Ökumenisches Partnerschaftsfest in der Vallendarer Pallottikirche

Kirche radikal reformieren

20.03.2017 - 16:28

Vallendar. Welchen Sinn macht heute die Feier eines 500 Jahre alten Ereignisses in der Kirchengeschichte für evangelische, für alle Christen? Dieser Frage ging Prof. Hans Ulrich in seiner Predigt nach im gemeinsamen Gottesdienst, der das Ökumenische Fest der Partnerschaften von Haus Wasserburg, der Katholischen Hochschulgemeinde Koblenz und des GMÖ der ev. Kirche im Rheinland mit Ruanda, Bolivien und den Philippinen am 12. März in der Pallottikirche in Vallendar eröffnete.

Die Geschichte der Barmherzigkeit gehe weiter, ermutigte der evangelische Gastprediger die Besucher der bunt gemischten Gemeinde aus Besuchern verschiedener Pfarreien, Religionen und Erdteilen. Doch dazu müsse man Reformation als fortdauernden Prozess der Erneuerung verstehen, als die immer neue Erprobung des eigenen Lebensentwurfs in der jeweiligen Weltzeit. Erst dann werde Begegnung, das Zusammenfinden im Trennenden und eine Welt des Friedens und der Gerechtigkeit möglich. Über gelungene, konkrete Beispiele informierten dann rund um die Kirche auch die Infotische der beteiligten Initiativen des Bistums, des Evangelischen Kirchenkreises und Haus Wasserburg.

Im nachmittäglichen Podiumsgespräch stellte Ulrich das kritische Forschungs- und Aktionsprojekt zum Jubiläum „Die Reformation radikalisieren – provoziert durch Bibel und Krise“ vor. Gegen den Mainstream der oft sich selbst nur feiernden, aber nicht verändern wollenden Kirchen schlagen Theologinnen und Theologen aus verschiedensten Ländern, Kulturen und protestantischen Gemeinschaften 94 Thesen an die Kirchentüren von heute gegen die ungezügelte Zerstörung menschlichen wie nicht-menschlichen Lebens in einer vom totalitären Diktat des Geldes und der Gier, des Marktes und der Ausbeutung regierten Welt. Als radikal zu verstehen ist dabei die konsequente Rückbesinnung auf die biblische Botschaft wie auch die noch heute hoch aktuelle Kapitalismuskritik Martin Luthers. Schon die Bibel fordere uns auf, nicht allein die Freiheit des Einzelnen zu leben und zu feiern, sondern Befreiung für alle aus Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu suchen. Nicht passive Rechtfertigung, sondern aktive Mitwirkung an einer Welt der Gerechtigkeit gegen die Ausbeutung von Mensch und Schöpfung und gegen eine Politik, die sich nur von ökonomischen Denken treiben lässt. Was nötig ist, so waren sich mit Ulrich die teilnehmenden Gäste einig, ist eine radikale Umkehr, ein Aussteigen aus festgefahrenen Denkstrukturen, die nur unbegrenztes wirtschaftliches Wachstum als Ziel vor Augen haben. Der Leitgedanke der von Ulrich vorgestellten 94 Thesen, über das, was dringend geboten ist, um biblisch verstandene Gerechtigkeit zu üben, ist die Gemeinschaftstreue, die Überzeugung, dass jeder einzelne zählt und mit dem Ganzen untrennbar zusammenhängt, und diese Einsicht erfordert einen Ausstieg aus der schon von Walter Benjamin benannten Logik des Verschuldens, die die Schere von Arm und Reich immer weiter auseinandertreibt, ein Neu-Buchstabieren und Deklinieren des herrschenden Verständnisses von Macht und Besitz, eine Solidarisierung mit politischen und kritischen Initiativen weltweit.

