecke versprach. Familie und Freunde waren mitgereist, um zu motivieren.

Pit hatte seinen Sohn ausreichend gebrieft und versucht, all seine Erfahrung weiterzugeben. Da Pit wusste, wie Max im Schwimmen und Radeln drauf ist, ließ er sich in einer Startgruppe eine halbe Stunde früher aufstellen. Die Taktik sollte aufgehen...

Um 7.30 Uhr erfolgte der letzte Startschuss für Pit über die Langdistanz. Absolut relaxt, mit einem Lächeln im Gesicht ging’s auf die Strecke. Die Zeit war absolut egal, er wollte nur zusammen mit seinem Sohn im Ziel stehen und sich damit einen Traum erfüllen.

Für Max muss die letzte halbe Stunde bis zu seinem Start wohl hart gewesen sein, aber Freunde, die man über Jahre gewonnen und auf solchen Events kennengelernt hatte, betreuten ihn hervorragend.

Max machte dann schon auf der 3,8 km langen Schwimmstrecke 15 min gut und kam locker nach 1:10 Std aus dem Wasser. Pit hatte sich ausgerechnet, dass Max ihn dann ca. bei km 70 auf der Radstrecke überholen würde, bei km 65 „flog“ er dann auch an seinem Vater vorbei und machte einen sehr entspannten Eindruck. Zusammen erreichten sie dann das Highlight auf der Radstrecke, den Solarer Berg. Hier werden die Wettkämpfer quasi durch ein Spalier von tausenden Zuschauern und einer absoluten Partystimmung förmlich hochgetragen und angefeuert. Die zweite Radrunde absolvierte jeder für sich und mit seinen Gedanken alleine. Nach knapp 5:55 Std kam Max in die Wechselzone, er hatte die Ratschläge seines Vaters wohl befolgt, beim ersten Mal nicht zu überziehen, obwohl er einiges schneller hätte fahren können. Pit kam 20 min später, also noch in „Schlagweite“ und mit dem Bewusstsein, dass Max nun mit seinem inneren „Schweinehund“ kämpfen musste. Nach 6 km lief er dann auch auf ihn auf, aber die physische Verfassung war sehr viel besser als erwartet. Zumal Familie und Freunde auf der Laufstrecke richtig unterstützen konnten. Bis km 9 liefen sie dann auch zusammen, bevor Pit dann wieder die Führung übernahm. Da es sich um eine Wendepunktstrecke handelte, die zwei Mal zu durchlaufen war, begegnete man sich auch immer wieder, konnte ein paar Worte wechseln, im Gesicht des Anderen lesen. Etwa bei km 20 in Büchenbach kam Pit Max entgegen, der zu diesem Zeitpunkt ca 2,5 km hinter ihm lag – und dieser machte kein fröhliches Gesicht. Natürlich machte er sich als Vater dann so seine Gedanken... und die Familie zur Motivation wartete erst wieder bei km 27 in Roth...

Als Pit dort eintraf, schickte er das Team zur moralischen Unterstützung dann auch in Richtung Max, um ihn für die letzten km aufzubauen. Doch 500m später meldete sich eine vertraute Stimme neben Pit, klammheimlich hatte Max sich wieder rangekämpft. Die Überraschung und Freude war überwältigend, war doch spätestens jetzt klar, dass hier nix mehr „anbrennen“ konnte. Und so ließ Pit seinen Sohn auch gerne vorbeiziehen, um ihm auch im Ziel den verdienten Vortritt zu lassen. Nach 13 Std erfüllte sich für Max ein Traum, den er mit seinem Vater ein Jahr zuvor begonnen hatte. Pit kam 10 min später und nach 13:30 Std über die Ziellinie und sein Sohn ließ es sich nicht nehmen, ihm die Finishermedaille umzuhängen.

Für Pit endeten hier wie, angekündigt, seine Ambitionen, nochmal über die Ironmandistanz zu starten. Für Max fängt es jetzt wohl erst an. Zwei Tage später meldete er sich zum Ironman in Frankfurt 2018 an.

Die zwei Sportler sind überglücklich: „Danke an Alle, Familie, Freunde und Helfer an der Strecke, die mitgefiebert haben und uns diesen Traum ermöglicht haben!“

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Kommentare
Thomas Schäfer :
Schade, dass der Verlag diese und andere als Leserbriefe eingesandten Lesermeinungen der gedruckten Ausgabe vorenthalten hat ??
Jürgen Scholten:
Was ich noch vergessen habe !!! Traurig das ein Personalratsvorsitzender solche Kommentare ab gibt !!! Das zeugt von einer großen Voreingenommenheit !!!
Jürgen Scholten :
Sorry dürfte ich mal wissen welche Parteibücher die Herrn haben die diese Kommentare ab geben ??? Unter der Gürtellinie !!!!

Ein Fest, das seinesgleichen sucht

Christian Döpgen:
Handgemachtes von der Firma LivingWood aus Zell (Mosel) www.living-wood.net
juergen mueller:
Warum wurde nicht bereits VOR der Bauphase daran gedacht, dass SAND als Untergrund den Anforderungen eines LKW-Anlieferung- sowie z.B. Müllwagen-Verkehrs (26 Tonnen) nicht standhält? Warum ist der SPD-Altstadt-Mitte bei ihren Begehungen (auch der Kornpfortstrasse während der wochenlangen Bauphase) dieser Makel, dessen Beseitigung nun wiederholt Steuergelder kosten soll, nicht aufgefallen? Eine Schuldzuweisung alleine zu Lasten der Verwaltung oder der ausführenden Baubehörde erscheint mir hier als zu einfach gedacht.
juergen mueller:
Die Aussage der Verwaltung u. die (zu)späte Feststellung der SPD-Altstadt-Mitte, die Pflasterung der Kornpfortstrasse vertrage den LKW-Verkehr nicht, spricht Bände. Hat die Verwaltung etwa geglaubt, die Warenanlieferung erfolgt mit der Sackkarre? Was ist mit der wöchentlichen Leerung der Mülltonnen mit einem 26-Tonner? Wenn der SPD-OV-Mitte schon anprangert - FRAGE: "Warum ist hier nicht schon während der monatelangen Bauphase aufgefallen, dass SAND NICHT als LKW-tragfähiger-Untergrund geeignet ist, was jedes Kind bereits weiß? Wozu dann die wöchentliche Begehung der Altstadt(straßen),wenn so etwas nicht auffällt? Die Kornpfortstrasse ist in ihrer GESAMTHEIT NICHT gelungen, wenn neben einer ansehnlichen Oberfläche ein tragbarer Untergrund für die normalen Dinge des Lebens fehlt, Dinge, die es nun einmal mit zu berücksichtigen gilt, wenn man solche Bauvorhaben durchführt. Der Verwaltung die Schuld zuzuschieben an etwas was man mit verbockt hat ist zu einfach aber eben Politik
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