Es brauche eine wirkliche Opposition, die Widerstand leistet gegen den Zynismus der Besitzenden und immer mehr besitzen Wollenden, wie er am Abend durch die Berliner Compagnie in ihrem Theaterstück auf die Spitze getrieben wurde. So wurde das Fest durchaus vergnüglich beschlossen, das feiernde Volk aber nicht mit Brot und Spielen abgespeist, sondern zum Widerstand ermutigt. Denn um die Spirale der ökonomischen Ausbeutung der vielen zum Profit von wenigen zu durchbrechen, braucht es radikale Umkehr, Erneuerung und reale Utopien, damit der Traum Gottes von und mit uns Menschen schon heute wahr werden kann und nicht nur wenige Privilegierte, sondern alle sagen können: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit!“

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Kommentare
Gudrun Freier:
Schön, dieser Bericht von dem großen Ereignis
Michael Daum:
Es ist wirklich unfassbar! Jetzt wo das bestellte Gutachten nicht das erhoffte Ergebnis zeigt, ist es plötzlich nicht aussagekräftig bzw. war nicht umfangreich genug. Da man sich ja offenbar so in die alternativlose Einschätzung verrannt hat, dass Bad Breisig ohne Therme nicht vorstellbar ist, fragt man sich doch, warum man dann Geld (ich meine mal etwas von 30.000€ gelesen zu haben) für ein Gutachten verschwendet. Offenbar sind nur Gutachten, die die eigene Weltsicht unterstützen, ordentliche Gutachten. Und wenn die Ergebnisse erst dann vorliegen, nachdem die Weichen für eine Sanierung schon gestellt sind, spricht das auch für sich. Eine merkwürdige Einstellung und sicherlich eine gute Erklärung für die vielen Probleme der Stadt. Wenn man auf die hohe Lebensqualität in der Stadt abstellt, so sollte man vielleicht auch mal darlegen, wie man diese auf lange Sicht zu finanzieren gedenkt. Leider ist die Enteignung der Bürger über immer höhere Steuern und Abgaben ja zu einfach.
Uwe Klasen:
Sehr geehrter Herr Müller, vielen Dank dass Sie mit jeder Zeile ihrer Kommentare meinen Eindruck, den ich von ihnen gewonnen habe, bestätigen! Zum Leidwesen der meisten anderen Menschen scheinen Sie sehr Intolerant zu sein und Andersdenkende lieber zu diffamieren anstatt sich mit diesen Menschen auseinanderzusetzen bzw. auch deren Meinung gelten zu lassen!
juergen mueller:
Ich müsste mich eigentlich glücklich schätzen erfahren zu dürfen, dass es Menschen wie Sie gibt, die nie interpretieren, dafür aber aus dem Belehren nicht mehr herauskommen, was wie eine Zwangsjacke sein muss, deren Leben wohl nur aus Sachlichkeit und Objektivität besteht, Menschen, die andere, die nicht Ihre Meinung vertreten, in eine Schublade stecken und ihnen geistige Grundlagen unterstellen, die unsere Demokratie gefährden. Mein lieber Herr Klasen, nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich habe mein Leben lang mit Klugscheissern wie Ihnen zu tun gehabt und dies auch noch heil und geistig frisch überstanden u. mir meine persönliche, demokratisch verordnete Gedankenwelt erhalten. Und was mein Recht ist oder nicht, das können Sie selbst in Erfahrung bringen, wenn Sie sich einmal mit dem Wort Demokratie auseinandersetzen. Hierzu interpretiere ich z.B. WIKIPEDIA.
Uwe Klasen:
Her Mueller, Sie interpretieren anstatt sachlich und objektiv zu beurteilen! Es ist ihr gutes Recht ihre Ansichten bzgl. anderen Parteien kund zu tun, aber damit einhergehend ist es NICHT ihr Recht, Andersdenkenden etwas Vorzuwerfen was nicht ihrer persönlichen Gedankenwelt entspricht und dafür noch geistige Konstrukte zu bemühen die in dieser Art und Weise nicht existieren! Von welcher Partei werden die Autos der Mitglieder verbrannt oder die Hauswände ihrer Wohnhäuser (bestenfalls) mit Farbe beschmiert, welcher Partei werden regelmäßig die Büros zerstört? Das solche, undemokratischen (!), Handlungen, die auch auf solch geistigen Grundlagen wie z.B. ihren Kommentaren beruhen, wird die Demokratie MEHR gefährdet als durch die "AfD" oder "Die Linke"! Übrigens, eine direkte Demokratie, wie z.B. die, seit Jahrhunderten, funktionierende und sich daraus immer weiter entwickelnde Schweiz ist, entgegen ihren Ansichten, eine durchaus gute funktionierende Demokratie!
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